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Strategie
«Schwere Wahl für Schweizer Kunden»

Am Mobile World Congress hat Samsung die teuersten Tablets denn je vorgestellt. Wie das Unternehmen damit auch in der Schweiz punkten will, sagt David Lowes, Marketingchef Europa.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 27.02.2017

Für Samsung ist der Mobile World Congress ein wichtiger Termin: Üblicherweise zeigt das Unternehmen dort sein neues Premiummodell. In diesem Jahr gab es allerdings «nur» Tablets, das Tab S3 und das Galaxy Book, für die Preise zwischen 700 und 1600 Euro in der Maximalkategorie erwartet werden. Das Samsungs Galaxy S8 muss bis zum 29. März warten. David Lowes, Marketingchef Europa; hat die Produktvorstellung geleitet.

Am Sonntag haben Sie Tablets, aber kein Smartphone präsentiert. Waren Sie mit Ihrer Präsentation zufrieden?
David Lowes*: Die Präsentation war wichtig für uns. Die Tabletsparte ist schnell gereift und das Wachstum stagniert. Es braucht also jemanden, der die Sparte voranbringt. Wir haben zwei Tablets vorgestellt, die das schaffen werden. Die Rekationen waren ausnehmend gut, darum sind wir zufrieden.

Die meisten Reviews sehen im Tab S3 und dem Galaxy Book eine direkte Attacke auf Apples iPad Pro. Ist das so?
Wir richten uns allein an den Konsumenten. Uns interessiert, was die Nutzer wollen – die richtige Mischung zwischen Entertainment und einem guten Arbeitsgerät zum Beispiel. Das Leben der Menschen verändert sich, Arbeit und Spiel sind nicht mehr voneinander getrennt wie früher. Kunden wollen also ein Gerät, dass diese Bereiche miteinander verbindet, das ist, was uns interessiert.

Sie bewegen sich allerdings in einem sehr kompetitiven Marktumfeld. Huawei hat angekündigt, Samsung und Apple in wenigen Jahren überrunden zu wollen. Wer ist für sie als Konkurrent wichtiger – Apple oder Huawei?
Wir denken in erster und auch in zweiter Linie allein an den Konsumenten. Das macht ein gutes Unternehmen aus. Unsere Konkurrenten respektieren wir natürlich. Aber was uns antreibt, ist das Ziel, bessere Lösungen für den Konsumenten zu entwickeln. An der Präsentation der Tablets haben wir auch die Sicherheit unserer Akkus thematisiert. Auch dabei geht es aber nicht um den Wettbewerb mit unseren Konkurrenten. Es geht darum, wie wir die Technologie weiterentwickeln können.

Die Sicherheit der Samsung-Akkus steht aber vor allem im Fokus wegen der Probleme mit dem Note 7, die in grösseren Zahlen verschmorten. Wie hat Samsung diese behoben?
Wir haben die Konsumenten mit dem Note 7 enttäuscht, darum zählt, was wir als nächstes tun. Taten sagen mehr als Worte. Wir haben uns vorgenommen, jede mögliche Lektion aus der Erfahrung mit dem Note 7 zu lernen. Wir haben ein Aufsichtsgremium und ein Beraterteam für Akku-Sicherheit gegründet. Wir haben einen acht Punkte umfassenden Sicherheitscheck für Akkus und neue Sicherheitsprotokolle aufgesetzt. Im gesamten Prozess haben wir mit unabhängigen Drittparteien zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass uns nichts entgeht. Die Herausforderung: Mehr Akkuleistung ist nach wie vor gefragt bei allen Kunden. Wir müssen es jetzt schaffen, die Kapazität weiter zu steigern und gleichzeitig für Sicherheit zu sorgen. Wir hoffen, dass wir damit auch die gesamte Branche voranbringen, denn das Problem haben ja nicht nur wir.

Allerdings hat Samsung nicht nur Probleme mit den Akkus. Konzernchef Lee Jae-Jong, sitzt derzeit in Untersuchungshaft wegen Verdacht auf Korruption.
Wir konzentrieren uns darauf, was wir am besten können, gute Produkte abliefern. Alles, was Ihre Frage anbelangt, kann ich nicht kommentieren.

Als Marketingchef von Europa sitzen Sie in Grossbritannien, sind also nicht direkt im Umfeld der Konzernzentrale in Seoul. Strahlen die Schwierigkeiten dort in Ihre tägliche Arbeit aus?
Meine tägliche Arbeit ist zu liefern, was Konsumenten möchten. Und trotz der Ereignisse der letzten Zeit sind unsere Verkaufszahlen nach wie vor stark. Wir sehen mit Zuversicht auf das Jahr 2017 und vertrauen auf unser Portfolio.

