Die Situation für die Quelle-Tochter in der Schweiz spitzt sich zu. Letzte Woche hat der deutsche Insolvenzverwalter nicht nur die Markenrechte von Quelle in Deutschland, Russland und Österreich an den deutschen Versandhausriesen Otto verkauft, sondern auch jene der Schweiz. Thomas Schulz, Sprecher des Insolvenzverwalters, bestätigt: «Mit der Transaktion von letzter Woche gingen die Markenrechte auch für die Schweiz per sofort an den Otto-Versand über.»

Für die hiesige Niederlassung bedeutet dies, dass man nunmehr als grösstes Kapital noch über den Adress-Stamm verfügt. Ein neuer Aktionär müsste mit Otto über eine Lizenz verhandeln und allenfalls Lizenzgebühren zahlen. Und da der Otto-Versand in der Schweiz mit Katalogen wie Jelmoli, Heine oder Bon Prix bereits dick im Geschäft ist, ist unklar, ob man die Lizenz an einen Konkurrenten weitergeben würde oder nicht.

Immerhin: Trotz des sich abzeichnenden Konkurses von Quelle in Österreich besitzt die Schweizer Quelle-Tochter vorerst genügend Ware. Quelle-Schweiz-Sprecherin Karin Müller sagt: «Quelle Schweiz ist finanziell und organisatorisch unabhängig. Die Schweizer Niederlassung sucht lediglich einen neuen Aktionär.»

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«Konkret ist noch gar nichts»

Quelle Schweiz bezieht gemäss der Sprecherin Teile des Textilsortimentes via Quelle Deutschland. Alle anderen Sortimente - die aber gemäss Branchenkennern einen deutlich kleineren Teil des Quelle-Angebotes ausmachen - würden entweder vom Einkauf in der Schweiz beschafft oder über externe Partnerschaften mit Schweizer Unternehmen. Weil Quelle Deutschland Konkurs ist, kann dort nicht mehr lange Ware bezogen werden. Quelle Schweiz braucht deshalb einen neuen Aktionär, der auch über eine Vertriebsorganisation verfügt.

Laut Müller von Quelle Schweiz gibt es «mehrere Interessenten» für die hiesige Tochter. «Wir hoffen, dass wir in den nächsten Tagen erfahren, wer der neue Aktionär sein wird. Dies nicht zuletzt auch deshalb, damit wieder Ruhe einkehrt und der Ausbau in der Schweiz weiter vorangetrieben werden kann.» Auch der Sprecher des deutschen Insolvenzverwalters erklärt, es gebe Interessenten für die Schweiz.

Klar ist: Der Kauf nur von Quelle Schweiz ist deutlich billiger als der Erwerb des Gesamtpakets, in dem auch Quelle Österreich und Russland mit drin waren. Dem Vernehmen nach soll das Versandhaus La Redoute noch immer Interesse am Schweizer Quelle-Geschäft bekunden. Kleiderkette Vögele dagegen hat offenbar am Schweizer-Geschäft allein weniger Interesse.