Die Schweizer Small und Mid Caps haben harte Börsenmonate hinter sich. Kaum ein Titel überstand die Finanzkrise unbeschadet, die Mehrheit musste Federn lassen – obwohl sie gute Geschäftsresultate vermelden konnte. Die Kombination «gutes Geschäft, tiefe Bewertung» lockt Übernahmeinteressenten an. Um sich vor Angreifern zu schützen, halten Small- und Mid-Cap-Firmen intensiver als auch schon Ausschau nach einem schützenden Minderheitsaktionär. Sprich: Einem Investor, der mindestens 20% der Anteile übernimmt und damit eine hohe Hürde für feindlich interessierte Käufer bildet.

Eine Firmenumfrage der «Handelszeitung» bei den kotierten Small- und Mid-Cap-Firmen mit einem Umsatz unter 10 Mrd Fr. und ohne dominierenden Minderheitsaktionär zeigt: Von den gut 40 Unternehmen steht rund ein Drittel einem Grossaktionär offen bis sehr positiv gegenüber. Er biete Schutz vor einer feindlichen Übernahme und könne wichtige Inputs liefern, falls ein industrieller Hintergrund bestehe.

«Ein grosser Investor kann zudem stabilisierend auf das Aktionariat wirken», sagt Hans Hess, VR-Mitglied bei Geberit und Präsident von Comet und Burckhardt Compression. Er würde es begrüssen, wenn sich unternehmerisch orientierte Anleger verstärkt bei Firmen engagieren, die sich in einer exponierten Phase befinden. «Das gibt dem Management die Möglichkeit, sich auf das operative Geschäft konzentrieren zu können.»

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Ins selbe Horn stösst Profisanierer Hans Ziegler, VR-Präsident von Elma, Swisslog, Schlatter und designierter Vögele-VR. «Bei einer Restrukturierung wie bei Elma, als wir für die Börse kurzfristig nicht sehr interessant waren, waren Ankeraktionäre, die die Restrukturierung mittrugen, von grossem Vorteil», sagt er. Ziegler steht auch Finanzinvestoren positiv gegenüber. «Beteiligungsfirmen wie Zurmont Madison wirken nicht abschreckend. Auch nicht, wenn von Anfang an klar ist, dass sie mittelfristig wieder aussteigen wollen.» Solche Investoren könnten kurzfristig Geld beschaffen und auch gegenüber Banken Druck machen.

Bedenken wirft Ascom-Präsident Juhani Anttila ein: «Wird ein Unternehmen zum Spielfeld destruktiven Aktivismus, wird viel Managementkapazität am falschen Ort gebunden.» Ascom wünsche sich daher Investoren, die «zumindest mittelfristig die Unternehmensentwicklung unterstützen».

Nachteil: Illiquide Aktie

Unternehmen, die sich bewusst gegen einen Grossaktionär stellen, argumentieren, dass ihre Aktie liquider sei, für Anleger einen höheren Reiz habe und nicht unter Kursverzerrungen leide – steigt ein Grossaktionär auf einen Schlag ein oder aus, kann dies zu massiven Kursschwankungen führen. Zudem bestehe bei einem breit gestreuten Aktionariat nicht die Gefahr, dass ein einzelner Investor die Firma nach seinen Interessen ausrichte.

Beim Komponentenhersteller Schaffner ist mit Alpine Select ein Grossaktionär an Bord: Die Beteiligungsfirma hält 20%. «Wir haben keinerlei Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit», erklärt CEO Alexander Hagemann. Die Investoren würden, wie die übrigen grösseren Aktionäre auch, die Strategie unterstützen. Es gebe keinerlei Anzeichen für Veränderungen.

Kritiker des Modells bezweifeln, dass ein Grossaktionär Schutz vor feindlichen Übernahmen bietet. Im Gegenteil, warnen sie: Er könne Angreifern gar sein Paket anbieten.

Diesen Einwand sehen Unternehmen wie Winterthur Technology gelassen. «Natürlich besteht dieses Risiko, vor allem, wenn der Grossaktionär nicht eng mit dem Unternehmen verbunden ist», sagt CFO Markus Brütsch. «Aber wenn der Grossaktionär gleichzeitig CEO ist – wie bei uns –, ist die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios gering.» Vielmehr sei das Management bereit, seine Beteiligung im Zweifelsfall auszubauen und damit sein eigener Grossaktionär zu werden.