Tablets und Smartphones bewegen sich technisch mittlerweile auf so hohem Niveau, wie können Hersteller sich noch abheben?
Das ist natürlich stets unser Ziel. Es ist auch natürlich, dass Berichterstatter und Techanalysten umgehend den Vergleich zu anderen Produkten ziehen. Wir glauben, dass es uns nach wie vor gelingen kann, hervorzustechen. Sei es in neuen Produktkategorien wie Virtual Reality oder traditionellen wie dem Tablet.

Aber wie entwickeln Sie Ideen, die den Unterschied ausmachen?
Der S Pen zur neuen Tablet-Generation zum Beispiel sticht heraus, auch durch die Kooperation mit dem deutschen Stiftproduzenten Staedler. Viele Menschen mögen das, sie wollen den technischen Fortschritt, aber zugleich Altvertrautes behalten. Es geht auch darum, in der Tiefe zu verstehen, wie Nutzer das Tablet verwenden. Natürlich sprechen alle über Audio und Bilddarstellung. Aber wir haben das in die rotierenden Lautsprecher umgesetzt, die der Bewegung folgen, je nachdem wie das Tablet gehalten wird. Wir stellen fest, dass Nutzer solche Entwicklungen nicht als Neuerungen wahrnehmen, sondern eher als smarte, kleine Anpassungen an ihre Art, das Tablet zu nutzen.

Aber reichen smarte, kleine Veränderungen aus, um sich im harten Wettkampf abzuheben?
Kleine Veränderungen addieren sich zu einem Paket. Der Unterschied entsteht durch die Kombination aller Faktoren. Wir verkaufen alle drei Sekunden ein Tablet in Europa, ein paar Dinge müssen wir richtig gemacht haben.

Was werden Sie beim Galaxy S8 richtig machen?
Darüber darf ich leider noch nicht sprechen.

Ach, kommen Sie schon...
(lacht) Naja, sagen wir so: Dass mir die Frage so häufig gestellt wird, bestätigt das grosse Interesse an unserem nächsten Smartphone. Es wird Ihre Erwartungen erfüllen.

Eine der Neuerungen, die Sie am Mobile World Congress bekannt gegeben haben, ist die Kooperation mit Verizon in Bezug auf 5G. Was sind Ihre Erwartungen an die neue Datenübertragung?
5G ist wirklich wichtig. Es hat keinen Sinn, alle diese verschiedenen Dienste und Produkte anzubieten, wenn das Netzwerk dazu nicht ausreicht. Die richtige Infrastruktur ist zentral und wir müssen hier eine Vorreiterrolle einnehmen.

Was sind die nächsten Schritte?
Wir werden Tests in den USA, Japan und Korea durchführen. In Europa werden wir in Grossbritannien testen. Das wird in naher Zukunft passieren, auch wenn noch kein genaues Datum feststeht. Wir investieren viel in das Netzwerk.

Eines der Produkte, das Sie ebenfalls ausbauen ist Samsung Pay. Was sind Ihre Pläne dafür?
Mobiles Zahlen wird immer wichtiger. Im Moment sind wir in elf Ländern damit präsent, in Europa haben wir letztes Jahr in Spanien gestartet.

Welche Länder werden die nächsten sein?
Das werden wir in den nächsten Wochen bekanntgeben. Wir arbeiten mit mehreren Partnern zusammen und hoffen, dass wir entscheidende Fortschritte in Bezug auf Samsung Pay auch in Europa publik machen können.

Wird die Schweiz dabei sein? Samsung Pay soll dort seit vorigem Jahr «bald» starten. Der Finanzplatz Schweiz ist schliesslich ein wichtiger...
Ich kann zu einzelnen Ländern nichts sagen. Aber wir schauen uns natürlich die einzelnen Länder und ihre Märkte an und, wie Sie sagen, die Schweiz ist ein wichtiger Finanzplatz.

Die Schweiz ist auch sehr Apple-konzentriert, mehr als jeder zweite Nutzer ist ein iPhone-Besitzer. Hoffen Sie, dass sich das durch die neuen Premiumgeräte ändert?
Die Schweiz ist ein Premiummarkt, sicher, und in diesem Bereich entwickelt sich Samsung stark weiter. Die vorherigen Premiummodelle haben sich schon hervorragend verkauft und darauf werden wir aufbauen. Der Schweizer Premiumkäufer wird eine schwere Wahl haben.

*David Lowes ist Marketingchef von Samsung Electronics Europe, er leitet diesen Bereich seit Februar 2016. Zuvor war er lange im Marketing von Unilever.
 

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