Die Schweizer Medienindustrie hat sich allmählich von der Wirtschaftskrise erholt und im vergangenen Jahr den Turn-Around geschafft. Die Fokussierung auf Online-Inhalte und Online-Medien nimmt zu. Auf diese Entwicklung deuten jedenfalls die Pläne der grossen Medienhäuser und deren Medienchefs hin. Und auch die Frage des "Paid Content" kommt wieder auf's Tapet.

NZZ
Laut NZZ-CEO Albert P. Stäheli hat die NZZ nach der Restrukturierung jetzt eine hervorragende Grundlage, um zu investieren und aufzubauen. Im Vordergrund stehe dabei das Internet. Ein grosses Thema stellt hierbei die Abkehr von der heutigen Gratismentalität im Online-Bereich dar. "Wir arbeiten im Moment an einem Bezahlmodell für NZZ-Online," so Stäheli.

Ein solches Bezahlmodell solle bald eingeführt werden und der Unternehmenschef zeigt sich überzeugt, dass für klare Mehrwerte auch in der Online-Welt eine Zahlungsbereitschaft bestehe. Noch verdiene seine Gruppe im Online-Geschäft kein Geld. Er sehe aber im laufenden Jahr einen guten Trend Richtung Break-Even. Die NZZ will weiter auch regionales Fernsehen machen.

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Tamedia
Während die NZZ mit ihrem Online-Bereich auf den Break-Even zusteuert, befindet sich Tamedia mit den beiden grossen Newsportalen 20 Minuten und Newsnetz bereits in der Gewinnzone. Dies beweise, dass sich mit Online Geld verdienen lasse, erklärte Tamedia-Konzernchef Martin Kall. Er plädierte dafür, sowohl für Print wie auch für Online mit Optimismus in die Zukunft zu blicken. Kall kündigte am Swiss Media Forum in Luzern an, Tamedia werde in den nächsten zwei Jahren 200 Stellen im Online-Journalismus schaffen.

Anders beurteilt Tamedia die Zukunfschanchen bei Fernsehen und Radio. Die Gruppe bietet seine beiden TV- und Radio-Stationen zum Verkauf. Ein allfälliger neuer Eigentümer müsse transparent darlegen, was er mit den Sendern zu tun gedenke, so Kall. Sofern dies gegeben sei, schliesst der Tamedia-Chef auch einen Verkauf an einen politisch aktiven Käufer nicht aus.

AZ-Gruppe
Die AZ-Gruppe möchte wie die NZZ auch auf eine Bezahlmentalität im Online-Bereich setzen. Die sogenannte 'Paid-Content'-Strategie steht dabei vor allem bei den regionalen Inhalten im Vordergrund, sagte AZ-CEO Christoph Bauer. Den Launch eines solchen Bezahlmodells plant er für Herbst 2012.

Ringier
Auch für Ringier,  das grösste Medienunternehmen der Schweiz, steht das Internet im Vordergrund. Nebst Online liebäugelt Ringier für die Zukunft aber auch mit TV. "Wir schauen uns die verschiedenen TV-Stationen an", bekräftigte CEO Christian Unger frühere Aussagen. Neben dem offenen Ausgang solcher Gespräche sei aber auch noch nicht abschliessend klar, ob Ringier wirklich einen eigenen TV-Sender haben wolle.

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Einer der Hoffnungsträger für die Konzernlenker sind die neuen Tablet-Geräte - allen voran das iPad. Die Verlage würden im Lauf der Zeit spannende Applikationen dafür finden, welche auch wirtschaftlich funktionierten, so Unger. Allerdings brauche dies eine gewisse Zeit. Das iPad sei ja auch erst gut ein Jahr alt.

Axel Springer Schweiz

Grössere Investitionen in den Online-Bereich hat kürzlich auch Axel Springer Schweiz getätigt. Seit April betreut eine sechsköpfige Online-Redaktion die Webauftritte von Handelszeitung, Bilanz und Stocks. Die bislang unabhängigen Online-Autritte der verschiedenen Springer-Wirtschaftstitel wurden damit zum "Schweizer Wirtschaftsnetz" zusammengefasst, behalten aber ihre eigene Identität.

(kgh/sda/awp)