DKSH ist sogar im Krisenjahr 2009 in Franken um 4,8% gewachsen. Rechnen Sie dieses Jahr wieder mit einem Rekordergebnis?

Jörg Wolle: Im 1. Quartal legte DKSH beim Umsatz um 8% und beim Ebit um 25% zu. Wir sind sehr optimistisch, was die weitere Entwicklung des Geschäftsjahrs 2010 angeht.

Wie tickt Asien seit dem letzten Krisenjahr?

Wolle: Asien war nie in einer tiefen Rezession und hat sich viel schneller erholt als die westlichen Industriestaaten. Die Asian Development Bank sagt für dieses Jahr 7,5% Wachstum für die Region voraus. Immer wichtiger wird für uns das Interasien-Geschäft. Damit meine ich den Vertrieb von asiatischen Produkten in anderen asiatischen Märkten. Ausserdem gewinnen wir auch zunehmend lokale Hersteller für Marketing und Vertrieb innerhalb eines Landes. Wir machen beispielsweise den Vertrieb für thailändische Produzenten in Thailand, weil diese realisieren, dass wir das effizienter machen können als sie selbst.

Haben Sie weitere bestehende Länderniederlassungen von Herstellern in Asien übernehmen können? Im letzten Jahr übernahmen Sie Oerlikon Systems in China und Taiwan.

Wolle: Ja, hinzu kam die japanische Tochtergesellschaft von Weinig, dem weltweit führenden Produzenten von Holzverarbeitungsmaschinen. Ausserdem hat uns Shell in Thailand ihre Vertriebsgesellschaft für Pflegemittel verkauft, die Auto- und Motorradhändler und Reparaturwerkstätten beliefert. Wir haben eine bestehende Struktur mit 30 Distributionszentren und 300 Aussendienstmitarbeitern übernehmen können. Das ist eine Win-win-Situation: Wir können die Produkte besser und effizienter anbieten, da wir die Infrastruktur von Shell in die DKSH und damit eine viel grössere Plattform einbringen. Shell kann die Fixkosten senken und sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren. Wir vertreiben ausserdem verwandte Produkte aus unserem bestehenden Portfolio neu über diese Kanäle.

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Sehen Sie Potenzial, dass Shell das in anderen Ländern wiederholt?

Wolle: Absolut. Diese Erfolgsgeschichten sprechen sich herum.

Wo sieht DKSH die grössten Wachstumsopportunitäten?

Wolle: Wir wachsen, indem wir zum Beispiel Vertriebspartnerschaften wie mit Beiersdorf von einem Land in andere Länder ausrollen oder neue Hersteller dazugewinnen, auch lokale Produzenten in Asien. Zusätzlich expandieren wir durch gezielte Arrondierungen. Zudem übernehmen wir, wie die Beispiele von Oerlikon Systems oder Shell zeigen, immer mehr bestehende Vertriebs- und Serviceinfrastrukturen vor Ort. Wir haben noch enormes Wachstumspotenzial in den bestehenden Märkten.

Wie steht es um einen Börsengang?

Wolle: Wir sind bereits seit einiger Zeit kapitalmarktfähig und haben dies mit der 2008 vollzogenen Kapitalmarkttransaktion zur Aufnahme neuer Aktionäre, verbunden mit einer Kapitalerhöhung, bewiesen. Hochkarätige Investoren interessieren sich für uns - Pierre Mirabaud, der frühere Präsident der Bankiervereinigung, ist neuer Aktionär. Ich sehe derzeit nach wie vor keinen guten Grund, wieso wir an der Börse sein sollten.

Mit einem Börsengang könnten Sie den Bekanntheitsgrad steigern.

Wolle: Da gebe ich Ihnen Recht. In der Schweiz sind wir gut bekannt, aber in Deutschland beispielsweise noch nicht in dem Masse. Aber das reicht nicht für ein IPO.

Ihr VR-Mandat bei Kühne + Nagel wird im Vergleich zur UBS eine ruhige Kugel.

Wolle: Eine ruhige Kugel schieben hat mich noch nie interessiert. Kühne + Nagel ist eine hervorragend positionierte Firma, die hungrig nach Wachstum ist. Gemütlich wird es bestimmt nicht. Dass das UBS-Mandat in eine so dramatische Zeit fallen würde, hatte niemand erwartet.

Wie erleben Sie den Ruf der Schweiz in Asien?

Wolle: Draussen sieht man alles nicht so dramatisch wie hierzulande. Der Ruf der Schweiz ist in Asien nach wie vor sehr gut. Für DKSH ist es ein grosser Vorteil, eine Schweizer Firma zu sein. Ich hoffe, dass man in der Schweiz mit der Selbstzerfleischung aufhört und mehr Gelassenheit im Umgang untereinander übt.