Möglich ist es dann, wenn man daran glaubt», sagt Peter Pauli, CEO von Meyer Burger. Die Firma ist im Solarsektor über die gesamte Wertschöpfungskette der Photovoltaik (PV) tätig. Die Solarbranche ist längst von einem Markt der Pioniere zu einem dynamischen Markt geworden, wo Innovation und Weiterdenken gefragt sind.

Teil der Solarenergiebranche ist die Photovoltaik - der Sektor umfasst alles rund um die Photovoltaikmodulproduktion. Zahlreiche Firmen spezialisieren sich in einem Glied der Produktionskette.

Die Umsätze aus der Schweizer Photovoltaikbranche lägen in der Grössenordnung von 1,5 bis 2 Mrd Fr., schätzt Stefan Nowak, Programmleiter Photovoltaik beim Bundesamt für Energie. «Die Exportrate ist um die 95%, fast alles wird exportiert», erklärt er. Der Solarenergiemarkt in der Schweiz selber ist klein. «Deutschland, einer der grössten Märkte in dem Bereich weltweit, hat 15 Mal mehr Photovoltaikleistung pro Einwohner installiert als die Schweiz», so David Stickelberger, Geschäftsleiter des Schweizerischen Fachverbands für Solarenergie.

International werden die Schweizer Technologien besonders dort geschätzt, wo die Wertschöpfung stark ist. Die Vorteile der Schweiz liegen in einer Kombination von langjähriger Forschung und traditionellen Werten in der Maschinenindustrie. Auch im Solarenergiebereich entwickelt sich diese Industrie. In der Produktion von Maschinen, die man zum Solarmodulbauen braucht oder zur effektiven Nutzung des Solarmoduls, können Schweizer Firmen Innovationen aufzeigen.

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Meyer Burger: Stark in der Zuliefer-IndustrieSputnik Engineering: Evolution statt RevolutionIDS: Parität mit konventionellen Energien

Eine der Stärken der Schweizer Solarindustrie liegt ganz klar im Zulieferbereich», sagt David Stickelberger. Die Technologiegruppe Meyer Burger, Baar, umfasst heute neun Gesellschaften, welche über die gesamte Herstellungskette der Photovoltaik vom Solarwafer bis zum fertigen Photovoltaikmodul Maschinen und Systeme anbieten. Am Anfang der Prozesskette geht es um das Auftrennen und das Schneiden des kristallinen Werkstoffs Silizium.

Mit Hilfe von Cropping- und Drahtsägen werden Siliziumblöcke erst in quadratische Stangen, Bricks, aufgetrennt und dann in dünne Scheiben geschnitten. Diese Solarwafer werden dann in weiteren Bearbeitungsprozessen zu fertigen Photovoltaikmodulen verarbeitet. Eines der Ziele ist es, so viele Wafer pro Kilogramm Silizium zu schneiden wie möglich.

Die Trenntechnologie wurde in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert, und dadurch haben Meyer Burgers Kunden von einer markanten Steigerung der Waferproduktion profitieren können, erläutert Peter Pauli, CEO der Meyer-Burger-Gruppe.

Gerade führt die Firma eine neue Sägetechnologie ein, die diese Effizienz noch steigern soll. Durch den Einsatz von diamantbesetzten Drähten im Trennprozess soll die Produktivität nochmals gesteigert und die Oberflächenbeschaffenheit der Solarwafer verbessert werden.

Mit den herkömmlichen Techniken sind häufig Mikrorisse in den Wafern vorzufinden, die die Leistungsfähigkeit reduzieren. Die Diamantsägen sollen diese Risse mindern.

Die Vision hinter dieser Effizienzsteigerung ist die Fortführung der Industrialisierung der Branche, eine Richtung, die auf dem Weltmarkt durchaus zu sehen ist. China ist einer der grössten Photovoltaikmodulhersteller. Mehr als zwei Drittel der Umsätze der Firma stammen von asiatischen Kunden, rund 22% aus Europa.

Im 1. Halbjahr 2010 stieg Meyer Burgers Umsatz um 67%. Von einer Produktionsrate von 2,3 Maschinen pro Woche 2007 sind es jetzt 25 Maschinen pro Woche, die produziert werden. Im Januar 2010 hat Meyer Burger mit dem Solarmodulhersteller 3S Industries AG fusioniert und hat damit eine gute Position in der Wertschöpfungskette.

Auch Sputnik Engineering mit Sitz in Biel sieht sich einem boomenden Weltmarkt gegenüber. Auf dem Gebiet der Wechselrichterherstellung ist die Firma weltweit an fünfter Stelle. «Und unser Ziel ist, die Nummer drei zu werden», erklärt Hans-Georg Schweikardt, Leiter des Produkt-Managements bei Sputnik Engineering. Die jährlich installierte Leistung in Megawatt wird sich bis Ende 2010, verglichen mit 2008, vervierfachen. Auch die Mitarbeiterzahl ist gestiegen - wenn es 2004 40 Mitarbeiter gab, so sind es heute bereits 330.

