Die Schweiz exportierte im vergangenen Jahr Güter im Wert von über 19,5 Mrd Fr. in die USA. Das ist zwar wertmässig rund 1 Mrd Fr. weniger als im Spitzenjahr 2006. Doch die USA sind noch immer - nach Deutschland - das zweitwichtigste Exportland, mit einem Anteil von 9,6% am gesamten Schweizer Exportvolumen von 207 Mrd Fr. im letzten Jahr. Trotz der leicht rückläufigen Zahlen gelten die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern als äusserst stabil, gerade auch in der aktuellen Krise. Während nämlich im 1. Quartal 2009 die Schweizer Exporte gesamthaft um 12% einbrachen, fiel das Minus auf dem US-Markt mit 6% verhältnismässig mild aus. Der langfristige Blick zurück in die Vergangenheit verdeutlicht, wie sehr sich der Handel mit den USA entwickelt hat: 1990 wurden für knapp 7 Mrd Fr. Exporte in die USA getätigt - eine Grösse, die sich in knapp 20 Jahren beinahe verdreifacht hat. «Die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA bleiben von grosser Bedeutung für unsere Wirtschaft», betont Martin Naville, CEO der Swiss American Chamber of Commerce.

Pharma, Maschinen und Uhren

Wie viele der rund 40000 in Ausfuhrgeschäften aktiven Schweizer Unternehmen in den USA Waren und Dienstleistungen verkaufen, ist nicht bekannt. Doch zwei Drittel der rund 500 grössten Industrieunternehmen exportieren auch in die USA. Für Global Players wie Novartis, Roche, Syngenta, Nestlé und Schindler sind die USA der eigentliche Schlüsselmarkt, denn sie tätigen hier mindestens 30% ihres Umsatzes. Bei Novartis etwa macht der US-Anteil am Umsatz 42% aus, bei Roche 39%. Die Schweiz exportiert vor allem Produkte mit hohem Mehrwert über den Atlantik. Anteilsmässig am bedeutsamsten sind laut einer Studie der Credit Suisse Pharmaerzeugnisse (21%), Maschinen (18%), Chemieprodukte (12%) und Uhren (11%).

Die USA sind nicht nur eine wichtige Grösse in der Exportsta-tistik. Sie sind auch die mit Abstand wichtigste Destination für Schweizer Direktinvestitionen im Ausland. Der Kapitalbestand von Schweizer Firmen in den USA beträgt mehr als 163 Mrd Dollar. Das entspricht mehr als einem Fünftel aller Schweizer Direktinvesti- tionen im Ausland. 560 Schweizer Firmen haben eine oder mehrere Niederlassungen in den USA. Insgesamt stehen über 310000 Angestellte direkt auf deren Lohnlisten. Unter Einberechnung nachgelagerter Beschäftigungseffekte sorgen Schweizer Firmen für rund eine halbe Million Arbeitsplätze in den USA. Die grössten Arbeitgeber aus der Schweiz sind nach Zahl der Beschäftigten Nestlé, UBS, Novartis, Roche, Credit Suisse, Zurich, ABB, Holcim, Gate Gourmet Switzerland, Schindler, Syngenta, Adecco, Scintilla, Swiss Re, Kühne + Nagel sowie Clariant.

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Must für Finanzdienstleister

Die Liste verrät auch, dass Dienstleistungen im Handel zwischen den beiden Ländern eine wesentliche Rolle spielen. Darunter fallen in erster Linie die grenzüberschreitenden Banken- und Versicherungsgeschäfte. Deren wirtschaftliche Bedeutung ist in jüngster Zeit mit der Finanzkrise und den Problemen der UBS auf dem amerikanischen Markt unliebsam in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Gemäss der Welthandelsorganisation (WTO) hält die Schweiz einen Anteil von über 6% an den weltweiten Dienstleistungsexporten in den Bereichen Banken und Versicherungen. Sie befindet sich damit hinter der EU (26%) und den USA (19%) auf Rang drei. Die Zahlen zeigen, warum jeder global ausgerichtete Finanzdienstleister kaum darum herumkommt, auf dem US-Markt präsent zu sein.

Die USA sind nicht nur für die grössten Firmen der Schweiz eine zentrale Grösse, sondern auch für viele mittlere und kleine Unternehmen äusserst interessant. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind Namen wie Vic- torinox, Lindt & Sprüngli, Ricola, Phonak, Mettler-Toledo, SFS, Straumann, Sigg, Collano und weitere. Einige von ihnen haben dank der Aussenhandelsorganisation Osec sicheren Tritt auf dem US-Markt gefasst. Die Firmen stehen für Nahrungs- und Genussmittel, für Präzisionsinstrumente der Medizinal- und Messtechnik, für hochwertige technische Nischenprodukte aus unterschiedlichsten Bereichen sowie für trendige Konsumartikel. Der Medizinaltechnikkonzern Synthes tätigt in den USA 60% seines Umsatzes, die Pilatus Flugzeugwerke 40%. Der Kaffeemaschinenhersteller Thermoplan ist mit der Expansion von Starbucks als wichtiger Zulieferer der Kaffeehauskette zur erfolgreichen Firma geworden.

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Logitech-Maus aus Kalifornien

«Die Verknüpfungen zwischen der Schweiz und den USA sind in einzelnen Unternehmen oft so eng, dass es manchmal gar nicht leicht fällt, auseinanderzuhalten, was letztlich schweizerisch und was amerikanisch ist», meint Naville. Die Logitech-Maus etwa, die immer wieder als Vorzeigestück der Schweizer IT-Industrie zitiert wird, sei von amerikanischen Forschern im kalifornischen Freemont entwickelt worden.

Es liegt an den unterschiedlichen Grössen der beiden Länder, dass aus amerikanischer Optik die Bedeutung der Schweiz etwas geringer ist. Sie rangiert für die US-Amerikaner als Exportmarkt auf Position 15 und als Importland auf Position 25. Immerhin aber gehört die Schweiz zu den zehn wichtigsten ausländischen Direktinvestoren, und im Bereich Industrie nimmt sie diesbezüglich sogar einen Spitzenrang ein. Betrachtet man die beiden Länder vor dem Spiegel des Weltmarktes, so fällt auf, dass die Schweiz im Verhältnis zu ihrer Grösse ein überproportionales Gewicht hat. Als Exportland ist die Schweiz mit einem Weltmarktanteil von 1,2% nur siebenmal schwächer als die USA, die auf einen Anteil von 8,4% kommen. Die Zahlen verdeutlichen auch: Die Wirtschaft der Schweiz ist mit einer Exportquote, die inzwischen 40% des Schweizer Bruttoinlandproduktes (BIP) entspricht, deutlich exportorientierter als diejenige der USA, die zu 72% von der Nachfrage auf dem Binnenmarkt lebt. Die globale Einfuhrstatistik verrät weiter, dass von der Nachfrage des US-Konsumenten 18% der Weltwirtschaft abhängen, vom Schweizer Verbraucher nur 1,1%.

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Der amerikanische Markt wird den Schweizer Unternehmen auch in Zukunft gute Chancen bieten. «Voraussetzung ist allerdings, dass diese auch in der Krise präsent bleiben und weiter investieren», gibt Naville zu bedenken. Die Schweizer haben gute Karten in jenen Sektoren, in denen sie heute schon erfolgreich sind, also mit Feinmechanik und Präzisionsinstrumenten, Medizinaltechnik und Pharma. Und sie werden künftig wohl vermehrt auch Technologien für erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie für Verkehrsinfrastrukturen über den Teich liefern können.