Der britische Ölmulti Royal Dutch Shell kauft den heimischen Gaskonzern BG für 47 Milliarden Pfund. Beide Seiten hätten sich auf die Transaktion im Wert von umgerechnet rund 64 Milliarden Euro (67,2 Milliarden Franken) geeinigt, teilten die Unternehmen gemeinsam mit.

Es ist die erste Grossfusion dieser Art in der Branche seit mehr als zehn Jahren. Shell zahlt demnach 383 Pence je BG-Aktie in bar und 0,4454 eigene Aktien je BG-Anteilsschein. Dies sei ein Aufschlag von rund 52 Prozent auf den durchschnittlichen BG-Kurs der vergangenen 90 Handelstage.

Konzerne unter Zugzwang

In der Branche hatte es wegen des Ölpreisverfalls der vergangenen Monate schon länger Spekulationen über grössere Übernahmen gegeben. Viele Konzerne stehen unter Zugzwang, ihre Kosten zu senken und wieder mehr Gewinn zu erzielen. Die geplante Fusion soll vor Steuern jährlich mindestens rund 2,5 Milliarden Dollar einsparen. Shell ist zuversichtlich, dass die Wettbewerbsbehörden die Fusion abnicken: Man erwarte keine grossen Probleme, hiess es.

Stärkere Konzentration auf weniger

Shell wolle sich künftig auf weniger Bereiche konzentrieren, sagte Shell-Chef Ben van Beurden in der Mitteilung. Zwischen 2016 und 2018 will der Konzern Unternehmensteile im Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar (27,5 Milliarden Euro) verkaufen. Nach dem BG-Kauf wäre Shell unter den internationalen Ölfirmen der grösste Hersteller von Flüssiggas.

Aktionäre der Briten sollen pro Aktie 3,83 Pfund und rund 0,45 Shell-Aktien vom Typ B erhalten. BG empfiehlt seinen Anlegern, das Angebot des britisch-niederländischen Konzerns anzunehmen. BG hatte zuletzt einen Marktwert von 31 Milliarden Pfund, damit wäre die Übernahme auch branchenübergreifend eine der grössten in diesem Jahr. BG-Aktien schossen nach Handelseröffnung um mehr als 40 Prozent nach oben. Shell-Aktien fielen am Mittwochvormittag dagegen um mehr als zwei Prozent. Papiere von Konkurrenten wie BP und Tullow Oil legten dagegen kräftig zu.

Grösster Deal seit Fusion der Länderzweige

Für Shell wäre es es der grösste Zukauf seit der 41,7-Milliarden-Pfund schweren Fusion des niederländischen und des britischen Zweiges. Mit der Übernahme würden der grösste und der drittgrösste Gasproduzent Grossbritanniens zusammengehen. Nach den Worten des Shell-Chefs könnte der Deal Anfang 2016 abgeschlossen werden.

BG hatte im vierten Quartal fünf Milliarden US-Dollar abschreiben müssen, soviel wie noch nie. Der Grund lag vor allem in Australien, wo Konzernteile wegen des Verfalls der Rohstoffpreise deutlich an Wert verloren hatten. Vor zwei Monaten hatte bei BG Helge Lund den Chefsessel erklommen, zuvor war der Manager in gleicher Position beim norwegischen Ölkonzern Statoil tätig.

Neben dem Mega-Deal kündigte Shell ausserdem ein Aktienrückkaufprogramm über mindestens 25 Milliarden US-Dollar (23 Milliarden Euro) ab 2017 an.

(reuters/awp/chb)

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