Das «Handelsblatt» hat den Versicherungskonzern Ergo in Bedrängnis gebracht: Laut Recherchen der Wirtschaftszeitung durften die leistungsstärksten freien Vertreter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer nicht nur auf Konzernkosten ins Bordell auf Mallorca - der Versicherer zahlte gemäss Bericht bis vor kurzem auch für tagelange Aufenthalte in einem Swinger-Club auf Jamaika. 

Jetzt wolle der Konzern die öffentliche Aufarbeitung seiner Sex-Affären mit juristischen Mitteln behindern, schreibt das «Handelsblatt» heute. Demnach hätte ein anwaltlicher Vertreter der Versicherung die Zeitung dazu aufgefordert, die Verbreitung der Berichte der Konzernrevision umgehend zu unterlassen. In den Berichten wird die Motivation von freien Handelsvertretern mittels käuflichem Sex beschrieben.

Brisante Revisionsberichte

Dessen ungeachtet veröffentlichte die iPad-App «Handelsblatt Morning Briefing» weitere originalgetreue Revisionsberichte. Komme das Handelsblatt der Forderung nicht nach, drohten juristische Konsequenzen, so Ergo.

«Die Drohung steht im Gegensatz zu der versprochenen Transparenz des Konzerns beim Thema Lustreisen», schreibt das «Handelsblatt» - und zitiert Vorstandschef Torsten Oletzky mit den Worten: «Ergo steht für Transparenz und Offenheit. Und das wollen wir auch zum Thema unternehmerische Verantwortung zeigen.»

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Freiluft-Bordell in Budapest

Nachdem die Berichte der Konzernrevision über die teils bizarren Praktiken zur Motivation von Handelsvertretern ein Jahr lang unter Verschluss blieben, hat sie das «Handelsblatt» öffentlich gemacht. In den brisanten Dokumenten werde aufgeführt, wie Ergo die historische Gellert-Therme 2007 in Budapest in ein Freiluft-Bordell verwandelte, und warum die besten Vertreter 2009, 2010 und 2011 zur Belohnung tagelang in einen Swinger-Club auf Jamaika einquartiert wurden.

Beim «Handelsblatt» gibt man sich gelassen: «Die Rechtsexperten werden freiwillig keine Unterlassungserklärung abgeben, sondern verweisen Ergo auf den Rechtsweg», heisst es.

(vst/aho)