Sommerzeit ist Transferzeit. Die drei Tore von Hakan Yakin haben die Schweizer Nationalmannschaft an der Fussball-Europameisterschaft zwar nicht vor dem frühen Ausscheiden bewahrt. Für ihn persönlich waren sie trotzdem Gold wert. Steinreiche Öl-Scheichs im Fussballentwicklungsland Katar sind auf den 31-Jährigen aufmerksam geworden und haben ihn für rund 4 Mio Fr. von den Berner Young Boys abgeworben. Dass die Meisterschaft in Katar international kaum viertklassiges Niveau erreicht, kann Yakin egal sein. Seine Altersvorsorge ist dem Nati-Star, der in Katar seinen Jahreslohn mit gegen 3 Mio Fr. vervielfachen kann, aus verständlichen Gründen wichtiger.

Yakin ist einer von vielen Schweizer Fussballern, die der Duft des grossen Geldes in ausländische Ligen gelockt haben. Dort können selbst mittelklassige Kicker ihren Marktwert rasch nach oben schrauben und Millionensaläre einstreichen. Ein Beispiel ist der früher belächelte FCZ-Verteidiger Alain Nef, dem der italienische Klub Udinese ab sofort bis 2013 einen Jahreslohn von gegen 1,5 Mio Fr. auszahlen wird. Ob Nef spielt oder nur auf der Ersatzbank sitzt, ändert daran nichts.

Die fünf Top-Ligen als Goldgrube

Der Marktwert eines Spielers hängt neben seinen Leistungen wesentlich mit der wirtschaftlichen Potenz der an ihm interessierten Klubs zusammen. Neben arabischen Ländern, den USA oder Japan, wo meist Mäzene und Konzerne die hohen Transfersummen für alternde Stars aufbringen, sitzt das Fussballkapital vor allem in den fünf europäischen Top-Ligen England, Italien, Deutschland, Spanien und Frankreich.

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Gemäss der aktuellen Studie des Beraterunternehmens Deloitte haben die Big Five in der Saison 2006/07 zusammen rund 7,2 Mrd Euro und damit über 50% der Gesamteinnahmen aller Fussballligen Europas für sich verbucht. Rund 40% der Summe stammen aus TV-Einnahmen, 35% aus Zuschauereintritten sowie ein Viertel aus dem Sponsoren- und Merchandising-Geschäft. In etwa diesem Verhältnis werden die Gelder von den Klubs zur Finanzierung der horrenden Transfersummen ihrer Wunschspieler aus aller Welt eingesetzt.

Der Marktwert eines Spielers kann also von Land zu Land massiv variieren. «Die enormen Einnahmen, speziell aus den TV-Übertragungsrechten, führen dazu, dass Klubs aus den europäischen Top-Ligen auch für den Kauf von Ergänzungsspielern Millionenbudgets zur Verfügung haben», sagt Christian P. Schneider, Fussball-Experte bei Deloitte. Von den TV-Einnahmen profitieren etwa in Deutschland nicht nur Spitzenklubs wie Bayern München oder Werder Bremen. Auch der zweitklassige 1. FC Nürnberg hat soeben für den Ex-FCZ-Spieler Daniel Gygax eine Transfersumme von rund 1,5 Mio Fr. hingeblättert. Gygax war an der Euro 08 nur Ersatz im Schweizer Team.

Diese Summe würde für Gygax kein Schweizer Klub bezahlen. Diese hinken sowohl bei den TV-Geldern als auch Zuschauereinnahmen und im Merchandising-Geschäft meilenweit hinter den Top-Ligen hinterher und müssen deshalb bei Transfers und Salären viel kleinere Brötchen backen. Dies führt dazu, dass talentierte Schweizer Spieler beim erstbesten Auslandsangebot abspringen. Diese schmerzliche Erfahrung musste zuletzt etwa der FCZ machen, dessen Meisterteams 2005/06 und 2006/07 im Totalausverkauf praktisch aufgelöst wurden.

Ohne Investoren geht nichts

Die Gesetzmässigkeiten im Transfermarkt sind in der Schweiz gemäss FCZ-Präsident Ancillo Canepa zwar nicht anders als im Ausland. «Primär bestimmen die Spieler ihren Marktwert durch gute Leistungen und ihr Potenzial.» Dieser Marktwert variiere jedoch international. Für den effektiven Transferbetrag sei letztlich die «Fussball-Kaufkraft» des jeweiligen Landes entscheidend. Kein Wunder, dass Schweizer Spieler, die ihre Leistung im Ausland teurer verkaufen können, dies auch tun.

Demgegenüber sind viele Schweizer Klubs aufgrund der fehlenden Einnahmen nicht einmal fähig, Transfersummen aus der eigenen Kasse zu bezahlen. Der FCZ ist gemäss Canepa aus Mangel an Eigenkapital für Spielerkäufe oft auf Investoren angewiesen. Solche Fremdfinanzierungen beruhen meist auf einer speziellen Beziehung vom Geldgeber zum Verein. Der Investor profitiert von einem Imagegewinn, verlangt dafür nur geringe oder gar keine Schuldzinsen vom Klub. «Der FCZ erhält aber in jedem Fall einen massgebenden Teil von allfälligen Transfergewinnen mit solchen Spielern.» Canepas Ziel ist es dennoch, dass der FCZ seine Transfers künftig selber finanzieren kann.

Bezüglich sportlicher Perspektiven ist Canepa in Anbetracht der internationalen Relationen im Transfermarkt vorsichtiger geworden, nachdem er bei seinem Amtsantritt noch die Teilnahme an der Champions League als klares Ziel für den FCZ ausgegeben hatte. «Das Erreichen der Fussball-Königsklasse ist für einen Schweizer Verein nicht planbar und nur möglich, wenn alles stimmt.» Der FCZ muss in der neuen Saison, die diese Woche beginnt, mit einem nominell eher durchschnittlichen Team vorerst schauen, den Anschluss zu den nationalen Spitzenteams Basel und YB – auch ohne Yakin – nicht zu verlieren.