Vor etwa einer Woche hatte Credit Suisse überraschend bekanntgegeben, dass die Schweizer Bank nicht mehr als Marktmacher für Staatsanleihen in Europa agieren werde. Nun sind Vermögensverwalter wie Pioneer Investments besorgt, dass andere dem Beispiel folgen könnten. Der Hauptgrund: Die straffere Regulierung hat die Kosten für den Handel von Festverzinslichen erhöht.

«Das könnte der Anfang eines breiteren Trends sein», sagt Gianluca Minieri, Leiter Handel bei Pioneer in Dublin. «Banken bleiben nur dann in einem Geschäftssegment, wenn es profitabel ist, aber die in den kommenden Jahren zu erwartende Regulierung dürfte die Kapitalanforderungen für Banken nicht lockern, sondern eher im Gegenteil.»

Vorschriften wirken beschränkend

Nachdem viele Banken Rückgänge im Handel mit Festverzinslichen berichten, ist die Fähigkeit, Bonds zu halten und einen Markt zu machen, also Notierungen für Käufer und Verkäufer zu stellen, verkümmert. Rückzüge von Marktmachern oder Primärhändlern könnten die Bondmärkte blockieren, während die geringere Liquidität bereits für Investoren den Handel erschwert.

Die Tage boomender Handelserlöse sind bei den Banken schon lange vorbei. Stattdessen setzen viele Häuser den Rotstift an, da die nach der letzten Finanzkrise eingeführten Vorschriften zu Kapital und Transparenz das Eingehen von Risiken beschränken.

Stagnierendes Geschäft

Das Volumen der Staatsanleihen-Bestände deutscher Banken stagnierte beispielsweise zwischen Ende 2012 bis März dieses Jahres bei etwa 250 Milliarden Euro, zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds. Im gleichen Zeitraum ist der Marktwert von Euroraum-Staatsanleihen um etwa 25 Prozent auf 5,9 Billionen Euro angeschwollen, wie aus dem Bloomberg Eurozone Sovereign Bond Index hervorgeht.

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Das Volumen von offenen Investmentfonds, die in erster Linie in auf Euro lautende Bonds investieren, ist seit Ende 2010 um 17 Prozent auf 655 Milliarden Dollar im vergangenen Monat gestiegen, wie von Morningstar zusammengestellte Daten zeigen.

An kurzfristigen Gewinnen interessiert

Investmentfonds gehen tendenziell kurzfristigere Positionen als Pensionsfonds und Versicherer ein, was bedeutet, dass der Markt sich nach unerwarteten Nachrichten zunehmend stärker bewegen dürfte. Eine sinkende Zahl von Gegenparteien in diesen Phasen würde das Risiko von Marktschwankungen erhöhen.

«Investmentfonds stellen nun einen grösseren Anteil des Marktes als in der Vergangenheit dar, und sie reagieren tendenziell in gleicher Weise auf bedeutende Nachrichten, mit den gleichen Sorgen um die kurzfristige Performance», sagt Mark Nash, Fondsmanager bei Invesco Asset Management in London.

Risiko volatiler Preise steigt

Credit Suisse fungierte in sieben EU-Ländern als Primärhändler. Die Bank wird den Schwerpunkt ihres so genannten Makro-Geschäfts nun auf Fremdwährungen legen und weiterhin als Marktmacher für US-Treasuries fungieren. Barclays, HSBC und Citigroup sind die führenden Primärhändler gemessen an der Zahl der abgedeckten europäischen Märkte, wie aus Daten des Finanzmarktverbands in Europa hervorgeht.

Strengere Kapitalvorschriften für internationale Banken bedeuten, dass diese weniger Kapazität zur Abdeckung ihres Marktmachergeschäfts haben, das teilweise auch ein Lagerungsrisiko beinhaltet. Infolgedessen könnten die Preise für Vermögensverwalter und Privatinvestoren volatiler werden.

Deutsche Bank bleibt den Festverzinslichen treu

Der Vorstandsvorsitzende von Danske Bank, Thomas Borgen, sagte am Donnerstag, dass die grösste dänische Bank ihr Festverzinslichen-, Rohstoff- und Devisenportfolio (FICC) geschrumpft habe, damit dies nicht auf den Finanzzielen laste.

Indes gab die Deutsche Bank am Donnerstag bekannt, dass die Erlöse aus dem Handel von Schuldverschreibungen und Währungen, das grösste Segment der Investmentbank, im dritten Quartal um 20 Prozent gestiegen sind. Die Bank erklärte, dass Festverzinsliche ein Kerngeschäft bleiben werden. Damit bleibt die grösste deutsche Bank ihrem FICC-Bereich treu, während europäische Konkurrenten wie UBS Group, Royal Bank of Scotland und Barclays drastischere Einschnitte vornehmen, sagen die Bloomberg Intelligence-Analysten Alison Williams und Dan Erichson.

Problematische Marktkonzentration

Das bedeutet wohl, dass nur die grössten Banken mit den stärksten Bilanzen und erheblichem Marktanteil in der Lage sein werden, in dem Bereich profitabel zu konkurrieren. Für Minieri von Pioneer ist das nicht unbedingt eine positive Entwicklung. «Das wird die Macht in den Händen einer geringeren Zahl an Investmentbanken konzentrieren», sagt Minieri. «Es wird den Markt sicherlich weniger widerstandsfähig gegenüber externen Schocks und Turbulenzen machen.»

(bloomberg/jfr)