Siemens steht Insidern zufolge kurz vor einer Vereinbarung zum Kauf des US-Unternehmens Dresser-Rand. Der Münchner Konzern sei mit einem Barangebot von über sechs Milliarden Dollar in das Bietergefecht um den US-Öl- und Gastechnik-Spezialisten eingestiegen, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen am Wochenende. Bereits am Montag könnte die Einigung besiegelt werden.

Auch der Schweizer Technologiekonzern Sulzer hatte Interesse an Dresser-Rand signalisiert. Siemens selbst wollte sich dazu nicht äussern. Bei Dresser-Rand war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Am Mittwoch tagt der Aufsichtsrat von Siemens.

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Bisher war der Preis zu hoch

Investmentbanker berichten, Siemens-Chef Joe Kaeser würde je Dresser-Aktie über 80 Dollar auf den Tisch legen. Am Freitag hatte die Dresser-Rand-Aktie mit 79,91 Dollar geschlossen. Siemens hatte Kennern zufolge immer wieder mit den Amerikanern verhandelt, war vor einer Übernahme angesichts des hohen Preises bisher aber zurückgeschreckt. Medienberichten vom Wochenende zufolge ist auch der US-Rivale GE bereit, in den Firmenpoker mit einzusteigen.

Eine Sulzer-Sprecherin bekräftigte am Freitag, ihr Haus führe keine exklusiven Verhandlungen mit den Amerikanern. «Für beide Seiten sind damit keine Optionen ausgeschlossen», sagte sie. Sulzer - mit dem ehemaligen Siemens-Chef Peter Löscher an der Spitze des Verwaltungsrats - hatte am Donnerstag Fusionsverhandlungen mit dem US-Konzern verkündet und für das Vorhaben viel Lob erhalten. Dresser-Rand und Sulzer zählen beide die Öl- und Gasbranche zu ihren wichtigsten Kunden. Während die Amerikaner Turbinen und Kompressoren herstellen, sind Pumpen das Hauptgeschäft des Unternehmens aus Winterthur.

Scheitert die «perfekte Ehe»?

Analysten sprachen von einer «perfekten Ehe», sollten sich die beiden in etwa gleich grossen Firmen im Zuge eines Aktientauschs zusammenschliessen.

Siemens-Chef Kaeser hatte Dresser-Rand als eine von mehreren interessanten Firmen in Übersee genannt. Der Manager will sein Haus stärker als Lieferant der boomenden Öl- und Gasindustrie in Nordamerika etablieren und hat dafür auch Zukäufe in Aussicht gestellt. Um dort zu reüssieren, verlegt er eigens die Zentrale seiner Energiesparte in die USA.

«Verzwickte Situation»

Abgesehen vom Preis sei Dresser-Rand schon seit längerem ein Traum-Übernahmeziel, hiess es aus dem Siemens-Umfeld. «Es ist eine verzwickte Situation», sagte ein Kenner der Situation. Im Kapitalmarkt wird gemutmasst, bei den Übernahmespekulationen könnte es sich um ein letztes Signal der Dresser-Rand-Spitze an Siemens handeln, jetzt im letzten Moment zuzuschlagen oder für immer zu schweigen.

Sollte sich Sulzer gegen Kaeser durchsetzen, würde Löscher über seinen langjährigen Finanzchef und internen Rivalen bei Siemens zumindest in einer Schlacht triumphieren. Und der Österreicher hat einen Startvorteil: Die vom russischen Milliardär Wiktor Wekselberg dominierte Sulzer-Mutter Renova hat sich bereits knapp fünf Prozent der Dresser-Anteile gesichert, wie die Holding am Freitag mitteilte.

(reuters/gku)