Das Bezirksgericht Zürich hat einen ehemaligen Kundenberater der Credit Suisse (CS) zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Ein halbes Jahr davon soll er absitzen. Der Mann hatte in seiner Zeit bei der Grossbank rund 4 Millionen Franken ertrogen. 

Der heute 41-jährige Ex-Banker musste sich wegen mehrfachen Betrugs im grossen Stil sowie mehrfacher Urkundenfälschung vor dem Gericht verantworten. Der Beschuldigte gab an, dass er trotz der Strafuntersuchung auch heute noch privat als Finanzberater tätig sei und pro Jahr rund 150'000 Franken verdiene.

Der türkische Staatsangehörige legte im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens ein umfassendes Geständnis ab. Er arbeitete seit dem Sommer 2005 als Kundenberater am Paradeplatz für die Grossbank. Dabei betreute er in erster Linie Kunden aus der Türkei und empfahl diesen den Kauf von Aktien einer Gesellschaft namens Torex.

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Den Ratschlag befolgten die meisten seiner Kunden. Doch die Wertpapiere erwiesen sich als Nieten: Die Gesellschaft Torex ging im Sommer 2007 Konkurs und erlitt einen Totalverlust.

Vier Millionen Franken in einem Jahr ertrogen

Laut Anklage reagierte der Beschuldigte kriminell: Um die hohen Verluste zu vertuschen, zweigte er im September 2007 mittels gefälschten Zahlungsaufträgen rund 1,8 Millionen Franken ab und stopfte damit illegal die entstandenen Löcher.

Ein Jahr später wiederholte sich das Spiel, als ein weiterer vom Beschuldigten beratener Grosskunde nach Investitionen in Aktien und Bonds noch grössere Verluste erlitten hatte. Diesmal handelte es sich um über 2,2 Millionen Franken, die der CS-Kundenberater erneut widerrechtlich seiner Arbeitgeberin belastete. Im Frühjahr 2010 flog der Betrug auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch weitere 240'000 Franken abgezweigt.

Weil es zu einem abgekürzten Verfahren kam, wurde der Fall laut Bezirksgericht nicht ganz ausgeleuchtet. So wunderte sich der Gerichtsvorsitzende darüber, dass sich die CS mit dem Beschuldigten trotz der Millionenverluste auf einen bedeutend geringeren Schadenersatz von lediglich 350'000 Franken geeinigt hatte.

Beschuldigte kann weiter seine Geschäfte tätigen

Laut Gericht blieb auch im Dunkeln, weshalb die Staatsanwaltschaft keine Ersatzforderung im Hinblick auf einen unrechtmässig erlangten Vermögensanteil gestellt hatte.

Trotzdem segneten die Richter den von den Parteien vorgebrachten Urteilsvorschlag ab. Demnach wurde der Ex-Banker für schuldig befunden und zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt. Sechs Monate davon unbedingt.

Der Beschuldigte kann den unbedingten Teil der Strafe in Halbgefangenschaft verbüssen. Weil eine Befragung zur Sache entfiel, blieb das genaue Tatmotiv offen. Der Gerichtspräsident sprach zum Schluss von einer Strafe ganz am unteren Rand. Der Beschuldigte kann weiter seine Geschäfte tätigen.

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(tno/sda)