Mit dem Kauf der Karl Steiner AG peilt die indische Bau- und Infrastruktur-Gruppe HCC nicht nur die Heimmärkte Schweiz und Indien an, sondern will darüber hinaus auch in Europa als Totalunternehmen expandieren. «Wir sehen in Europa noch viel Potenzial, genauso wie im Nahen Osten», erklärt Ajit Gulabchand, Verwaltungsratspräsident und Direktor von HCC.

In einem ersten Schritt liegt der Fokus allerdings auf Indien. Das vornehmlich im Infrastrukturbau tätige Unternehmen will dabei mit dem Know-how der Karl-Steiner-Gruppe von der stark steigenden Nachfrage nach Wohnbauten in Indien profitieren. «Wir wollen die Synergien aus den beiden Firmen nutzen und ein Unternehmen aufbauen, welches überall in der Welt erfolgreich arbeiten kann», so Gulabchand. Dabei wird es zu einer Vermischung der beiden Firmenkulturen kommen. «Die Marke Karl Steiner wird aber erhalten bleiben und soll auch in Indien eingeführt werden», sagt der neue Mehrheitsaktionär.

Keine Sorge wegen Lex Koller

Bis die Zusammenarbeit am Markt ersichtlich sein wird, werden noch einige Monate verstreichen. Zumal die Genehmigung durch die Behörden ausstehend ist. Dass der Deal an der Lex Koller scheitern könnte, die den Erwerb von Grundstücken durch Ausländer beschränkt, wird nicht befürchtet. «Das Beispiel von Marazzi und Losinger/Bouygues hat gezeigt, dass dies kein Problem sein sollte. Zudem haben wir im Vorfeld entsprechende Abklärungen getroffen», sagt Karl-Steiner-VR-Präsident Peter Steiner.

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Nach dem Zusammenschluss ist mit Ausnahme der Veränderungen im Verwaltungsrat keine Reorganisation bei Karl Steiner vorgesehen. Der neue Eigentümer setzt auf die bestehenden Arbeitskräfte, die sich deshalb nicht um ihre Arbeitsplätze sorgen müssen. Dennoch sagt Gulabchand: «Wir müssen sicherstellen, dass die Steiner-Gruppe profitabel ist.»

Dies ist ganz im Sinne von Peter Steiner, der nach dem Zusammenschluss mit HCC bis 2014 Minderheitsaktionär und Vizepräsident bleibt. Gelingt es bis dahin, den Wert des Unternehmens zu steigern, wird Steiner für seine Restbeteiligung einen besseren Preis erzielen. «Bei der jetzigen Lösung hat das Geld allerdings nur eine untergeordnete Rolle gespielt», erklärt er. Viel wichtiger sei, dass im Rahmen seiner Nachfolgeregelung das Überleben der Marke Karl Steiner gesichert sei. «Bei einem Zusammenschluss mit Implenia wäre dies kaum möglich gewesen», so Steiner.