Anlagen in Schwellenländern sind wie eine Achterbahnfahrt. Es geht rasant nach oben, aber manchmal auch steil nach unten. Dabei sitzt immer auch die US-Notenbank (Fed) am Schalthebel. Mit ihren Zinsentscheiden beeinflusst die Fed massgeblich die Richtung der Emerging-Markets-Börsen. Erhöht sie die Leitzinsen, wird das weltweit verfügbare Geld für Aktienanlagen knapper. Am ehesten ziehen die Investoren ihr Kapital dann aus den als riskant geltenden Märkten zurück.

Zinsschritte mit Folgen

So ist auch zu erklären, dass es in China, Indonesien, Taiwan, Ungarn und anderen exponierten Börsen in den vergangenen Wochen zu einem Einbruch gekommen ist. Denn seit Ende September hat eine ansteigende Inflation Sorgen vor einer drastischen Straffung der Geldpolitik geschürt. Sämtliche Kursschwächen der vergangenen beiden Jahre stehen mit Liquiditätsverknappungen im Zusammenhang. Aus diesem Grund sollten Freunde von Emerging-Markets-Investments die weitere Entwicklung nach dem jüngsten Fed-Zinsschritt mit Argusaugen beobachten.

Denn in der Vergangenheit kam es an den Finanzmärkten der Schwellenländer immer dann zubesonders heftigen Turbulenzen, wenn die amerikanischen Leitzinsen ihren Hochpunkt erreichten. Da die meisten Beobachter allerdings nicht damit rechnen, dass die Sätze nach der jetzigen Erhöhung auf 4% ihren Gipfel gesehen haben, könnte die im September begonnene Korrektur eine günstige Gelegenheit sein, sich mit Papieren der Wachstumsmärkte einzudecken. So erwartet Michael Hartnett, Schwellenmarktstratege bei Merrill Lynch in New York, ein baldiges Ende der Kursschwäche. Wie schon im Frühjahr 2004 und 2005 sollten die Emerging Markets die Verluste binnen weniger Wochen wettmachen, sagt Hartnett. Wiederholt sich die Entwicklung, haben Märkte wie die Türkei, Brasilien, China oder Taiwan das grösste Aufholpotenzial.

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Auf gesünderen Beinen

Die UBS sieht in der aktuellen US-Geldpolitik ebenfalls kein Hindernis für eine weitere Rally. Denn zum einen sei das Zinsniveau absolut gesehen immer noch niedrig. Zum anderen stünden die meisten Wachstumsländer heute wirtschaftlich auf gesünderen Beinen als früher, so die Experten der Grossbank.

Kommt hinzu, dass die Aktien jener Regionen nach wie vor günstig bewertet sind: Gemessen am MSCI-Schwellenländer-Index notieren sie etwa auf dem Niveau von 1993. Damit ist in den Preisen noch gar nicht reflektiert, dass sich die Volkswirtschaften und deren Unternehmen in den vergangenen Jahren kräftig restrukturiert haben und deshalb viel gesünder sind als in den wilden 90er Jahren.