Da steht er nun mitten auf einem spiegelglatten Boden und scheint Besucher anzulachen: Der «robo 40», innovative Weltneuheit auf dem Gebiet der Putztechnologie. Anlachen deshalb, weil er vorne zwei Löcher wie Augen hat und darunter eine halbmondartige Öffnung - ähn-lich dem gelben «Smiley», dessen Mundwinkel nach oben zeigen. Alles natürlich nur technisch bedingt, aber halt doch symptomatisch und Assoziationen weckend. Zudem ist der Putzteufel knallrot.

Über das ganze Gesicht strahlt auch Alexandra Thalmann. Sie ist für die Sauberkeit in einem der modernsten Schweizer Sportzentren in Herisau AR verantwortlich. «Ich wüsste gar nicht, wie wir ohne ihn unsere tägliche Aufgabe effizient lösen könnten.» Das Zentrum ist an sieben Tagen bis spät nachts geöffnet. Früher musste ein Reinigungsteam weit bis nach der Geisterstunde schuften, um die knapp 1200 m2 grosse Bodenfläche der Dreifach-Sporthalle für die Frühaufsteher am Morgen wieder in Schuss zu bringen.

Heute genügt ein Knopfdruck und der «robo 40» fetzt über die Böden, die dann innert dreier Stunden blitzblank sind. Das kostet - Verbrauchsmaterial, Reinigungsmittel, Wasserhaushalt und vor allem Menscheneinsatz mitberücksichtigt - pro Reinigung sage und schreibe 43 Fr. Bei einem sogenannten Nachläufer (ein Mensch schlurft hinter der Putzmaschine hinterher) kostet dies mehr als das Doppelte, bei einem sogenannten Aufsitzer (ein Mitarbeiter steuert das Gerät vom Hochsitz herunter) ungefähr dreimal so viel.

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Resignation als der erste Kick

Die rund 20 angehenden Masters of Advanced Studies (MAS ZFH) in Innovation Engineering der Hochschule für Technik Zürich (HSZ-T) fanden bei der Präsentation, eloquent moderiert von ETH-Professor und Studienleiter Paul Frauenfelder, was sie suchten: Verbindung von Theorie und Praxis. Auch die Vertreter von IBM und Belimor, sie referierten ebenfalls zum Tagungsthema «Stellenwert der Innovationsfähigkeit als Wettbewerbsfaktor», waren sichtlich beeindruckt vom Selfmademan Christoph Loosli, Gründer und VR-Präsident von Cleanfix in Henau-Uzwil SG beim Bodensee.

Loosli stand einfach vor den Leuten; ohne Powerpoints, bar jeglicher medial wirksamer Hilfsmittel. Er erzählte frisch-fröhlich, wie alles dazu gekommen war, und übergab den Teilnehmern damit, ohne dies zu beabsichtigen, einen wichtigen Schlüssel ins Reich der Selbstständigkeit. «Am Anfang war Resignation», gestand der HSG-Absolvent. Er verstand sich nicht mit seinem Chef und seine Arbeit machte ihm folglich auch keinen Spass mehr. «Meine damalige Situation gab mir den Kick», meint er rückblickend. Infolgedessen wurde der Wunsch, «auf die andere Seite der Strasse zu wechseln», bei ihm immer stärker. Diese andere Seite bedingte einen grossen Sprung. Oder, wie es Paul Frauenfelder formuliert: «Wenn du eine Hürde vor Dir hast, kannst du entweder darüber springen oder du gehst unten im Dreck durch.» Christoph Loosli hat beides getan und sich letztlich behauptet - davon träumen auch die heutigen Start-ups zu Beginn.

Was er über die Anfänge bis hin zum Erfolg erzählt, ist filmreif und wird vielleicht viele, die den Weg in die Selbstständigkeit wagen, ermuntern. Nur im Zeitraffer: Loosli besuchte beruflich eine Ausstellung, an der die ersten Sprühextraktionsgeräte gezeigt wurden. Sie konnten Teppiche benässen, den Dreck heraussaugen und säubern. Sie kamen aus den USA, ein Flug war damals noch sündhaft teuer, also bestellte er - auf eigenes Risiko - vier solcher Wundermaschinen.

Dank Bauchgefühl zum Erfolg

Das Geschäft lief wie geschmiert, doch er fand, solche Geräte könne er selber herstellen, tüftelte mit Getreuen und erreichte eine Produktionskadenz von einer Maschine pro Tag. Unnötig zu sagen, dass er sie selber nicht nur vorführen musste, sondern gleich auch als Putzequipeur angestellt wurde. Dazu nur so viel: Bei Möbel Pfister, dem ersten Auftrag, wollte er die Sache zu gut machen, sodass er etwas zu viel Wasser verwendete und die Teppiche anderntags schrumpften. Storys, aber sie konnten den Siegeszug seiner Produkte nicht aufhalten.

Produkte, die ständig verbessert und den neuen Bedürfnissen der Kunden angepasst wurden. Sein Riecher verliess ihn seither nie mehr. Als Spannteppiche in Ungnade fielen, weil Hygienefachleute feststellten, das nichts über sauber gefegte Hartböden wie den heute so beliebten Marmor oder Schiefer geht, wurden neue Generationen von Reinigungsmaschinen entwickelt, die weggingen wie frische Weggli. Die Maschinen werden eingesetzt in vielen Supermärkten in der Schweiz, in der Türkei oder in Russland sowie von Gebäudereinigern, Industrien oder Stadtverwaltungen - Cleanfix ist heute in 70 Ländern vertreten. Am Hauptsitz und Produktionsstandort in Henau-Uzwil SG arbeiten über 110 der total 180 Angestellten.

Dabei bürstet Christoph Loosli nach wie vor gegen den gängigen Business-Strich: Er verlässt sich nicht auf Banken, verteidigt seine Fertigungstiefe, sie ist mit 70% beinahe ein Anachronismus, und schwört auf sein Bauchgefühl, ein Begriff der mehrmals an diesem Tag fiel, wenn er darauf angesprochen wurde, was ihm immer wieder zum Erfolg verhalf.

Dabei dürfte ihm zugute gekommen sein, dass er zu Beginn seiner Karriere selber Boden geschrubbt, nächtelang getüftelt und einfach immer an seinen Weg geglaubt hat. Dass er ein begnadeter Kommunikator ist, erwähnte er nicht, weil das nur spürt, wer mit ihm länger spricht. Ist für ihn auch kein Thema. Eine Idee, die nicht auf fruchtbaren Boden fällt, ist - das gilt auch noch heute für Innovationen - klinisch tot.

KMU fast wie ein Weltkonzern

So unterschiedlich die Referate der Vertreter von IBM und Belimo und deren Voraussetzungen für Initialzündungen im Sinn der Veranstaltung auch waren. Es fand sich doch ein gemeinsamer Nenner: Ob ein Weltkonzern, ein mittelgrosser Player oder eben ein St. Galler KMU sich auf den Weg in eine innovative Zukunft machen: Wer seine Ideen nicht gut kommuniziert, hat schlechtere Karten. Das gilt firmenintern wie -extern. Und noch etwas gaben alle den künftigen Tüftlern bzw. Jungunternehmern mit auf den Weg: Ohne «feu sacré» löscht das Innovationsfeuer aus.