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Affäre Khashoggi
Siemens-Chef Joe Kaeser bleibt Riad fern

ARCHIV - 01.02.2017, Bayern, München: Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, spricht während einer Pressekonferenz im Rahmen der Siemens-Hauptversammlung in der Olympiahalle. (zu dpa "Grüne: Siemens-Chef Kaeser soll nicht zur Investorenkonferenz in Riad" vom 18.10.2018) Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Peter Kneffel)
Joe Kaeser: Chef von Siemens.Quelle: Keystone

Joe Kaeser tut es Tidjane Thiam und Ulrich Spiesshofer gleich: Der Chef von Siemens fährt wegen der Tötung von Jamal Khashoggi nicht nach Saudi-Arabien.

Veröffentlicht am 22.10.2018

Siemens-Chef Joe Kaeser verzichtet nach dem unaufgeklärten Tod des Journalisten Jamal Khashoggi auf seine geplante Reise nach Saudi-Arabien. Kaeser teilte am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, er ziehe seine Zusage für eine Investorenkonferenz in dem Königreich in dieser Woche zurück. 

Auch andere Grössen aus Politik und Wirtschaft machen einen Bogen um das Treffen. Absagen kamen unter anderem von US-Finanzminister Steven Mnuchin, IWF-Chefin Christine Lagarde und den Chefs von Deutscher Bank, HSBC, ABB und Credit Suisse. Brisant: Die Schweizer Bank ist Sponsor der Events.

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Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat mehrmals versucht, die Organisatoren der Future Investment Initative (FII) zum Verschieben ihrer Jahreskonferenz zu bewegen. Thiam biss aber auf Granit. Morgen, am 23. Okober, wollen die Saudis trotz weltweiter Empörung und dem Fernbleiben von hochkarätigen Gästen das «Davos in der Wüste» abhalten.

Wochenlanger Drahtseilakt

Die Affäre dauert schon einige Wochen. Saudi-Arabien dementierte zunächst, am Verschwinden von Khashoggi beteiligt gewesen zu sein. Am Samstag hat das Königreich dann eingestanden, dass der regierungskritische Journalist im saudischen Konsulat in Istanbul getötet worden sei.

«Ich habe Hunderte, wenn nicht gar Tausende von E-Mails und Social Media-Posts erhalten, in denen ich aufgefordert wurde, nicht an der Future Investment Initiative Conference (FII) in Riad (...) teilzunehmen», schreibt Kaeser in einer ausführlichen Begründung auf Linkedin. «Nur zwei Leute empfahlen mir, zu gehen.»

Kaeser kondoliert der Familie des Getöteten. «Als ich von seinem Tod hörte, war mir klar, dass wir nicht einfach weitermachen und wie gewohnt handeln konnten», schreibt der Siemens-Chef. Er hätte drei Optionen gehabt: Fernbleiben, jemanden «aus der zweiten oder dritten Reihe schicken», hingehen. Er habe sich fürs Fernbleiben entschieden. «Es ist die sauberste Entscheidung, aber nicht die mutigste», so Kaeser.

«Keine Entscheidung gegen das Königreich»

Kaeser betont, sein Verdikt sei «keine Entscheidung gegen das Königreich oder sein Volk». Siemens sei seit Jahrzehnten ein Partner Saudi-Arabiens und unterstütze das Land und dessen «Vision 2030», die darauf abzielt, das Königreich unabhängiger vom Geld aus Erdöl zu machen.

«Aber jetzt muss die Wahrheit gefunden und der Gerechtigkeit gedient werden», sagt Kaeser. «Dies sollte in Zukunft das Grundprinzip bei der Entwicklung des Königreichs zum Wohle seiner Bevölkerung und der gesamten Region sein.»

(ise)