Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell will in diesem Jahr mit dem Aufbau von Ladestationen für Elektroautos an Tankstellen starten. Zunächst will das Unternehmen an Stationen in Grossbritannien und den Niederlanden Stromzapfsäulen installieren, wie der Manager John Abbott der «Financial Times» (Montag) sagte.

Es könnten weitere Länder folgen. Er rechne mit der grössten Nachfrage nach E-Ladestationen in städtischen Gegenden. Die Ausstattung von Tankstellen in Grossbritannien werde «ziemlich bald» beginnen. Wie viele Stationen Shell aufrüsten will, wollte Abbott nicht sagen.

Auch in der Schweiz sind Anlagen geplant

Auch in der Schweiz wird Shell aktiv: Im Zuge des Umbaus der beiden Raststätten Bellinzona Süd und Nord an der A2 seien auch Erdgaszapfanlagen und Aufladestationen für Elektrofahrzeuge geplant, erklärte Shell Schweiz auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die Elektromobilität gilt als grosse Gefahr für die Ölkonzerne, weil der Autoverkehr einer der grössten Verbraucher fossiler Brennstoffe ist. Abbott geht jedoch davon aus, dass der Übergang von Verbrennungsmotoren zu Elektroantrieben Jahrzehnte dauern wird.

Mehr Konsum wegen längeren Ladezeiten

Er wittert ohnehin zusätzliches Geschäft: Wenn die Kunden beim Laden ihrer Autos warteten, würden sie auch einen Kaffee oder etwas zu Essen wollen. Bisher dauern Ladevorgänge bei entsprechender Reichweite der Autos noch deutlich länger als das herkömmliche Tanken.

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Das Fehlen von Ladestationen gilt neben geringer Reichweite und hohen Preisen als Hemmschuh für den Durchbruch von E-Autos. In Deutschland ist das Interesse noch verhalten. Die Kaufprämie für Fahrzeuge mit Elektroantrieb beantragten im vergangenen Jahr nur wenige Autokäufer.

Auch die Konkurrenz mischt mit

Auch Shell-Konkurrenten wollen demnächst mehr Ladestationen anbieten, unter anderem der französische Ölkonzern Total. In Deutschland planen die Autobauer Daimler, VW, BMW und Ford gemeinsam den Aufbau von Tausenden Ladesäulen entlang der Autobahnen in den kommenden Jahren.

(sda/mbü)