Bei uns läuft das Geschäft weiterhin gut», sagt Thomas Meier, CEO der InfoGuard in Zug. Das ist umso bemerkenswerter, als der Spezialist für Verschlüsselungslösungen auf seiner Kundenliste Finanzdienstleister von A wie ABN Amro bis Z wie Zuger Kantonalbank hat. Auch die Credit Suisse, die UBS, die Bank Vontobel, Julius Bär und weitere Kantonal- und Privatbanken kaufen neben Industriefirmen die Sicherheitslösungen und Beratungsleistungen des Unternehmens, das Teil der Crypto-Gruppe ist.

«Nur bei den ganz grossen schweizerischen Banken spüren wir etwas Zurückhaltung», sagt Meier weiter, «aber die Privat- und Kantonalbanken kaufen weiter. Das Geld, das bei den Grossen abfliesst, wandert oft zu kleineren Banken», beobachtet Meier.

«Swissness» hilft

Verschlüsselungslösungen profitieren gleich von mehreren Entwicklungen. Mit der zunehmenden globalen digitalen Vernetzung von Firmen, Netzwerken, Kunden und Lieferantenketten steigt auch die Verletzlichkeit der Netze an. Anwender, die ihre Geschäftsgeheimnisse und sensiblen Informationen über solche Netze geschützt transportieren möchten, kommen um moderne Verschlüsselungstechnologien nicht herum.

Der globale Wettbewerb widerspiegelt sich auch im Rennen um Patente, Schlüsseltechnologien und intellektuelles Wissen. Verschlüsselung ist auch hier der einzige Weg, solche Informationen zu schützen. Schliesslich steigt der Druck von Regulierungsbehörden, nicht nur im Finanzumfeld. Alleine die E-Gouvernment- und E-Health-Vorhaben, bei denen sensible Daten zentral gespeichert und bei Bedarf – im Falle einer medizinischen Konsultation – weltweit dezentral abgerufen werden müssen basieren ganz zentral auf Technologien, die einen geschützten Datenzugriff ermöglichen.

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«Als schweizerische Firma spüren wir, dass Faktoren wie Sicherheit, Neutralität und Zuverlässigkeit weltweit hoch geschätzt werden», sagt Meier weiter. Vom ramponierten Image der Grossbanken im Ausland spüren er und seine Firma nichts. Über die europäischen Vertretungen in Frankfurt und London wird der europäische Markt mit Partnerfirmen wie etwa IBM bearbeitet. In der Schweiz zählt die Swisscom zu den Partnern, welche die InfoGuard-Technologien im Rahmen ihrer Services anbieten. Im November wurde in Dubai ein Büro eröffnet. «Wir hatten bereits seit Frühjahr einen Mann für diese Region eingestellt», sagt Meier, «aber jetzt haben wir auch offiziell unsere Präsenz vor Ort.» Viele Firmen würden sich auf eine Person aus der Region abstützen. «Wir haben aber gezielt einen Schweizer gewählt, um unsere «Swissness» auszuspielen», sagt Meier weiter.

Für das kommende Jahr ist Meier optimistisch. «Wir sehen zwar bei einigen Kunden keine steigenden Budgets, aber wir rechnen mit einer Fortsetzung des Wachstumskurses, wenn auch etwas verlangsamt.» In diesem Jahr lag das Wachstum bei 25%. InfoGuard gibt keine Umsatzzahlen heraus, die 35 Mitarbeiter dürften aber 2008 einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag umgesetzt haben.

Abhängigkeit von Banken sinkt

Und nicht nur geografisch, auch technologisch expandiert das Unternehmen. Künftig lassen sich auch Netzwerk- und Datenspeicherprotokolle verschlüsseln. Im Januar stellt InfoGuard sein neustes Produkt vor, mit dem komplette Netzwerke verschlüsselt werden können. Damit wiederum erweitert sich der potenzielle Kundenkreis, und weil in der Industrie und im Gesundheits- und Pharmabereich die Datenverschlüsselung immer wichtiger wird, reduziert sich auch die Abhängigkeit von den Grossbanken. Das widerspiegelt sich auch in der Planung. Meier: «Etwa ab Sommer 2009 planen wir den nächsten Schritt – dann haben wir auch wieder eine Reihe von Stellen budgetiert.»