Ab dem 7. Juni 2008 wird sich weisen, ob Martin Kallen als Cheforganisator der Euro 08 in der Schweiz und Österreich in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet hat. Es ist für den Berner Betriebsökonomen HWV nach Portugal 2004 bereits die zweite Fussball-Europameisterschaft als oberster Verantwortlicher. Seit 1994 arbeitet der 45-Jährige für den europäischen Fussballverband Uefa. Sich selbst bezeichnete Kallen gegenüber der «Handelszeitung» einst als detailverliebt und eigentlich «zu nett als Chef». Gar nicht nett waren er und seine Brötchengeberin Uefa in jüngster Zeit mit den sogenannten Trittbrettfahrern, die das Fussballturnier zu Werbezwecken verwenden, ohne offiziell Sponsoren zu sein. Unermüdlich betont Kallen, dass es darum gehe, die Rechte der offiziellen Partner zu schützen. Schliesslich zahlten diese hohe Summen, um dabei zu sein.

Nicht weniger als 250 Mio Euro beschert das Sponsoring und Merchandising der Uefa an Einnahmen und ist damit nach den Medienrechten (800 Mio Euro) die zweitwichtigste Einnahmequelle für die Euro 08 S.A.

Kallen steht einer Geldmaschine erster Güte vor. Umgerechnet 2,2 Mrd Fr. spült das Turnier in die Kassen der Uefa. Nach Abzug aller Kosten und Prämien dürften dem europäischen Fussballverband satte 1,1 Mrd Fr. als Ertrag bleiben.

Vom Erfolgsmann zum Buhmann?

Prämien winken auch dem Schweizer Nationalteam. Dabei steht Nati-Coach Köbi Kuhn unter besonderem Erfolgsdruck: Vom Abschneiden von Alex Frei und Co. hängt es ab, ob Kuhn nach seinem letzten Auftritt als einer der erfolgreichsten Schweizer Nati-Trainer in die Geschichte eingeht oder aber als Buhmann, weil er den Heimvorteil nicht nutzte. Kallen und seine rund 400 Festangestellten tun jedenfalls alles, um hierzulande endlich jene Fussballbegeisterung zu entfachen, die den Sommer 2006 in Deutschland prägte. Begeisterung ist zwar Anfang Dezember aufgeflammt, anlässlich der Gruppenauslosung in Luzern. Seither dominieren die Diskussion über zu hohe Sicherheitskosten der öffentlichen Hand und Zweifel, ob der Grossanlass dem Land etwas bringe. «Typisch schweizerisch», findet Kallen und versucht – gelassener Berner – damit zu leben.

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Wie es nach der Euro 08 bei ihm weitergehen soll, verriet er unlängst in einem Interview. «Mein Ziel wäre es, CEO einer grossen internationalen Firma zu sein oder eine eigene aufzubauen.» Zunächst muss Kallen aber das Turnier im eigenen Land so erfolgreich durchführen wie 2004 die Europameisterschaft in Portugal.