Kaum ein anderes Land kennt ein derart dicht geflochtenes Vorsorgenetz wie die Schweiz. Das Dreisäulen-Prinzip, mit staatlicher Altersvorsorge, beruflicher Vorsorge und individuellem Sparen, wird im Ausland immer wieder zum Vorbild genommen. Bei einem derart perfekten System besteht aber auch die Gefahr, dass sich jeder Einzelne zu sehr in Sicherheit fühlt.

Turbulenzen an den Finanzmärkten und ein eingetrübtes wirtschaftliches Umfeld können vermeintlich sicher geglaubte Einnahmen für den Ruhestand in Frage stellen. Wer vor gut zehn Jahren noch der Überzeugung war, er könne mit einer Einmaleinlage in eine fondsgebundene Police das Altersgeld dank einem Boom an den Aktienmärkten massiv aufbessern, der steht heute ernüchtert da. Zwei Kursstürze an der Börse haben dem Anleger jegliche Illusionen genommen.

Trotzdem wäre es falsch, wenn sich die persönliche Vorsorge nur noch auf praktisch mündelsichere Wertpapiere konzentrieren würde. Die Renditeerwartungen sind bei den derzeit rekordtiefen Zinsen einfach zu niedrig. Untersuchungen über einen längeren Zeitraum zeigen, dass Portfolios mit einem angemessenen Aktienanteil von wenigstens 20 bis 30% deutlich besser abschneiden als Engagements einzig in festverzinsliche Werte.

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Als ideales Zusatzelement erweisen sich für die Vorsorge auch Einkäufe in die Pensionskasse. Mit einem zeitlichen Horizont von zehn Jahren fällt die Rendite markant höher aus als bei einem Investment in Obligationen. Die Pensionskassen sind im Zuge der Finanzmarktkrise generell in ein schiefes Licht geraten. Finanzielle Unterdeckungen, die allerdings nur einen Bruchteil der Kassen betrafen, haben einen Reputationsschaden angerichtet. Allerdings: Bereits die erste markante Kurserholung an den Aktienmärkten hat das Performance-Bild bei den Vorsorgeeinrichtungen seit dem vergangenen März deutlich aufgehellt. Pensionskassen mit einer hohen Aktienquote, die auch in Krisenzeiten durchgehalten wurde, verspüren jetzt eine starke Hebelwirkung nach oben. Ein gleichartiger Effekt ist selbst mit ausgeklügelten Sanierungsmassnahmen nicht annähernd zu erreichen.

Die Anbieter von individuellen Vorsorgeprodukten müssen heute mit flexiblen Lösungen am Markt auftreten, die einerseits einen Kapitalschutz liefern und andererseits mit abgestuften Aktienanteilen auch Renditechancen bieten. Mit einfachen Leibrenten begnügen sich die Leute heute kaum mehr. Innovative Versicherungen und Banken haben bereits darauf reagiert.