Bei Siemens müssen einige mächtige Top-Manager um ihre Posten bangen. Sie könnten den Umbauplänen des neuen Siemens-Chefs Peter Löscher zum Opfer fallen. Der Österreicher will das Unternehmen auf die drei Säulen Energie, Infrastruktur und Medizintechnik konzentrieren. Die Führungsstruktur möchte er entsprechend aufstellen. Jede der drei Sparten solle einen CEO bekommen, der weltweit für das Geschäft verantwortlich sei, erklärte Löscher. «Wir müssen fokussierter sein, wir müssen schneller am Kunden sein.»

Bisher herrscht bei Siemens ein kompliziertes Geflecht aus zentralen sowie für die einzelnen Bereiche zuständigen Geschäftsleitungen und den Chefs der einzelnen Ländergesellschaften. Die Umbaupläne wurden bereits in der Geschäftsleitung diskutiert und dem Verwaltungsrat in groben Zügen vorgestellt. Ende November soll das Kontrollgremium endgültig zustimmen. Bis dahin will Löscher auch über die Besetzung der Posten entschieden haben. Dies werde gemeinsam in der Geschäftsleitung ohne externe Berater geschehen, sagte der Siemens-Chef.
Die Personalentscheidungen könnten für Löscher eine heikle Aufgabe werden. Er ist erst seit knapp 100 Tagen bei Siemens im Amt. Er kam als erster Konzernchef in der 160-jährigen Firmengeschichte von aussen in das Unternehmen und verfügt deshalb über kein erprobtes Netz. Vor allem die Bereichsvorstände beobachteten Löschers Pläne mit Skepsis, sagt ein Aufsichtsratsmitglied. Denn die zweite Führungsebene werde wohl dünner werden. Und auch die mächtigen Landeschefs dürften um ihren Einfluss fürchten. «Die Unternehmer vor Ort müssen der globalen Strategie folgen», sagte Löscher.
Welche Auswirkungen das Modell abseits von der Vorstandstruktur auf die Konzernteile hat, liess Löscher offen. Bisher hat Siemens zehn operative Sparten. Der Österreicher trat Spekulationen entgegen, dass Bereiche verkauft werden könnten, die sich nur schwer Energie, Infrastruktur und Medizintechnik zuordnen lassen. «Ich will nicht das ganze Portfolio wild verkaufen.» Seit Wochen halten sich hartnäckig Gerüchte, Siemens könnte seine Lichttechnik-Tochter Osram abgeben. «Es gibt keine Überlegungen zu Osram», sagte Löscher. Man sei zufrieden mit dem Geschäftsverlauf. Das Gleiche gelte für Bosch Siemens Hausgeräte. Handlungsbedarf gab Löscher beim verlustreichen Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks zu.