Milchverarbeiter und Detailhändler überbieten einander mit neuen Labels und Standards für nachhaltige Milch. Erst vergangene Woche hat die Migros-Molkerei Elsa ein Programm lanciert, das ihre Milchproduzenten zu mehr Tierwohl und Naturnähe zwingt.Doch nun wollen die Bauern nicht länger den Unternehmen das Feld über­lassen.

Unter der Führung des Verbands der Schweizer Milchproduzenten (SMP) arbeiten sie an einem übergreifenden Nachhaltigkeitsstandard für Milch, der für alle Verkaufskanäle gilt. «Wir engagieren uns für einen gemeinsamen Standard, der schweizweit akzeptiert wird», sagt SMP-Sprecher Reto Burkhardt. Das Label soll das Vertrauen der Konsumenten stärken und zu einer bes­seren Positionierung der Schweizer Milch im Ausland führen.

Emmi für neuen Branchenstandard

Der Verband rennt damit offene Türen bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ein. «Eine gemeinsame Strategie würde der heimischen Landwirtschaft und besonders der Milchbranche gut anstehen», sagt SKS-Geschäftsführerin Sara Stalder. Der Label-Wildwuchs habe sich bei der Milch zuletzt verschärft. Doch würden sich die Einzelaktionen der Unternehmen regelmässig als nutzlose Strohfeuer entpuppen. Diese würden im besten Fall gegenseitig ihre Wirkung aufheben oder im schlechtesten Fall die Kundschaft kopfscheu machen.

Auch Branchenprimus Emmi macht sich für die Einführung eines übergreifenden Nachhaltigkeitsstandards stark. «Das würde die Schweizer Milchwirtschaft als Ganzes – auch im Export – stärken», ­betont Unternehmenssprecherin Sibylle Umiker. Voraussetzung sei allerdings, dass der Branchenstandard in zentralen Themen – insbesondere beim Tierwohl – zukunftsweisend sei. Ebenfalls sichert der Schweizerische Bauernverband dem Projekt seine Unterstützung zu.

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen « Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

Anzeige