LEBENSZYKLUSFONDS. Eigentlich ist die Vorsorge einfach: In jungen Jahren sollte der Aktienanteil am Vermögen hoch sein und mit zunehmendem Alter immer niedriger. Vielen Schweizern fällt es jedoch schwer, ihre Vermögensaufteilung zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Umfang anzupassen. Ihnen fehlen hierfür die Zeit, der Einblick in die Märkte – und oft auch die Lust. Deshalb hat die Fondsbranche Lebenszyklusfonds entwickelt. Ihren Namen trägt diese spezielle Art von Investmentfonds, weil sich der Anlageschwerpunkt während ihres Lebenszyklus von Aktien hin zu schwankungsärmeren Papieren wie etwa Anleihen verschiebt.

Renditechancen

Mittlerweile ist in der Schweiz eine breite Palette an Lebenszyklusfonds von mehreren Anbietern erhältlich. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Finanzprodukten sind jedoch gross. Deshalb sollten Anleger genau darauf achten, wie die jeweiligen Angebote ausgestaltet sind.Entscheidenden Einfluss auf die Renditechancen hat die Zusammensetzung der Fonds. Manche Produkte bestehen bereits bei der Auflegung überwiegend aus Anleihen. Dies schützt zwar vor grösseren Kursschwankungen, senkt aber auch die Gewinnchancen. Gerade für ertragsorientierte Anleger ist anfangs ein hoher Anteil an Aktien wichtig, denn diese brachten im historischen Vergleich die besten Wertentwicklungen. Aktien machen die Lebenszyklusfonds zwar anfällig für Börsenschwankungen, doch über lange Zeiträume, um die es bei der Vorsorge immer geht, werden zwischenzeitliche Kurskorrekturen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeglichen.Als weiteres Kriterium sollten Anleger prüfen, wie viel Flexibilität ihnen ein Lebenszyklusfonds lässt. In der Regel sind diese Fonds mit einem Zieljahr versehen, bis zu dem eine möglichst hohe Rendite erzielt werden soll. Die meisten Produkte erlauben es den Anlegern, selbst lange nach der Auflegung noch einzusteigen und jederzeit ihre Anteile aufzustocken oder umzuschichten.

In den USA etabliert

Auch ein Verkauf ist möglich, wenn ein Kunde bereits vor dem Ziel auf sein Geld zugreifen möchte. Damit unterscheiden sich Lebenszyklusfonds deutlich von Lebensversicherungen, bei denen ein Ausstieg vor dem vereinbarten Laufzeitende häufig mit schmerzlichen Verlusten verbunden ist.Ein besonders wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen verschiedenen Lebenszyklusfonds sind Garantien. Bei einigen Produkten verpflichten sich die Anbieter dazu, zu einem bestimmten Zeitpunkt eine vorher versprochene Summe auszuschütten. Wer sich für eine solche Absicherung seiner Ersparnisse entscheidet, muss aufgrund der hierfür nötigen sicherheitsorientierten Anlagepolitik allerdings mit einer etwas langsameren Wertentwicklung rechnen. Im Gegensatz dazu können Anleger insbesondere bei langen Laufzeiten durch einen Verzicht auf Garantien uneingeschränkt von den Chancen der Börsen profitieren.In den USA, wo Lebenszyklusfonds bereits seit langem ein gängiges Vorsorgeinstrument sind, haben wertgesicherte Produkte kaum eine Chance. Amerikanische Sparer sind bekannt dafür, dass sie langfristig guten Renditeaussichten den Vorzug geben und dafür auf die vergleichsweise teuren Garantien verzichten. Führender Anbieter in den USA ist die Fondsgesellschaft Fidelity, die Lebenszyklusfonds als Pionier einführte. Mittlerweile verwaltet das Unternehmen rund 82 Mrd Dollar in seinen sogenannten Freedom Funds, das sind 24% des Marktes für Lebenszyklusfonds.

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Minimes Verlustrisiko

In der Schweiz sind sieben Lebenszyklusfonds mit Zieljahren zwischen 2010 und 2040 unter der Bezeichnung Fidelity Target Funds erhältlich. Zu Anfang setzen sie auf kräftiges Kapitalwachstum durch einen hohen Anteil an Aktien, die ein Fondsmanager gezielt auswählt. Der Schwerpunkt liegt dabei im europäischen Raum – es sind aber auch zukunftsträchtige internationale Aktien in den Portfolios. Mit der Zeit sinkt das Risiko, da das Fondsmanagement das Vermögen abhängig vom Zieldatum und der Börsenentwicklung in risikoärmere Anlageformen umschichtet. Dann enthalten die Target Funds zunehmend Anleihen, auch Geldmarkttitel sowie Barbestände kommen nach und nach hinzu.

Zielzeitraum

Das aktive Fondsmanagement unterscheidet die Target Funds von vielen anderen Lebenszyklusprodukten. Man wählt sie von vornherein nach einem Zielzeitraum aus, der den eigenen Wünschen am nächsten kommt. Die Zusammensetzung der Geldanlage entspricht dann jederzeit genau der Risikostruktur, die zu einem optimalen Ergebnis führt. Da die erwirtschafteten Zuwächse zum Laufzeitende hin aktiv abgesichert werden, ist ein plötzlicher Einbruch kurz vor dem Zieldatum so gut wie ausgeschlossen. Berechnungen von 10000 Kapitalmarktszenarien der Vergangenheit nach dem wissenschaftlich anerkann-ten Monte-Carlo-Prinzip ergaben, dass Anleger mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit keine Verluste machen.Ein Patentrezept für die Vorsorge sind Lebenszyklusfonds zwar nicht, doch finden Anleger nahezu jeden Alters geeignete Produkte, wenn sie bei der Produktauswahl genau hinschauen.