Die erste Runde im Währungsstreit geht an China: Nachdem sich die Volksrepublik vehement gegen eine raschere Aufwertung ihrer Währung gewehrt hatte, kletterte der Yuan ob der Niederlage der USA zum Dollar auf ein Rekordhoch.

Der Machtkampf zwischen den USA und China zeigt es: Nachdem Schwellenland-Währungen in den letzten Monaten gegenüber den Devisen der etablierten Wirtschaftsnationen stark zugelegt haben, setzt nun auch in den Emerging Markets ein Abwertungswettlauf der Notenbanken ein. Brasiliens Finanzminister Guido Mantega sprach von einem «Währungskrieg», der bereits in Gang gekommen ist. Eine Verdoppelung der Steuer für ausländische Investoren soll den Real als Anlagewährung unattraktiver machen. In Seoul möchte man die Volatilität von Währungsderivaten bremsen und dazu die Spielräume der Händler beschränken. Dies alles sehr zum Kummer der Anleger, die bisher mit dem Aufwertungstrend in den Schwellenländern gute Gewinne gemacht hatten.

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Viele Optionen haben die Notenbanken nicht. Die Aktion der Bank of Japan Mitte letzten September verpuffte genauso wie die erfolglosen Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) letzten April und Mai im Zuge der Euro-Abwertung. Und auch die Notenbanken von Taiwan, den Philippinen, Russland und Singapur versuchen, der Aufwertung ihrer Länder entgegenzustemmen.

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«Wir sehen aber noch keinen Währungskrieg», sagt Manoj Pradhan, Analyst bei Morgan Stanley, «zumal gerade das Beispiel China zeigt, dass Notenbanken über Beschränkungen die Kapitalflüsse und Wechselkurse über längere Zeit stabil halten können.» Jetzt gilt Chile mit dem «Encaje»-Modell als mögliches Vorbild. Geld, das ins Land kommt, muss zuerst ein Jahr zinslos bei der Notenbank liegen, mit Strafzinsen für einen vorzeitigen Rückzug. Solche Kapitalkontrollen sind sichtbar und - auch politisch - teuer. Diskreter, flexibler und wirkungsloser sind Eingriffe via Zinsschraube und Gelddrucken.

So oder so mischen aber professionelle Spekulanten wie Hedge-Fonds mit. Laut den Analysten der Société Générale shorten diese Finanzinvestoren den Dollar. Die höchsten Überhänge für Kauforders bestehen derzeit beim australischen Dollar, dem Franken und dem neuseeländischen Dollar. Hedge-Fonds erwarten demnach eine Fortsetzung der Dollarschwäche und der Höhenflüge dieser drei Währungen.Hinter diesen Anlagen steht auch die Überlegung, dass in der Schweiz, Australien und Neuseeland harte Restriktionen bei den Devisen deutlich unwahrscheinlicher sind als in aufstrebenden Ländern. Neben Währungsanlagen, die über entsprechende Preistracker oder Hebelprodukte vorgenommen werden können, nutzen gerade institutionelle Investoren Zinsdifferenzen auch für Carry Trades. «Mit den Eingriffen von Notenbanken wachsen aber auch hier die Arbitragemöglichkeiten», sagt Dalton Gardimann, Analyst beim brasilianischen Broker Bradesco. Damit unterlaufen Anleger zumindest teilweise das, was die Notenbanken eigentlich beabsichtigen.

Gardimann rechnet deshalb nicht damit, dass die Kapitalströme in die aufstrebenden Länder massiv gestört werden; ebenso seien die Wachstumsmöglichkeiten in diesen Staaten weiterhin deutlich grösser als in den hoch verschuldeten westlichen Industrieländern. «Viel wichtiger ist die Richtung der globalen Wirtschaft und, als Konsequenz davon, die Entwicklung der Rohstoffpreise», sagt Gardimann weiter.

Als besonders gefährdet gelten Länder mit hohem Aussenhandelsanteil wie China, Russland (Rohstoffexporte) und die Türkei. Relativ klein ist der Aussenhandelsanteil von Indien, das zudem viele Dienstleistungen exportiert, bei denen etwas andere Spielregeln gelten als beim Warenexport. Dazwischen liegt Brasilien.

Rezession in Europa?

Vorläufig blickt alles auf die USA. Der Internationale Währungsfonds (IMF) hat jetzt seine globale Wachstumsprognose für 2011 veröffentlicht und die Prognose für die USA um 0,6 auf 2,3% zurückgenommen. «Wir glauben, dass Europa sogar wieder zurück in eine Rezession fällt», sagt Naoki Lizuka, Analyst beim japanischen Broker Mizuho. Dies weil voreilig Sparmassnahmen ergriffen worden seinen. Er rechnet mit einer bald kommenden Welle von düsteren Prognosen und tieferen Kursen bei den europäischen Aktienmärkten.

Dann wären die bisherigen Gewinner des Währungskriegs aus den aufstrebenden Märkten auch die Gewinner der Zukunft - Währungseingriffe hin oder her.