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Schweizer Investoren sichern sich Espírito-Santo-Nachlass

Ausverkauf nach dem BES-Kollaps: Schweizer Unternehmen mischen kräftig mit.  Keystone

Im Kampf um Teile der kollabierten portugiesischen Grossbank mischen auch Schweizer Firmen mit. So hat sich etwa Springwater Capital aus Genf die Tourismustochter Espírito Santo Viagens gesichert.

Von Gabriel Knupfer
am 01.10.2014

Wie portugiesische Zeitungen am Montag berichteten, soll sich die schweizerisch-luxemburgische Beteiligungsgesellschaft Springwater Capital mit Rioforte Investments über den Kauf von Espírito Santo Viagens einig sein. Der Deal soll noch im Oktober vollzogen werden. Espírito Santo Viagens ist in Portugal Marktführer im Bereich Reisen und Tourismus. Die Firma betreibt landesweit rund 50 Filialen und ist ausserhalb von Portugal auch in Spanien, Italien und der ehemaligen Kolonie Angola präsent.

Als Teil der Investment-Gesellschaft Rioforte in Luxemburg, die wiederum zur portugiesischen Grupo Espírito Santo (GES) gehört, ist der Reiseanbieter in den Strudel der Pleitebank geraten. Obwohl kein Preis kommuniziert wurde, wird in portugiesischen Zeitungen spekuliert, dass Espírito Santo Viagens zu einem absoluten Schnäppchenpreis verkauft worden sei. Darauf schliessen könne man aus der Anlagestrategie von Springwater.

«Player im iberischen Markt werden»

Die Beteiligungsgesellschaft Springwater konzentriert sich laut Website auf Investitionen in unterbewertete Unternehmen. «Die Firma fokussiert auf ausserbörsliche Beteiligungen und spezielle Investitions-Gelegenheiten», steht dort geschrieben. Dazu gehörten auch Firmen, die in Schieflage geraten sind. Springwater helfe diesen «aktiv bei der Restrukturierung».

Mit der Übernahme von Espírito Santo Viagens wolle sich Springwater als «grosser Player im iberischen Tourismus-Markt etablieren», teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte sich Springwater in diesem Jahr bereits eine Mehrheit am spanischen Reiseanbieter Pullmantur gesichert.

Begehrte Konkursmasse

Der Verkauf von Espírito Santo Viagens ist Teil der aktuell laufenden Auflösung der Holding Rioforte, die in Luxemburg unter Gläubigerschutz steht. Die Gesellschaft, die zur internationalen Gruppe Espírito Santo (GES) gehört, stand am Ursprung des Kollapses der portugiesischen Grossbank.

Rioforte war quasi die private Beteiligungsgesellschaft der Familie Espírito Santo zu der Hotels, Ländereien, Krankenhäuser und Firmenbeteiligungen zählen. Im Juli 2014 brach das Kartenhaus zusammen und hinterliess ein Finanzloch von 4,9 Milliarden Euro. Der Familienpatriarch und ehemalige CEO der Banco Espírito Santo, Ricardo Salgado, wurde im Juli wegen des Verdachts der Geldwäsche und Steuerhinterziehung verhaftet.

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Beim aktuellen Ausverkauf der Unternehmensteile hatten sich schon früher Schweizer Firmen hervorgetan. Im Juli kaufte die Compagnie Bancaire Helvétique Teile des Private Banking der Banque Privée Espírito Santo.

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