Beim Test- und Zertifizierungskonzern SGS gibt es in Sachen moderne Unternehmensführung offenbar Verbesserungsbedarf. Bei der ordentlichen SGS-Generalversammlung hat BlackRock 56 Prozent aller Traktanden abgelehnt. Fast sämtliche vorgeschlagenen Verwaltungsräte, der Vergütungsbericht, das fixe Managementsalär und der gesamte Vergütungsausschuss fielen bei BlackRock, dem mit einem Anteil von vier Prozent grössten Finanzinvestor von SGS, durch.

Mit einer derart hohen Ablehnungsrate sticht SGS im internationalen Vergleich negativ hervor. In Europa hat sich BlackRock im Schnitt gegen zwölf Prozent aller Traktanden gestellt. Bei 14 SMI-Konzernen hatte der weltgrösste Vermögensverwalter überhaupt keine Einwände.

«Aus Corporate-Governance-Sicht nicht die Benchmark»

BlackRock ist mit zwei Dritteln des Vermögens passiv investiert und so in den Investments mehr oder weniger gefangen. Mit der Corporate Governance nimmt man es daher besonders genau.

Eigene Richtlinien werden verfolgt. Einen hohen Stellenwert haben derzeit Managementvergütung und die Frauenquote.

Dass der Verwaltungsrat mit zwei Ausnahmen durchgefallen ist, verwundert nicht. Frauen sucht man im neunköpfigen Kontrollgremium vergeblich. «Es gibt auch keine Mitglieder, die wirklich unabhängig sind. Bei SGS ist der Verwaltungsrat aus Corporate-Governance-Sicht nicht die Benchmark», sagt Jean-Philippe Bertschy, Analyst bei Vontobel.

Von Finck seit mehr als 20 Jahren im VR

So ist Verwaltungsrat Christopher Kirk etwa ehemaliger SGS-CEO. Mit August von Finck und seinem Sohn August François von Finck haben gleich zwei Mitglieder derselben Eigentümerfamilie im Gremium Einsitz. August von Finck ist 88 Jahre alt. Seit mehr als 20 Jahren sitzt der Financier der deutschen AfD-Partei bereits im SGS-VR. Der Milliardär hält 15,5 Prozent aller Aktien und zieht im Rat die Fäden.

Anzeige
August und Francine von Finck

Im VR zieht der 88-jährige AfD-Financier August von Finck mit seinem Sohn die Fäden.

Quelle: People Picture/Willi Schneider

Peter Kalantzis ist einer von zwei Verwaltungsräten, die von BlackRock gutgeheissen wurden. Er hat das Präsidentenamt von Sergio Marchionne noch vor dessen Tod übernommen. Kalantzis sieht sich als Übergangslösung. Im Auftrag des Verwaltungsrates ist er nun dabei, einen neuen Präsidenten zu finden.

Die Suche ist in vollem Gang, die Zeit drängt. Mitte Februar werden die Einladungen für die nächste Generalversammlung verschickt. Läuft es wie geplant, wird sich unter den Traktanden ein Vorschlag für einen neuen Präsidenten befinden – idealerweise wird der dann auch auf Zustimmung von Black-Rock stossen.

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen BILANZ, erhältlich am Kiosk oder mit Abo bequem im Briefkasten.

Jetzt abonnieren
Anzeige