Das letzte Wort hat das Volk. Vieles müsste jedoch schief laufen, dass die Stimmbürger der Bündner Gemeinde Vaz/Obervaz am 11. Dezember 2005 der Fusion der Lenzerheide Bergbahnen Danis Stätz AG (LBDS) mit der Rothornbahn und Scalottas AG nicht zustimmen. Für die Verwaltungsräte beider Betriebe wäre ein solcher Entscheid jedenfalls unverständlich. Sie wollen «zusammenführen, was zusammengehört» und mit der Lenzerheide Bergbahnen AG einen der grössten Schweizer Seilbahnbetriebe aus der Taufe heben. Für Peter Furger, designierter Verwaltungsratspräsident der neuen Gesellschaft, könnte sich die Lenzerheide im Falle einer Fusion zu einer Destination von europäischer Grösse und Bedeutung entwickeln.

Diese Chance wird man sich im Bündner Feriengebiet kaum entgehen lassen. Die Meinung des Wallisers Furger hat vor Ort jedenfalls ein hohes Gewicht. Nicht ohne Grund: Der Seilbahnexperte war bereits bei der Fusion der Zermatter Bergbahnen federführend und hatte Erfolg: Im vergangenen Geschäftsjahr konnte der Walliser Betrieb den Umsatz um 6% auf über 56 Mio Fr. steigern und die Personalkosten unter die Zielmarke von 35 auf 31% des Gesamtaufwands drücken. Die dadurch freigesetzten Mittel flossen in gezielte Marketing-Aktionen. «Dank der Fusion können wir kundenorientierter und sparsamer agieren», sagt Hanspeter Julen, Verwaltungsratspräsident der Zermatter Bergbahnen.

Ein weiteres Argument für ein Ja am 11. Dezember dürfte den Einwohnern von Vaz/Obervaz ein Blick nach Davos liefern. Dort haben sich 2003 drei unabhängige Betriebe zu den Davos Klosters Bergbahnen zusammengeschlossen. Seither geht es wirtschaftlich steil bergaufwärts: Kosteneinsparungen dank schmalerer Strukturen sowie gezielte Investitionen ohne lokalen Konkurrenzdruck sorgen seit der Fusion für wachsende Betriebsergebnisse, obschon die Zahl der Fahrgäste eher rückläufig ist.

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Investitionsstau deblockiert

Beim Verband Seilbahnen Schweiz (SBS) ist man vom wirtschaftlichen Potenzial betrieblicher Zusammenschlüsse überzeugt. «Bis anhin waren alle Grossfusionen erfolgreich», beobachtet Sprecher Felix Maurhofer. Neben operativen Verbesserungen sei eine klarere Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse ein wichtiger Erfolgsfaktor. Der Verband begrüsst, dass dank der Fusionen in den letzten Jahren acht Bergbahnunternehmen verschwunden sind und die Konsolidierung im Markt voran schreitet. «Gefragt ist auch der Mut, nicht mehr ins Konzept passende Anlagen zu entfernen», sagt Maurhofer.

Die Strukturierung und Straffung des Angebots allein reicht für den Erfolg indes nicht aus. Wichtig ist auch eine Erneuerung der vielerorts veralteten Anlagen. Auch hier haben die Schweizer Bergbahnen ihr Tempo verschärft. Waren es im Vorwinter noch 100 Mio Fr., sind dieses Jahr rund 240 Mio Fr. in neue Bahnen investiert worden. Gemäss Maurhofer hat sich, auch wegen der Schliessung von unrentablen Anlagen, der angestaute Investitionsbedarf bei den Seilbahnen von 1,4 auf rund 1 Mrd Fr. verringert.

Auf Bankkredite angewiesen

Um den Wintertouristen modernere und schnellere Bergtransporte zu bieten, haben viele Betriebe keine Kosten gescheut und sich in Unkosten gestürzt. SBS-Sprecher Maurhofer bestätigt, dass trotz verbesserter Liquidität die meis-ten Unternehmen ihre Investitionen nicht mit eigenen Mitteln berappen können und auf Bankkredite angewiesen sind. Die Kriterien zur Vergabe solcher Kredite sind in der Vergangenheit jedoch strenger geworden und orientieren sich an der Ertragslage.

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Im Vorteil sind demnach Bergbahnunternehmen mit modernen Strukturen wie etwa die fusionierten Betriebe in Zermatt und Davos. Nicht verwunderlich, dass sie ihre Tarife für Tageskarten in diesem Winter gar nicht (Davos) oder nur um 1 Fr. (Zermatt) angehoben haben. Damit unterbieten sie die Konkurrenz, die gemäss einer Erhebung der Schweizer Reisekasse (Reka) zur Refinanzierung von Investitionen im Durchschnitt um 1 bis 4 Fr. aufgeschlagen hat.

Preislich vorgeprescht und günstiger geworden sind die Bergbahnen in der Lenzerheide, die dem Trend von billigeren Kindertickets gefolgt sind und mit einer Tageskartenreduktion von 14 Fr. gegenüber dem Vorjahr das Discountangebot des Winters lanciert haben. Furger und Co. sind von den künftigen betriebswirtschaftlichen Vorteilen der fast perfekten Fusion anscheinend überzeugt.