Enterprise Content Management (ECM) und Business Intelligence (BI) weisen zahlreiche Parallelen auf: In beiden Softwarebereichen konsolidieren Kunden die Anzahl der Lieferanten, in beiden Bereichen dreht es sich bei etlichen grossen Abschlüssen um Standardisierung und beide haben ähnliche Versprechen. ECM-Firmen versprechen eine bessere Zusammenarbeit der Mitarbeiter ihrer Kunden, weil jeder unstrukturiert Zugriff auf die von ihm benötigten Daten hat. Und BI-Firmen versprechen einen besseren Zugang ihrer Kunden auf die strukturierten Daten, weil sich damit bessere Einblicke in die echte Performance des Unternehmens gewinnen lassen.

Traditionell haben die ECM- und BI-Firmen ihre Märkte getrennt bearbeitet. Mit BI analysieren Firmen Daten, die in einer Datenbank stecken, ECM hilft Unternehmen dabei, mit unstrukturierten Daten fertig zu werden. Immer mehr Kunden möchten jedoch einen Überblick über die strukturierten und unstrukturierten Informationen gleichzeitig, um auch qualitative Informationen in ihren Modellen und Analysen berücksichtigen zu können.

Microsoft mischt mit

Es ist deshalb zu erwarten, dass die Grenze zwischen beiden Bereichen zunehmend löchrig und möglicherweise verschwinden wird und dass man in der Branche dann von Information Management (IM) als Kombination von ECM und BI sprechen wird.

Das liegt nicht nur daran, dass die Kunden zunehmend nach integrierten Lösungen fragen. Auch die grossen Softwarefirmen haben bemerkt, dass im IM-Bereich das Wachstum mit von Gartner geschätzten 10 bis 12% für die kommenden Jahre grösser ist als bei den Unternehmenssoftwaresuiten der grossen ERP-Hersteller SAP und Oracle, bei Desktop-Software, Middleware oder Datenbanken. Deshalb erfolgte im IM-Bereich die Konsolidierung in den letzten 18 Monaten besonders rasch. Übrig geblieben sind mit SAS und Microstrategy zwei BI-Anbieter, mit OpenText ein grosser ECM-Spezialist.

Anzeige

Was könnten die nächsten Schritte sein? Analysten bescheinigten SAP einen Rückstand im IM-Bereich, bis die BI-Lücke durch den Kauf von Business Objects geschlossen werden konnte. Weil traditionell Ixos ein enger SAP-Partner war und Ixos jetzt zu OpenText gehört, wäre das eine «logische» Konsolidierungsvariante. EMC fehlt dagegen noch ein BI-Hersteller. Und Microsoft drängt, wie meistens, eine via Start-up-Aufkauf serienreif gemachte Lösung in den Markt und bündelt sie mit den Serverangeboten.