Die Schlussrunde im Kampf der Giganten lancierte die Nationalbank (SNB) mit einem Volltreffer. Die für die UBS und CS verschärften und bis 2013 zu erfüllenden Eigenkapitalvorschriften seien nur der erste Schritt für mehr Stabilität, schreibt die SNB in ihrem neusten Bericht. «Diese Reform war nicht gedacht - und ist nicht genügend - für die Adressierung des «Too big to fail»-Problems», hielten die Autoren fest. Es brauche mehr Eigenmittel, um zu verhindern, dass jemals wieder eine Grossbank das kleine Land an den finanziellen Abgrund führen würde.

Statt aber in die Knie zu gehen, platzierte UBS-Konzernchef Oswald Grübel am Tag danach einen Kinnhaken. Die SNB-Forderungen hätten eine Neuorganisation des Grossbankengeschäfts zur Folge, sagte Grübel dem «Tages-Anzeiger». Seine Bank und die CS müssten ihre ausländischen Tochterfirmen neu mit eigenem Kapital ausstatten. «Wir bräuchten in diesem Fall etwa doppelt so viel Eigenkapital wie heute», orakel- te Grübel, und bestätigte danach die Zahl von 100 Mrd Fr. zusätzlichem Geldbedarf für beide Grossbanken.

So viel Eigenkapital wäre derzeit kaum aufzutreiben. Grübel skizzierte entsprechend ein scharfes Bremsmanöver: Die UBS und CS würden in naher Zukunft deutlich weniger Kredite vergeben, der Aufschwung würde dadurch abgewürgt, Tausende von Jobs in der Schweiz könnten wegfallen.

Wenig verwunderlich, folgten harsche Repliken aus der Politik auf dem Fuss. Kaum habe der Staat die UBS vor neuen Klagen im selbstverschuldeten US-Steuerfall gerettet, drohe deren Chef mit Negativszenarien, kritisierten selbst bankenfreundliche Bürgerliche.

Würfel fallen Ende August

Dabei hat Grübel lediglich laut ausgesprochen, was hinter den Kulissen als zentraler Vorschlag in der «Too big to fail»-Debatte auf dem Tisch liegt. Eine Expertenkommission, die das Problem der riskanten Grossbanken lösen soll, fordert als zentrale Massnahme eine massive Erhöhung der eigenen Mitteln. Die Würfel fallen in den nächsten zwei Monaten, Ende August will die Kommission ihren Schlussbericht vorlegen. Darauf basierend will der Bundesrat ein Gesetz vorschlagen, das die Schweiz vor zukünftigen Milliardenrettungsaktionen für ihre Grossbanken bewahren soll.

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Im vertraulichen Gespräch führt ein Mitglied der Expertenkommission gegenüber der «Handelszeitung» aus, dass die UBS und CS jeweils über 100 Mrd Franken Obligationen ausstehend hätten. Nun sollen diese teilweise durch spezielle Wandelobligationen, sogenannte Contingent Convertibles, kurz CoCos, abgelöst werden. «Bei beiden Grossbanken geht es um die Ausgabe von CoCos in der Höhe von 20 und bis 40 Mrd Fr.», sagt die Quelle.

Beim neuartigen Finanzinstrument handelt es sich um hochverzinstes Fremdkapital, das im Krisenfall automatisch in Eigenkapital umgewandelt wird, um den durch Abschreibungen und Verluste reduzierten Puffer rasch wieder zu vergrössern. Im Unterschied zur zurückliegenden Krise, als viele schlingernde Banken, darunter auch die beiden grossen Schweizer Banken, unter riesigem Stress frisches Geld auftreiben mussten, regeln die CoCos die Kapitalbeschaffung im Voraus. Davon versprechen sich die Regulatoren mehr Stabilität für das Gesamtsystem.

Was auf den ersten Blick nach einer eleganten Lösung des Eigenkapitalproblems für «too big to fail»-Banken aussieht, leidet hauptsächlich unter zwei Schwächen. CoCos sind für die Schuldner teuer, weil die Geldgeber hohe Zinsen für das eingegangene Risiko fordern. Zweitens ist ihre Wirksamkeit umstritten. Die Wandlung eines CoCos könnte die Verunsicherung um die betroffene Bank erst recht verschärfen, statt sie wie beabsichtigt zu reduzieren.

Wie viel CoCo-Kapital die UBS und CS aufzutreiben haben und in welcher Zeit - in der Kommission ist von mehreren Jahren die Rede -, darüber streiten die Experten derzeit intensiv. Für ein rasch aufzubauendes dickes Polster kämpfen SNB-Präsident Philipp Hildebrand, sein Vize Thomas Jordan und dessen Stellvertreter Thomas Wiedmer, bei der SNB zuständig für Finanzstabilität. Dagegen halten Ulrich Körner, Stabschef der UBS und der designierte CS-Präsident Urs Rohner. Jordan, Körner und Rohner sitzen in der Kommission. Sprecher der drei Institute verwiesen auf bisherige Stellungnahmen. Den Schlagabtausch von letzter Woche wollten sie nicht kommentieren.