Bei der Entwicklung der neuen Antriebstechnologie werden die Karten frisch gemischt. Gewisse Komponenten wie Getriebe, Tank und Auspuffanlage fallen weg. Dafür braucht es neue Teile - von traditionellen und auch von neuen Zulieferern.

Wie beurteilen die etablierten Schweizer Zulieferer der Autoindustrie die Situation? «Wir sehen im Elektroauto gute Chancen, denn die Gewichtsreduzierung als eine unserer Kernkompetenzen gewinnt noch an Bedeutung», erklärt Bettina Schmidt, Sprecherin von Georg Fischer (GF). Das Unternehmen liefert Bauteile für den Antrieb, das Fahrwerk und die Karosserie. Es sind Komponenten, die auch bei den Elektroautos - möglichst in Leichtbauweise - benötigt werden. Hinzu könnten neue Teile kommen wie etwa Gehäuse für Elektromotoren, Batterien und die Steuerelektronik. GF ist bei den ers- ten Grossserien-Produktionen mit von der Partie. Zudem engagiert sich das Unternehmen in verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsallianzen für neue Projekte.

Ähnliches gilt für den Rieter-Konzern, der Spezialist für das Akustik- und Wärmemanagement ist. Er sieht neue Chancen bei der thermischen Isolation der Batterien und der Dämmung der Fahrerkabine. Firmensprecher Peter Grädel relativiert aber die Bedeutung des Systemwechsels: «Dieser stellt uns nicht vor grundsätzlich neue Herausforderungen, denn auch beim Verbrennungsmotor haben wir unsere Produkte für jeden neuen Fahrzeugtyp speziell entwickeln müssen.»

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Mehr und komplexere Kabel

Ems-Chemie, die sämtliche Autohersteller mit polymeren Werkstoffen beliefert, eröffnet das Elektroauto ebenfalls zusätzliches Potenzial. Das grosse Gewicht der Batterien zwinge die E-Autoindustrie, bei anderen Fahrzeugbauteilen auf leichtere Materialien auszuweichen, betont Generalsekretär Conrad Gericke. «Durch den Ersatz von Metall mit unseren Hochleistungskunststoffen können bis zu drei Viertel des Gewichts eingespart werden.»

Profitieren vom Boom der Hybrid- und Elektroautos will auch Komax. Der Konzern versorgt die Autoindustrie mit Kabelverarbeitungsmaschinen. «Die neuen Fahrzeuge brauchen bis zu 40% mehr Kabel, die zudem komplexer angeordnet und dünner sind.Dadurch steigt die Nachfrage nach unseren Maschinen», verrät Sprecher Dominik Slappnig. Komax ist bereits ein guter Kunde des chinesischen Elektroautoherstellers BYD. Dieser will sich in den nächsten 15 Jahren, so das erklärte Ziel, zum Grössten in der gesamten Autobranche aufschwingen.

In bester Ausgangslage sieht sich auch Feintool, umso mehr als das Unternehmen schon heute für die aktuellen Hybridfahrzeuge spezielle Teile liefert. «Mit unseren Feinschneidteilen lassen sich anspruchsvolle Funktionen und neue Baugruppen in Leichtbauweise realisieren», sagt Sprecherin Karin Labhart. Sowieso glaubt man bei Feintool, dass sich das Elektroauto nur über einen grundsätzlich neuen Strukturaufbau, bei dem das Gewicht die entscheidende Rolle spielt, zum massentauglichen Fahrzeug konzipieren lässt.

Wenig betroffen von einem Systemwechsel würde der Dätwyler-Konzern. Er fertigt für die Autoindustrie Dichtungen aus hochpräzisem Gummi, die in den Komfort-, Brems- und Sicherheitssystemen eingesetzt werden. «In diesem Anwendungsbereich ergeben sich durch den Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor keine wesentlichen Veränderungen», so Sprecher Guido Unternährer.

Neue Mitspieler

Zu jenen Firmen, die über den Ausbau der E-Mobilität neu zur Autoindustrie stossen könnten, gehört Landis + Gyr. Eigentlich ist das Unternehmen auf das Smart Metering spezialisiert, also die intelligente Strommessung. An dieser Technologie kommt die Versorgungsinfrastruktur für die E-Mobilität nicht vorbei. «Das Auftanken der Batterien, die Option einer Stromrückspeisung, die entsprechenden Messungen und Verrechnungen: Das alles muss gesteuert und erfasst werden, und wir können dafür die richtigen Lösungen bieten», sagt Sprecher Thomas Zehnder. Landis + Gyr hat als Kunden zwar primär die Energieversorger im Auge. «Doch wir führen gegenwärtig Gespräche mit allen Akteuren, die mit der E-Mobilität vor einer neuen Herausforderung stehen und wir sind offen für weitere Partnerschaften», lässt er durchblicken.

In einer mit Landis + Gyr vergleichbaren Ausgangslage ist ABB. «Unser Schwerpunkt liegt bei der technischen Infrastruktur, die dafür sorgen muss, dass der Strom effizient und schnell ins Auto kommt», erklärt Sprecher Wolfram Eberhardt. ABB entwickelt einerseits Ultraschnell-Ladesysteme auf der Basis von Gleichstrom, mit denen Elektrofahrzeuge in kürzester Zeit ihre Batterien wieder aufladen können - so schnell jedenfalls wie bei einem Stopp an der Benzintankstelle. Andererseits fokussiert sich ABB auf die Verbesserung der Stromtankstelle zuhause. Beides wird gegenwärtig im Rahmen eines Grossprojekts mit intelligenten Netzen unter Realbedingungen in Stockholm getestet.