Es ist ein weiteres Ranking nebst tausend anderen Versuchen, die Wirtschaft zu klassifizieren; aber eines mit interessanten Resultaten. Das Zürcher Beratungsunternehmen CFO Intelligence Force Obermatt hat die SMI- und SPI-Unternehmen klassifiziert. «Wir wollten eine faire Leistungsbeurteilung des Managements ermöglichen», erklärt Geschäftsführer Hermann Stern. Fern ab von fantasiegetriebenen Aktienkursen oder politischen Budgets habe man zeigen wollen, welche Unternehmensführungen sich wie gut für ihre Firma eingesetzt hätten. Ein zentrales Anliegen sei es ebenfalls gewesen, eine Form zu finden, die auch kleinen Unternehmen gerecht werde, die von Investoren zurzeit abgestraft würden (vgl. Kasten).

Verglichen haben die Obermatt-Experten das Umsatzwachstum 2006?2007, die Differenz der Ebit-Marge und des Kapitalumschlags der Schweizer Firmen mit den entsprechenden Werten im selben Zeitraum im internationalen Marktumfeld (Perzentilrechnung).

Anreiz für bessere Leistung

Herausgekommen ist eine Rangliste von 90 Unternehmen und Divisionen mit mehr als 1 Mrd Fr. Umsatz. Das Ergebnis ist verblüffend: So rangiert Panalpina auf dem vierten Platz. Das Unternehmen barg seinerzeit ein massives Klumpenrisiko in Nigeria. Der Rückzug aus dem afrikanischen Land beschert Panalpina im laufenden Jahr einen Verlust des Betriebsgewinns um 60 bis 80 Mio Fr., was gut einem Fünftel der weltweiten Erträge entspricht.

Auf Platz drei ist das Klebstoff- und Bodenbelagsunternehmen Forbo gelistet. Forbo hat die letzten Jahre tatsächlich viel geleistet. Allerdings blieb auch wenig anderes übrig. Schliesslich erlebte die Firma 2004 mit einem Verlust von 157 Mio Fr. den Supergau seiner achtzigjährigen Geschichte. Was lernen wir noch? Gutes Management bewahrt nicht vor massiven Einbrüchen. So sackte der Forbo-Aktienkurs diesen Februar nach dem Ausstieg des Hedge-Fonds Focus Capital Investors aus den Schweizer Aktivitäten sozusagen im freien Fall um 20% ab.

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Auf Platz zwei ? oder sogar eins, wenn man die Tabelle auf Unternehmensstufe als Basis nimmt (siehe Top 20), liegt der Bauchemiekonzern Sika.

Auch das Ende der Rangliste mit Unternehmen un Divisionen (siehe Internet) hat Überraschendes zu bieten. So findet sich das Börsenschwergewicht Novartis hier wieder nämlich in Gesellschaft des angeschlagenen Feinchemieunternehmens Siegfried und des seit Jahren vor sich hin dümpelnden Kioskkonzerns Valora. Nahe beim Schlusslicht ist auch der Sicherheitstechniker Kaba angesiedelt. Kaba wird von Analysten und der Wirtschaftspresse wieder positiv beurteilt.

«Es ist halt wie bei einem Skirennfahrer. Weil er heute gewonnen hat, ist nicht garantiert, dass er morgen wieder gewinnt», meint Stern. Will heissen: Die vergangenheitsbezogene Rangliste soll nicht als Basis für Zukunftsprognosen und schon gar nicht als Basisinstrument für Investoren dienen.

Nur wenig Kriterien

Experten aus Analystenkreisen äussern sich kritisch zum Ranking. Zum einen wird bemängelt, dass das Ranking sich bloss auf einige wenige Parameter abstützt, wogegen für umfangreiche Unternehmensanalysen 20 und mehr Kriterien verwendet werden. Zum anderen wurde kein spezifisches Augenmerk auf die Währungseffekte beim Umsatzwachstum gelegt.

Ebenfalls kritisch stufen die Analysten die Tatsache ein, dass die Unternehmen bloss anhand von Zahlen aus einem Jahr beurteilt werden. Dabei werden sowohl die mehrjährige Entwicklung wie auch das Verhalten des Managements in Krisenzeiten ausgeblendet. Zu denken gibt schliesslich, dass es sich beim Ranking nicht um eine Gesamtbetrachtung der SMI/SPI-Unternehmen handelt. Der gesamte Finanzsektor wurde ausgeblendet und in einem separaten Ranking abgehandelt. «Das Ranking ist vor allem eine Zahlenspielerei»; so Vontobel-Analyst René Weber. Stern reagiert gelassen auf die Vorwürfe: «Wir sehen das Ranking als Standortbestimmungstool für Firmen und hoffentlich als Anreiz, im nächsten Jahr einen besseren Rang zu erzielen», meint der Obermatt-Geschäftsführer.

An der Realität vorbei fantasiert

Und immerhin: Das Ranking wirft letztlich die Frage auf, was eigentlich Erfolg ist, und veranschaulicht ebenso dessen Vergänglichkeit wie auch die Tatsache, dass Investoren mitunter komplett an der Realität vorbei fantasieren. So kletterte etwa der Valora-Aktienkurs in der Rankingperiode um 31%. Und auch die Siegfried-Aktien legten um stattliche 11% zu.