MARKTSTUDIE SCHWEIZ . Wie gross ist eigentlich der Schweizer Logistikmarkt? Wie präsentiert sich die Logistikmarkt-Landkarte, welche Infrastruktur ist vorhanden und wie wird sie durch die Marktteilnehmer genutzt? Welche Gütervolumen werden bewegt, und mit wie vielen Mitarbeitenden wird dies bewerkstelligt? Welche Bedeutung und welche Zukunftsaussichten hat die Logistikbranche in der Schweiz? Fragen, die bisher nur äusserst vage und wenn überhaupt, dann nur aus der meist fokussierten Sichtweise eines einzelnen Wettbewerbers in diesem Markt beantwortet wurden. Dies soll sich aber nun ändern. Die Universität St. Gallen, Lehrstuhl für Logistikmanagement (LOG-HSG) und GS1 haben gemeinsam die «Logistikmarktstudie Schweiz» erarbeitet, welche im Dezember lieferbar sein wird.

Erstmals detaillierte Zahlen

Zum ersten Mal wird es also möglich sein, den Logistikmarkt in seinen vielen unterschiedlichen Ausprägungen näher zu beleuchten und zu analysieren. Was dabei herausgekommen ist, ist äusserst interessant. Mit einem aufwendigen Verfahren, unzähligen Befragungen sowie der akribischen Analyse relevanter statistischer Angaben hat das Team um Professor Wolfgang Stölzle eine umfassende Darstellung des Logistikmarktes Schweiz erarbeitet. Ziel des Vorhabens war die genaue qualitative Beschreibung und quantitative Bemessung des gesamten Logistikmarktes und einzelner Teilsegmente. Die Studie umfasst alle Transport-, Umschlags- und Lagerleistungen (TUL-Betrachtung) sowie die direkt damit zusammenhängenden sonstigen Aktivitäten, wie beispielsweise Rechnungsabwicklung oder Verzollung. Nicht berücksichtigt wurden aufgrund von Abgrenzungsschwierigkeiten produktionsinterne Logistikleistungen. Die Studie basiert zudem auf einer Umfrage bei rund 1100 Unternehmen. Begleitend standen 19 Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft für eine Delphi-Befragung zur Verfügung. Eine enorme Fülle an Daten, die vertiefte Erkenntnisse über den Logistikmarkt Schweiz erlaubt. Sämtliche Daten, die in die Berechnung des Logistikgesamtmarktes und dessen Teilmärkte einflossen, stammen aus dem Jahr 2006. Angaben, welche für dieses Jahr nicht verfügbar waren, wurden geschätzt.

Teilmärkte im Visier

Insgesamt hat die «Logistikmarktstudie Schweiz» sieben bzw.neun Teilmärkte im Detail untersucht. Es sind dies: Tank & Silodienste, Massengut-, Schwergutlogistik & Krandienste, Komplettladungs-, Stückgutlogistik, KEP-Dienste sowie Post- & Briefdienste. Dazu wurden die beiden Teil-märkte Kontraktlogistik sowie Terminaldienste & Warehousing als Querschnittsfunktionen über die gesamte Logistikkette näher untersucht. Für jeden dieser Teilmärkte wurden Strukturzahlen wie Marktvolumen, Güteraufkommen, Anzahl Mitarbeitende und das bewältigte Auftragsvolumen erarbeitet. Erstmals ist es also möglich, nähere Angaben über die Bedeutung wichtiger Teilmärkte innerhalb des gesamten Logistikmarktes Schweiz zu erhalten. Die erarbeiteten Daten zeigen die Bedeutung der einzelnen Teilmärkte auf und stellen damit eine wertvolle Informationsquelle für die in diesen Märkten aktiven Wettbewerber dar. Bedingt durch die zunehmende Auslagerung der Logistikaktivitäten an spezialisierte Dienstleister, müssen Akteure im Logistikmarkt stets ein dichtes Netz an geeigneten Standorten unterhalten, in denen sich die Kundenaufträge effizient abwickeln lassen. Die Studie widmet deshalb einen längeren Abschnitt der Thematik «Ballungsräume und Logistikzentren». Untersucht wurden einerseits die geeigneten Standorte für Logistikimmobilien sowie deren Eigentumsverhältnisse und vor allem deren Kosten für Miete und Unterhalt. Aus den gewonnenen Erkenntnissen geht klar hervor, dass das schweizerische Mittelland der am stärksten gefragte Standort für Logistikimmobilien ist. Entsprechend hoch sind in dieser Region auch die Mietpreise.

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Attraktive Kontraktlogistik

Aufschlussreich sind die Erkenntnisse, welche die Logistikstudie zur Kontraktlogistik gewonnen hat. Diese als «Querschnittsmarkt» bezeichnete Sparte erreicht derzeit ein Marktvolumen von 3,8 Mrd Fr., und die Zahl der Mitarbeitenden beträgt rund 22000 Personen. Interessant ist die Angabe über den Outsourcing-Grad in der Logistik; dieser beträgt gemäss der Studie der Universität St.Gallen erst 22%. Oder anders formuliert: Die Kontraktlogistik hat mit einem Volumen von 3,8 Mrd Fr. einen Anteil von 22% an allen ausgelagerten Logistikdienstleistungen. Die höchsten Anteile am Volumen erreicht die Kontraktlogistik in den Teilmärkten Komplettladung (39,5%), Stückgut (39,2%) und bei den Tank & Silodiensten (36,8%). Die Studie geht davon aus, dass der Outsourcing-Anteil und damit die Chancen der Kontraktlogistik weiter steigen werden. Diese Entwicklung lässt sich durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck und die damit verbundene Notwendigkeit für die Verlader erklären, sich in wachsendem Masse auf die eigenen Kernkompetenzen zu konzentrieren. Zudem geht die Studie davon aus, dass die verladenden Unternehmen weiterhin bestrebt sein werden, die ausgelagerten Leistungsbestandteile im Zuge eines «One-stop-shopping» auf wenige spezialisierte Logistikdienstleister zu konzentrieren.

Markt

Volumen

Teilmärkte