«Man soll das Glück nicht länger herausfordern», sagt Klaus Wellershoff im Interview mit der «Handelszeitung». Was von seinen Research-Abteilungen als Anlagestrategie erarbeitet wurde, habe alle Benchmarks übertroffen. Trotzdem haben die Kunden davon wenig gespürt: Die UBS-Strategiefonds haben schlecht abgeschnitten.

Recherchen der «Handelszeitung» zeigen, dass der wahre Grund für den Abgang von Wellershoff als Leiter des Anlageausschusses und des Research im Wealth Management in diesem Widerspruch liegt: Die internen Fondsmanager haben sich um die Empfehlungen des eigenen Research keinen Deut geschert. Aus Ärger darüber hat er den Bettel hingeschmissen. Wellershoff selbst will sich nicht dazu äussern. Er lässt aber durchblicken, dass er den Posten als UBS-Chefökonom kaum mehr sehr lange behalten will. «Im nächsten Frühjahr habe ich die Funktion als Chefökonom zwölf Jahre ausgeübt. Auch da wird irgendwann eine Veränderung anstehen.» Ein Datum für einen Rücktritt nennt er nicht. «Weder ich noch die Bank haben uns dafür einen Zeithorizont gesetzt.»

Schwächeres Wachstum

Obwohl die UBS Ende August eine Eintrübung der Schweizer Konjunkturlage prognostiziert hat, bleibt Wellershoff für die Schweiz relativ optimistisch: Das Wachstum werde sich auf 1 bis 2% abschwächen. «Das ist aber keineswegs mit einer Krise gleichzusetzen.»

Daher befürchtet er keine deutliche Verschlechterung auf dem Arbeitsmarkt. Selbst die Lohnabschlüsse werden seiner Meinung nach mit einem realen Salärzuwachs enden: «Die Unternehmen werden gegenüber den Gewerkschaftsforderungen trotz aller Rhetorik die Ohren nicht verschliessen.»

Pessimistisch ist Wellershoff hingegen für die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft. Die Amerikaner würden weiterhin über ihre Verhältnisse leben. Die Politik des billigen Geldes und der Steuererleichterungen hätten dies weiter ermöglicht: «Wir haben dem Patienten fiebersenkende Mittel gegeben, aber nichts gegen die Krankheit unternommen.»

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Nachdem die politischen Massnahmen nun verpuffen, würden die USA in eine Rezession abgleiten, bis ins nächste Jahrzehnt unter Potenzial wachsen und die Weltwirtschaft mit hinunterziehen.