Die Schweizer Uhrenindustrie eilt von Rekord zu Rekord. So wie es aussieht, dürfte das laufende Jahr 2013 noch toppen, wie Jean-Daniel Pasche, der Präsident des Uhrenverbands FH sagte. Der Verband hielt seine Generalversammlung zum ersten Mal im Wallis, in Martigny ab.

In den ersten fünf Monaten nahmen die Uhrenexporte um 3,3 Prozent zu. Einziger Wermutstropfen waren gemäss Pasche die stagnierenden Umsätze. Das sollte sich aber im Jahresverlauf ändern.

Zufrieden zeigte sich der FH-Präsident auch, weil der Freihandelsvertrag mit China am Dienstag in Kraft tritt. In einem ersten Schritt sollen die Importzölle um 18 Prozent sinken, später um bis zu 60 Prozent.

Daneben bringt das Abkommen einen besseren Markenschutz für «Swiss Made». Die chinesischen Behörden zeigten Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie, um die Flut an Fälschungen einzudämmen. 2013 liess der Verband eine Million gefälschter Uhren beschlagnahmen, darunter ein ansehnlicher Teil aus China.

Anzeige

Im Gegensatz zum Fortschritt mit China stagnieren die Freihandelsverhandlungen mit Indien, konstatierte Pasche weiter. Mit dem 27. Platz unter den Exportländern sei Indien für die Schweizer Uhrenhersteller zwar nicht allzu wichtig, ein Freihandelsabkommen könnte aber die Marktentwicklung beschleunigen.

Repositionierung nach der Zweitwohnungsinitiative

Neben dem Ausblick gab es an der Versammlung lokalpolitische und -patriotische Töne. Das Wallis liegt unter den Uhrenkantonen auf Rang 9. Von den 495 FH-Mitgliederfirmen sind zehn im Wallis ansässig, unter ihnen etwa die ETA. Sie beschäftigen gut 700 Personen.

So gehe es mit der Wahl des Veranstaltungsortes nicht um Mitgliederwerbung, sondern darum, Behörden und Wirtschaft zu treffen, erklärte Pasche.

Regierungsrat Jean-Michel Cina, Chef der Walliser Wirtschaftsdirektion, sagte, auch wenn sein Kanton nicht der Hauptuhrenkanton sei, sei dieser doch gut aufgestellt bei den Gehäusen und bei Mikro-Komponenten.

Zwischen der Uhren- und der Hauptindustrie des Wallis, dem Tourismus, gebe es Parallelen. Beide basierten auf Traditionen und hätten ein Image von Qualität und Rafinesse. Zwei Drittel der in der Schweiz verkauften Uhren gingen auch an Touristen.

Wie die Uhrenindustrie, deren grosse Krise in den 1970er Jahren kam, müsse auch das Wallis sein rund um den Bau konzentriertes Geschäftsmodell revidieren, sagte Cina weiter. Das Baugewerbe werde nach der Annahme der Zweitwohnungsinitiative ein anderes werden.

(awp/sda/chb)