Die Schweizer Pharmaanalysten sind ratlos, wenn es um die Zukunft der Zofinger Siegfried-Gruppe geht. Martin Flückiger (Helvea), Damien Weyermann (Bank Vontobel) und Fabian Wenner (UBS) stufen den Titel allesamt mit «Halten» ein. Die drei Firmenbeobachter vermissen insbesondere klare Impulsgeber für die Aktie. Im wichtigen Segment der Exklusivsynthese (Produktion von Wirkstoffen für Medikamente auf Auftrag) herrscht weltweit grosse Konkurrenz. Und der Wandel des Unternehmens im Generika-Geschäft hin zu komplexen Technologien wie inhalierbare Nachahmerprodukte werde sich erst in einigen Jahren auszahlen.

Doch CEO Douglas Günthardt bleibt geduldig: «Gerade im Synthesegeschäft dauert es Jahre, bis das Vertrauen der Kunden gewonnen werden kann.» Er ist überzeugt, dass Siegfried mit weltweit 900 Mitarbeitern und einem Umsatz von 372,4 Mio Fr. (2006) auch weiter wachsen werde.
Besonderes Augenmerk legt er dabei auf die Entwicklung inhalierbarer Generika. In München wurde im März 2007 dafür ein spezielles Labor in Betrieb genommen. Erste solche Sprays sollen 2011 lanciert werden. Im Synthese-Bereich wiederum wird «in Kürze» die Produktion von Wirksubstanzen gegen Schmerzen (Analgetika) für den US-Markt gestartet. Das Produkteportfolio mit diesen Opiaten soll noch weiter ausgebaut werden.

Ziele für 2007 bestätigt

Bis Ende Jahr will Günthardt die Fokussierung von Siegfried abschliessen. Deshalb hat das Unternehmen im 1. Halbjahr den Bereich Sidroga (Gesundheitstee) abgestossen; bis Ende Jahr sollen auch die Biotechnologie-Aktivitäten verkauft werden. «Es haben bereits Due-Diligence-Prüfungen stattgefunden», sagt er.
Wegen dieser Verkäufe wird der Reingewinn 2007 ausserordentlich hoch ausfallen. «Wir werden diese Mittel für Investitionen im Synthese-Bereich und die Entwicklung neuer Technologien im Generika-Geschäft einsetzen», sagt Günthardt (siehe «Nachgefragt»). Indirekt gibt er damit zu, dass die Aktionäre nicht mit Sonderdividenden rechnen können.
Für 2007 rechnet der Siegfried-Chef weiterhin mit einem Umsatzwachstum im einstelligen Bereich und einer Betriebsmarge von leicht über 10%. Neuigkeiten zum Umsatz des 3. Quartals gibt es am 26. Oktober. Das allein wird aber kaum reichen, um die Analysten grundlegend umzustimmen.
Der CEO der Zofinger Pharmaholding Siegfried setzt zunehmend auf komplexe Generika.

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NACHGEFRAGT: «Markteinführung könnte 2011 erfolgen»

Douglas Günthardt, Chef der Pharmagruppe Siegfried, sieht das Unternehmen weiter auf Wachstumskurs.

Nach dem Sidroga-Tee verkauft Siegfried auch ihr Biotechgeschäft. Weshalb?

Douglas Günthardt: Dieser Bereich Biologics war eine interessante Option, die wir aber nicht ausübten. Denn wir hätten sehr viel investieren müssen, um dieses Geschäft zu entwickeln. Darunter hätten die nun verbleibenden Bereiche leiden können.

Bis Ende Jahr soll der Verkauf abgeschlossen sein. Gehört auch Lonza zu den Kaufwilligen?

Günthardt: Es gibt mehrere Interessenten, Lonza ist aber nicht darunter.


Nach diesen Verkäufen ist Siegfried schwergewichtig eine Produzentin von Wirkstoffen für Medikamente. In diesem Bereich ist die Konkurrenz gross.

Günthardt: Ja. Doch in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden unsere Kunden, also die grossen Pharmakonzerne, noch mehr Entwicklungs- und Produktionsschritte auslagern. Davon werden auch wir profitieren.

Neben diesem Synthesegeschäft setzen Sie auch auf inhalierbare Generika. Wann kommen diese auf den Markt?

Günthardt: Im Oktober sollten die ersten produzierbaren Prototypen vorliegen. Anschliessend folgen klinische Tests und Registrierungsverfahren. 2011 könnte die Markteinführung folgen.

Wegen der Verkäufe fällt der Reingewinn 2007 hoch aus. Gibt es eine Sonderdividende?

Günthardt: Wir werden diese Mittel für Investitionen im Synthesebereich und die Entwicklung neuer Technologien im Generika-Geschäft einsetzen. Über die Dividende entscheidet der Verwaltungsrat.

Wie sieht es mit Zukäufen aus?

Günthardt: Falls sich eine interessante Gelegenheit bieten würde, könnte man dieses Geld sicher auch für Akquisitionen verwenden. Bisher haben wir aber noch kein Objekt entdeckt, das unseren Kriterien entspricht.

Anders gefragt: Wie oft erhalten Sie Kaufofferten für Siegfried?

Günthardt: Im Markt ist bekannt, dass Siegfried nicht zu kaufen ist. Deshalb erhalten wir nicht wöchentlich Übernahmeangebote.