Seit Louis Schlapbach 2001 die Leitung der Empa übernommen hat, wurden dort die Forschungsaktivitäten im Bereich der energetischen Nutzung von Wasserstoff ausgebaut. Daher lag das Projekt CityCat H? im Interesse der Forschungsanstalt im ETH-Bereich, die in den letzten Jahren Erfahrungen mit Erdgasgefährten, einer Brückentechnologie zu Wasserstoffantrieben, gesammelt hat.

Für Auslegung und Monitoring der Brennstoffzelle wurde die Ko-operation mit dem in diesen Disziplinen starken Paul Scherrer Institut (PSI) angestrebt und gefunden. Zug um Zug stiegen Industriepartner ein. Der Wunschkandidat als Hersteller von Kommunalfahrzeugen war Bucher Schörling. «Als im Umweltbereich tätiges Unternehmen fühlen wir uns auch verpflichtet, uns um Projekte zu kümmern, die erst mittelfristig ein Thema werden», sagt Alex Koch, Leiter Technik bei Bucher Schörling.

Der CityCat H? ist europaweit das erste Kommunalfahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb. Er gilt als saubere Energiequelle für die Mobilität der Zukunft. Sie wandelt Wasserstoff direkt in Strom um, der wiederum den Elektromotor antreibt. Dabei entweichen keine Schadstoffe, sondern nur Wasserdampf, was gerade in Fussgängerzonen oder Bahnhofshallen gefragt ist.

Anzeige

Zündfähige Sicherheitsaspekte

Computersimulationen der Empa ergaben, dass der energetische Verbrauch mit Brennstoffzellenantrieb gegenüber Dieselantrieb halbiert werden kann. Damit können die CO?-Emissionen selbst bei konventioneller Wasserstoffproduktion aus Erdgas um rund 40% reduziert werden. «Die Besonderheit bestand darin, dass wir eine Antriebstechnologie, die heute im Labor von Spezialisten betrieben wird, in eine für technische Laien in der Praxis brauchbare Form bringen mussten», schildert Christian Bach, Projektleiter der Empa, die Herausforderung.

Anspruchsvoll waren auch die Sicherheitsaspekte, fährt das Fahrzeug doch mit einem besonders zündfähigen Treibstoff. Deswegen waren nicht nur das örtliche Tiefbauamt, sondern auch Versicherungen, die Feuerwehr und -polizei, das Strassenverkehrsamt, Electrosuisse und auf Sicherheit spezialisierte Firmen und Institutionen frühzeitig ins Projekt involviert. Von Bucher Schörling brauchte es eine besondere Engineeringleistung, um die neuen Komponenten im Fahrzeug zu integrieren.

Daneben spielten weitere Industriepartner eine Rolle. Wichtig war neben der Elektromotorproduzentin Brusa Elektronik sowie der Proton Motor, dem Brennstoffzellenhersteller, die Leistung der Messer Schweiz, spezialisiert auf hochwertige Produkte im Gasbereich. Deren Experten richteten die Wasserstofftankstelle ein.

Ein Kommunalfahrzeug als Testwagen hat den Vorteil, dass es oft mit konstanter Leistung fährt und regelmässig an denselben Ort zurückkehrt, wo es dann betankt werden kann - und dass es visibel ist. Schliesslich geht es laut der Empa auch darum, Erkenntnisse über die Akzeptanz solcher Fahrzeuge bei den Behörden sowie in der Bevölkerung zu gewinnen. Zu den sozioöko- nomischen Aspekten entsteht am PSI eine Dissertation. Die Wissenschafter der Empa und des PSI sowie die Industriepartner ihrerseits lernen infolge einer umfassenden Überwachung in den nächsten 18 Monaten, wie sich diese Techno-logie im Praxiseinsatz verhält und welche nichttechnischen Aspekte für eine Markteinführung zu berücksichtigen sind. Unter anderem wird man mehr Know-how über das heikle und so wichtige Batteriemanagement erlangen.

Preis entscheidend für Zukunft

Empa-Projektleiter Christian Bach sieht die Rolle seines Instituts künftig noch verstärkt als Technologietreiber: «Unsere Hoffnung ist natürlich, dass auch die Praxiserprobung gute Erfahrungen und Bucher dereinst in dieser Richtung Produkte auf den Markt bringt.» Alex Koch von Bucher ergänzt: «Zuerst benötigen wir die Erkenntnisse aus den Alltagstests. Wir sehen sehr wohl Chancen. Voraussetzung ist die Marktakzeptanz - und dass die neuen Komponenten künftig zu einem vernünftigen Preis angeboten werden können.»

Die Gesamtkosten des Projekts von 2,5 Mio Fr. werden durch Eigenleistungen der Empa und des PSI, durch Beiträge des Kompetenzzentrums für Energie und Mobilität (CCEM) und des Bundesamtes für Energie (BFE) sowie der Projektpartner aus der Industrie und den Pilotregionen gedeckt.