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Seilbahn
«Seco hatte im Vorfeld keine Bedenken»

Der Bund verbietet der Schweizer Firma BMF den Bau einer Sesselbahn in Nordkorea. Nun erklärt der Firmenchef, wie er das Veto aufnimmt und warum seine Firma den Auftrag überhaupt annahm.

Von Vasilije Mustur
am 20.08.2013

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un will den Tourimus ankurbeln und baut deshalb im Osten des Landes ein Luxus-Skigebiet mit 110 Pistenkilometern, Seilbahnen, Hotels und einem Helikopterlandeplatz. Dafür schloss das Regime einen Deal mit der Bündner Firma Bartholet Maschinenbau. Das Ziel: Das Unternehmen sollte für die Nordkoreaner eine kombinierte Anlage aus Sessel- und Kabinenbahn errichten. Kostenpunkt: Sieben Millionen Franken. Ein chinesischer Partner hätte die Bahn vor Ort montiert.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) stoppte nun das Seilbahnprojekt der Bartholet Maschinenbau in Nordkorea. Sind Sie enttäuscht? 
Roland Bartholet: Dem Projekt ging eine intensive Akquisitionsphase voraus. Da kümmerte sich kein Aussenstehender um die Angelegenheit. Erst nachdem die Projektphase abgeschlossen war und die Lieferung vor der Tür stand, wurde sehr schnell reagiert. 

Das Seco begründet sein Veto damit, dass es sich bei der Seilbahn um ein Luxusgut handle und das Produkt deshalb lediglich für die Polit- und Wirtschaftselite des Landes zugänglich sei. Können Sie das nachvollziehen? 
Das Skigebiet muss jetzt zuerst vernünftig wachsen. Für die Dimension des geplanten Skigebietes bräuchte es jedoch eine sehr grosse Elite-Gesellschaft. Es wurde uns jedenfalls mitgeteilt, dass auch der nahe gelegene Hafen ausgebaut werde und dadurch Touristen ins Land kommen würden. Darüber hinaus gibt es einige positive Beispiele in anderen Ländern, bei denen durch Sommer- und Wintersportaktivitäten eine vernünftige Freizeitbeschäftigung möglich wurde. 

Ist das Projekt jetzt Ihrer Ansicht nach endgültig vom Tisch? 
Wir wollen auf jeden Fall jegliche Konflikte politischer Art vermeiden. Deshalb werden wir uns selbstverständlich nicht gegen einen Bundesratsentscheid stellen. Das ändert nichts daran, dass der chinesische Partner enttäuscht ist. Er wird sich jetzt eine neue Lösung suchen. 

Sie wollen politische Konflikte vermeiden. Weshalb nahmen Sie den Auftrag dann überhaupt an? 
Wir sind in vielen Ländern tätig, welche wir bei Unsicherheiten im Vorfeld vom Seco überprüfen lassen. Bei dieser Anfrage gab es im Vorfeld keine Bedenken. 

Wie schmerzlich ist derweil das Veto des Seco aus wirtschaftlicher Sicht? 
Für uns ist jeder Auftrag wichtig. Dieser muss jedoch in einem vernünftigen Rahmen ablaufen.  

Nochmals: Wie viele Arbeitsplätze hätten im Zuge des Projekts geschaffen werden können? 
In der Schweiz handelt es sich pro Anlage gegen 30 Mannjahre. In einem Skigebiet sind ausserdem die Bauindustrie, die Versorgungsindustrie und die Direktbeschäftigten betroffen. 

Roland Bartholet ist Verwaltungsratspräsident der Bartholet Maschinenbau AG in Flums SG.

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