Bei der Firma Eugen Seitz ist es sauber und jeder Gegenstand hat seinen festen Platz. Als «steril» könnten Nörgler die Atmosphäre bezeichnen, doch das ist CEO Thomas Marder egal. Denn Ordnung und Reinlichkeit im Betrieb sind kein persönlicher Fimmel von ihm, sondern ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie.

Seitz ist ein eigenständiger Betrieb für Ventiltechnologie und hat vom Firmensitz in Wetzikon ZH den Weltmarkt erobert. Vor gut 50 Jahren als Familienunternehmen gegründet, hat sich das KMU dank einer Reihe von Innovationen zu einem internationalen Technologieführer entwickelt. Seitz beliefert mit seinen hochwertigen Systemen weltweit Kunden in den folgenden Anwendungsgebieten: Maschinen zur Herstellung von PET-Flaschen, Erdgastankstellen und -fahrzeuge, Gas- und Dieselmotoren, Kraftwerke, Armaturen der Chemie und Petrochemie.

Seitz ist ein Nischenanbieter, will dort jedoch an der Spitze der «Champions League» mitspielen. Das gelingt zum Beispiel im Geschäftssegment der PET-Flaschen, für deren Produktion das KMU die Ventiltechnologie herstellt. Und zwar so gut, dass heute für zwei Drittel der pro Jahr 300 Mrd weltweit hergestellten PET-Flaschen Produkte von Seitz verwendet werden. Mit Hilfe der Technik der Zürcher Oberländer werden an Maschinen in unzähligen Ländern PET-Flaschen geblasen. Dabei werden Höchstleistungen von bis zu 20 Flaschen pro Sekunde erzielt.

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In Krise für Zukunft gewappnet

Für Marder sind Leistungskraft und eine optimale Qualität nicht nur beim Produkt selbst, sondern auch bei der Kundenbetreuung oberstes Gebot: «Wir arbeiten sehr eng mit unserer Klientel zusammen und erarbeiten für sie individuelle und massgeschneiderte Lösungen.» Seitz beschäftigt hierfür in der Zentrale rund 30 Ingenieure, die an optimalen Lösungen für jeden einzelnen Kunden tüfteln. Von der Wirtschaftskrise ist Seitz als klassischer Zulieferant für die Maschinenindustrie trotzdem nicht verschont geblieben. Beim Umsatz erlitt das KMU 2009 einen Einbruch um 30%. 2010 stehen die Ampeln aber bereits wieder auf Grün. Im Februar wurde das im Vorjahr lancierte Kurzarbeitsprogramm gestoppt. Nach einem kleineren Personalabbau ist nun wieder Expansion angesagt. «Wir sind bereits wieder damit beschäftigt, neue Mitarbeitende einzustellen», sagt Marder. Er rechnet dieses Jahr mit einem Umsatzwachstum von 15 bis 20%. Wirklich schlecht ging es Seitz aber auch in der Krise nicht. Unter dem Strich hatte sogar letztes Jahr ein positives Betriebsergebnis herausgeschaut.

Know-how an KMU weitergeben

Die solide Rentabilität hat damit zu tun, dass Seitz vor fünf Jahren damit begonnen hat, das ganze Wertschöpfungssystem und damit sämtliche Arbeitsprozesse grundlegend zu überarbeiten. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Seuzacher Beratungsunternehmen Staufen lanciert, mit dem Seitz seit mehreren Jahren eng kooperiert. Mit Hilfe von sogenannten Lean-Methoden wurden bei Seitz konsequent alle nicht-wertschöpfenden Tätigkeiten vermieden. «Dank Lean-Methoden konnten wir unsere Produktivität in den letzten fünf Jahren um bis zu 60% steigern», schwärmt Marder. Die Qualität der Produkte habe man dadurch auf höchstem Niveau stabilisiert und eine hohe Flexibilität in den Prozessen erlangt. Um dies zu perfektionieren, entwickelt Seitz mit Staufen kontinuierlich Verbesserungsmassnahmen. Diese werden regelmässig mit der ganzen Belegschaft umgesetzt. Jeder Mitarbeitende ist sogar aufgefordert, im Rahmen des Programms «Seitz optimiert Prozesse» (SOP) selbstständig Anregungen für weitere Optimierungen der Abläufe einzubringen.

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Die Kultur der ständigen Verbesserung ist bei Seitz allgegenwärtig und hat dem Betrieb ein solides Fundament für die Zukunft gegeben. Die Kooperation mit dem Lean-Spezialisten Staufen ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass Seitz mit dem Beratungsunternehmen am Wetziker Fir-mensitz heute sogar Seminare für andere KMU veranstaltet. Sie werden unter Titeln wie «Rüsten Sie noch - oder arbeiten Sie schon?» oder «Wertschöpfungsexzellenz - Live bei der Eugen Seitz AG» angepriesen und sind offenbar begehrt. Marder ergänzt: «Wir sind praktisch immer ausgebucht.»