Tequilakrise. Russlandkrise. Chinakrise. In den letzten Jahren waren es immer wieder Verwerfungen in Schwellenländern, die auf die westlichen Finanzmärkte übergriffen und dort die Anleger Geld und Nerven kosteten. Anders heute. Die Erschütterungen gehen nun von den Industrienationen des Westens aus, überall gefürchet unter demselben
Namen: Subprime-Krise.


Auf der Hitliste der Banken

Dabei haben sich die Emerging Markets, wie die zu wirtschaftlicher Macht aufstrebenden Regionen genannt werden, lange gegen Verluste stemmen können. So verlor etwa der IBOV-Index in Brasilien seit letztem Juli nur 0,7% an Wert. Ganze 4% waren es hingegen am Swiss Market Index (SMI), der mit Namen wie Roche und Nestlé gerne als Hort der Sicherheit gepriesen wird. Hiesige Banken werden denn auch nicht müde, die als hoch riskant geltenden Schwellenland-Werte zu preisen. So empfiehlt etwa Vontobel, die Region Asien-Pazifik (ohne Japan) überzugewichten. Und Credit Suisse liegt mit ihren Investitionen in diesem Segment 10% über dem Vergleichsindex.

Steht die Welt Kopf? Nicht ganz, denn die Aussicht auf eine durch die Subprime-Turbulenzen ausgelöste Rezession in den USA hat die Schwellenland-Märkte in den letzten Tagen heftig reagieren lassen. Damit wurde eine der grossen Schwächen jener Teile der Welt offenbar – die Abhängigkeit vom Export. Abhängig sind die Emerging Markets auch von ausländischen Investitionen. Und die Subprime-Krise zeigte deutlich: Wenn Anleger plötzlich das Risiko scheuen, wird in den Schwellenländern die Liquidität knapp und teuer.

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Trotzdem ist von den weltweiten Kreditmarkt-Turbulenzen bisher vergleichsweise wenig an den Emerging Markets hängen geblieben, mittlerweile notieren ihre Aktien nur 6% unter dem Allzeithoch. Dies ist kein Zufall. Denn gerade die grösseren Schwellenland- Volkswirtschaften stehen heute stabiler da als noch vor wenigen Jahren. So hat die Ausrichtung auf den Westen deutlich abgenommen: Ihr Exportanteil bezüglich USA ist in den letzten sieben Jahren von 25 auf 17% zurückgegangen.

Dabei weisen Emerging Markets im Durchschnitt positive Leistungsbilanzen auf, so Brasilien, Russland und China (siehe unten). Dies ist einerseits auf gestiegene Rohstoffpreise und anderseits auf einen wettbewerbsfähigen Exportsektor zurückzuführen. Was wiederum die Anhäufung von Devisenreserven unterstützt. «Über 70% der weltweiten Währungsreserven sind heute in den Händen von Schwellenländern», sagt Sven Schubert, Emerging-Market-Analyst bei der Credit Suisse.

Und dann sind da die Wachstumsaussichten. «Investoren sollten auf lange Frist in diesen Märkten engagiert sein. Wenn sich die globale Konjunktur nämlich weiter verlangsamt, werden die Schwellenländer noch stärker als heute zum Wachstumstreiber», sagt Adrian Zürcher, Aktienstratege bei der Credit Suisse. Wegen der negativen Marktstimmung rät er jedoch kurzfristig zu Vorsicht.


Anlegen mit Kapitalschutz

Umso mehr sollten Anleger die Risiken von Aktien aus den Schwellenländern beschränken. Recht einfach geht dies über Aktien-Fonds, die Risiken einzelner Titel breit streuen. Gemäss Feri Rating & Research haben der Talents Brick A-Fonds von Axa Funds sowie der Finter Fund Emerging Markets mit 68 bzw. 65% Performance innert zwölf Monaten am besten abgeschnitten. Günstiger als Fonds sind in der Regel Zertifikate: Mit den BRIC11 Capital Protected Notes von ABN Amro (Valor 3109728) etwa lässt sich neben Brasilien, Russland, Indien und China in Staaten investieren, wo die Industrialisierung erst begonnen hat – inklusive Kapitalschutz.

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BRIC-Staaten:

Brasilien: Für die bedeutendste Volkswirtschft Südamerikas erwarten Marktbeobachter ein richtiggehendes «Goldilocks-Szenario»: Rasches Wachstum (gemäss Credit Suisse je 5% 2007 und 2008) bei eher rückläufig erwarteten Leitzinsen. Das führt dazu, dass der gesamte Markt für Investitionen interessant ist – für Anleger eignen sich daher gerade Index-Produkte wie ETF.

Russland: Das Wachstum im nördlichen Flächenstaat dürfte sich von 7 auf 6,2% im nächsten Jahr verlangsamen. Dennoch ist das Land bei Investoren gefragt: Die Regierung will bis 2020 allein im Versorgersektor 460 Mrd Dollar investieren. Werte aus dem Retail- und Finanzsegment profitieren derweil vom steigenden Wohlstand –das treibt die Kurse in die Höhe.

Indien: Der asiatische Subkontinent weist relativ wenig Verbindungen zum US-Finanzsektor auf und sollte die Subprime-Krise recht unbeschadet überstehen. Die Wachstumsaussichten sind mit durchschnittlich 8% bis 2020 ebenfalls intakt. Trotzdem wird von Investitionen abgeraten. Gründe dafür liefern die negative Handelsbilanz und die hohe Aktienbewertung (KGV: 18).

China: Die Volksrepublik bleibt der Wachstumsträger Asiens, wo Credit Suisse ein BIP-Wachstum von 8,5% im Jahr 2007 und 8,2% im folgenden Jahr (ohne Japan) erwartet. Chinesische Firmen locken weiterhin mit hohem Gewinnwachstum, die Banken dürften nur ein geringes Exposure zum US-Subprime-Markt aufweisen. Dabei ist das H-Aktiensegment relativ günstig (KGV: 17).