Ein Wechselrichter ist eine zentrale Komponente der PV-Anlage. Er verwandelt den Gleichstrom aus der Solarenergiequelle in Wechselstrom, der dann ins Stromnetz eingespeist werden kann. Unter der Marke SolarMax entwickelt Sputnik Engineering Wechselrichter für jedes Einsatzgebiet - für Einfamilienhäuser wie für megawattstarke Solarkraftwerke.

Eine der grössten Herausforderungen ist es, sich immer weiter zu entwickeln. Der Wirkungsgrad der Wechselrichter von SolarMax liegt bei bis zu 98%, bei Produkten in den 1990er-Jahren lag er noch unter 95%.

«Die Luft wird hier so dünn, dass man sich langfristig auf dieser Ebene nicht mehr unterscheiden kann», sagt Hans-Georg Schweikardt. Die neuen Produkte werden zwar immer effizienter, aber die 100% sind praktisch nicht ganz zu erreichen. Also arbeitet Sputnik andere Differenzierungsmerkmale heraus und bietet zusätzliche Dienstleistungen an.

Auf lange Sicht setzt die Firma auf Evolution statt auf Revolution. Das Produkt soll einfacher zu benutzen sein, exzellente Qualität haben, und das alles zu einem attraktiven Preis. Die Balance zwischen Qualität, Kostensenkung und Wirkungsgrad soll möglichst erhalten bleiben. Bei rund 3000 Komponenten gar nicht so leicht.

Ein neues Produkt der Firma aus dem Berner Seeland, der MT-Stringwechselrichter, hat zum Beispiel eine neue Funktion, das Multi-Tracking: Das Konzept ermöglicht den Anlagenbau auf Dächern mit unterschiedlicher Fläche, Ausrichtung und Neigung.

Bei allen Produkten wird das Montieren immer einfacher und man kann jetzt durch das Internet seine PV-Anlage kontrollieren.Kommunikationslösungen für Wechselrichter sind auch bei SolarMax wichtig, denn sie helfen Ertragsausfälle zu verhindern.

Die Firma IDS ist ein Wechselrichterhersteller mit Sitz in Zürich. Auch tätig in der Windindustrie, ist die Firma vor allem in Solo-Wechselrichtern mit grösseren Leistungen spezialisiert, mindestens ab 100 Kilowatt. «Typisch für die Schweizer Industrie sind Anlagen, die technologisch problematisch sind», sagt Alexander Stoev, CEO der IDS AG.

Auch hier wird an effizientere Wege, die Solarenergie zu nutzen, gedacht. «Hauptaufgabe ist es, die Parität mit den konventionellen Energieformen zu erreichen, das heisst, zum gleichen Preis Strom von Solar- oder Windenergie zu erzeugen wie Strom aus Öl und Kohle», meint Stoev. Da wird am Wirkungsgrad der Wechselrichter gearbeitet, aber auch an anderen Sektoren der Solarenergie. «Es gibt so viel Innovation im Bereich Solarenergie und Energiespeicherung, dass es da wirklich grosse Fortschritte zu erwarten gibt», meint Alexander Stoev. Ein neues Produkt, das Duo-Solarmodul, soll den Energiegewinn erhöhen, indem es Solar- und Thermoenergie gleichzeitig benutzt.

Das Modul sieht auf der einen Seite so aus wie ein herkömmliches Solarpanel, während auf der anderen Seite eine Thermoanlage die Restenergie, die normalerweise als Hitze verlorengeht, dazu bringt, zum Beispiel Wasser zu heizen.

«Der Markt ist noch nicht ganz reif dafür, es wird aber kommen», sagt Stoev. Es wurden bereits rund 200 Module hergestellt, sagt Martin Vinzens, CTO der IDS AG.

Eines der Probleme der Solarenergie ist die Speicherung. Mit Hilfe von Hochenergiebatterien arbeitet die Firma an der Entwicklung einer elektrischen Energiespeicherungsanlage mit einem Speicherinhalt von 3500 Kilowattstunden. «Wir profitieren von den technologischen Entwicklungen, die wir im Wind- und Batteriebereich sammeln konnten, und setzen sie im Solarbereich um», so Stoev.

Er ist sich sicher, dass der Solarenergiemarkt weltweit wachsen wird. IDS hatte 2009 im Solarenergiebereich ungefähr drei Megawatt produziert, bis Ende 2010 erwartet er 60 Megawatt (120 Anlagen) und 2011 gar 150 Megawatt (300 Anlagen). Vor allem China ist interessant, rund die Hälfte des Umsatzes kommt aus dem Reich der Mitte.