Die Banken haben seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 in der EU mittlerweile mehr als 20'000 Filialen geschlossen. Allein im vergangenen Jahr dünnten die gebeutelten Institute ihr Netz um 5500 Vertretungen aus und 2011 um 7200, wie einer Reuters-Analyse zufolge aus Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht. Die Zahl der Filialen schrumpfte damit seit 2008 um insgesamt acht Prozent, im vergangenen Jahr belief sich der Rückgang auf 2,5 Prozent.

Die Geldhäuser wollen mit der Schliessung von Filialen vor allem ihre Kosten drücken und somit die geschmolzenen Gewinne aufpäppeln. Zusätzlich verstärkt die anhaltende Zunahme von Internet-Banking diesen Trend, der Experten zufolge noch jahrelang anhalten dürfte.

Filialen teuer, Schliessung immer auch ein Risiko

Kaum eine Bank kann sich heute noch den Luxus unprofitabler Filialen leisten. Immerhin verursacht das Filialnetz wegen der hohen Ausgaben für Immobilien und Personal einer Analyse der Deutschen Bank zufolge insgesamt etwa 60 Prozent aller Kosten im Privatkundengeschäft. Deshalb könnte die Branche in der EU dem Beratungsunternehmen McKinsey und Bankenverbänden zufolge spätestens 2021 durch die Ausdünnung des Netzwerkes zusätzliche Gewinne in Höhe von 15 bis 20 Milliarden Euro generieren.

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Dennoch zögern viele Institute - obwohl sie gleichzeitig zugeben, dass sie bei der Ausdünnung des Netzes eigentlich viel zu langsam vorgehen. Sie fürchten den Verlust langjähriger Kunden und Proteste in ländlichen Gebieten. «Eine Schliessung liefert den Kunden immer einen Anlass, über einen Wechsel der Bank nachzudenken», erklärt etwa Fabrice Asvazadourian von dem Beratungsunternehmen Roland Berger.

Spanien: Trotz Schliessungen die meisten Filialen

Ende 2012 gab es in der EU den EZB-Daten zufolge insgesamt noch 218'687 Filialen - also etwa eine Zweigstelle pro 2300 Einwohner. Die Schliessungen konzentrierten sich im vergangenen Jahr auf die Länder im Zentrum der Schuldenkrise. So schlossen in Griechenland vor allem wegen Zusammenschlüssen regionaler Institute fast sechs Prozent der Bankfilialen ihre Pforten zum letzten Mal. Das von einer Bankenkrise erfasst Spanien verlor 2012 rund fünf Prozent seiner Bankvertretungen. In Irland und Italien betrug der Rückgang jeweils gut drei Prozent. Im Gegensatz dazu verbuchte Osteuropa Zuwächse: In Polen, Tschechien und Litauen nahm die Zahl der Filialen zu.

Spanien hat zwar seit der Finanzkrise insgesamt den dramatischsten Rückgang erlebt: Dort sank die Zahl der Filialen innerhalb von vier Jahren um 17 Prozent. Dennoch hat das Land mit insgesamt 38'200 Vertretungen noch immer das dichteste Netz, weil im Schnitt eine Bankfiliale 1210 Einwohner bedient. Dies belegt das Ausmass des jahrelangen Immobilien und Banken-Booms, der mit der Finanzkrise ein jähes Ende fand und schliesslich in ein internationales Rettungspaket für die Institute mündete. Eine Ausdünnung der Filialnetze war deshalb eine Bedingung für die Hilfen.

Noch lange nicht am Ende

Auch in anderen Ländern dürfte der Trend noch lange kein Ende gefunden habe. So hat Frankreich mit insgesamt 38'450 in absoluten Zahlen mehr Bankfilialen als jedes andere EU-Land - und damit eine pro 1709 Einwohner. Die französischen Institute waren bei der Schliessung bislang auch deutlich zurückhaltender als in anderen Ländern. In den vier Jahren bis Ende 2012 gingen insgesamt nur drei Prozent der Zweigstellen verloren, während es in Grossbritannien fünf Prozent und in Deutschland acht Prozent waren.

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(reuters)