Unfälle von Nutzfahrzeugen und Bussen erregen in der Öffentlichkeit meist ein grösseres Aufsehen als solche mit Personenwagen. Oft auch deshalb, weil die Folgen eines Unfalls gravierender sein können. Man denke etwa an Nutzfahrzeuge, die mit Gefahrengütern unterwegs sind, oder an Auffahrunfälle im Rahmen schwieriger Verkehrssituationen, wie sie leider immer wieder vorkommen. Solche Unfälle generell zu vermeiden, ist das oberste Ziel der Nutzfahrzeughersteller. Dank den Möglichkeiten der modernen Elektronik wurde in der Vergangenheit eine grosse Zahl an Sicherheitseinrichtungen für Nutzfahrzeuge entwickelt und zur Serienreife gebracht. Dank diesen lässt sich das Unfallrisiko mit Lastwagen und mit Bussen um bis zu 50 Prozent reduzieren.

Zu den wichtigsten Meilensteinen in diesen Bemühungen zählen das Antiblockiersystem (ABS) und das Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP). In jüngster Zeit lancierten die Nutzfahrzeughersteller eine ganz Reihe neuer Systeme, welche die Sicherheit in Lastwagen und in Bussen massiv verbessern helfen. Dazu zählen das Spurverlassungs-System (Lane Guard System), die automatische Abstandsregelung, der Notbrems-Assistent, Rückfahrkameras sowie moderne Spiegelsysteme. Einige dieser Features sind teilweise serienmässig, oft aber können sie bei neuen Fahrzeugen als Option geordert werden. Hier allerdings liegt ein Problem: Obwohl die Ausrüstungsrate neuer Nutzfahrzeuge mit diesen Systemen bei den einzelnen Marken schon recht hoch ist, verzichten etliche Fahrzeugbetreiber aus Kostengründen auf diese wichtigen Sicherheitseinrichtungen. Mit fatalen Folgen: Nur ein einziger Unfall, der mit höherem Sicherheitsstandard vermieden werden kann, kompensiert den Aufpreis bereits deutlich.Angesichts des harten Wettbewerbes auf dem Nutzfahrzeugmarkt kann ein Sicherheitsaufpreis von 8000 bis 15 000 Franken eine Rolle spielen. Um den Sicherheitsstandard von Nutzfahrzeugen und Bussen weiter zu erhöhen, wäre es aber auch sinnvoll, wenn beispielsweise der Gesetzgeber oder etwa die EU-Behörde mit einer entsprechenden Übergangsfrist den Einbau solcher Sicherheitssysteme bei Neufahrzeugen vorschreiben würde. Denn optionale Sicherheit ist nie so wirksam wie definitiv eingebaute. Allerdings spielen zwei weitere wichtige Faktoren im Strassenverkehr eine Rolle. Zum einen die Verkehrsinfrastuktur, welche entscheidend dazu beiträgt, die Sicherheit auf den Strassen zu verbessern. Hier ist die öffentliche Hand in die Pflicht zu nehmen. Zum anderen ist auch der Chauffeur ein wichtiger Faktor. Von seinem Können am Volant hängt die Sicherheit auf unseren Strassen in hohem Masse ab.