Der Elektrokonzern Siemens will im wichtigen Industriegeschäft mehr als 1 Milliarde seiner konzernweit angepeilten Einsparungen von insgesamt 6 Milliarden Euro schaffen. Weltweit werden rund 3000 Vollzeitstellen gestrichen. Der Sektor werde in diesem und im nächsten Geschäftsjahr insgesamt 1,1 Milliarden Euro zum Sparprogramm beitragen, sagte Sektorvorstand Siegfried Russwurm bei einer Investorenkonferenz in Hannover.

Mit den Einsparungen will der Konzern die Marge im Industriegeschäft im Geschäftsjahr 2014 auf 14 Prozent verbessern. Im vergangenen Geschäftsjahr erreichte die Marge dort 12 Prozent. In Deutschland ist der Getriebebau von den Einsparungen betroffen. Hier sollen rund 500 Stellen schwerpunktmässig in Nordrhein-Westfalen an den Standorten Herne und Vreden wegfallen.

Hinzu kommt die Verlagerung der Standardmotoren-Produktion mit 200 Arbeitsplätzen von Bad Neustadt in die Tschechische Republik. Im Gegenzug will Siemens Fertigungsinhalte von München an den Standort Bad Neustadt geben, für den es einen Interessenausgleich gibt.

Von Einsparungen in Verwaltung und Vertrieb sind weitere 2200 Arbeitsplätze betroffen. Zur regionalen Verteilung könne man aber noch keine Angaben machen, sagte ein Unternehmenssprecher. Hinzu kommt die Streichung von 310 Stellen durch die Verkleinerung oder Schliessung von Werken in Indien und Pakistan.

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Das vergangene zweite und auch das laufende dritte Geschäftsquartal seien im Industriegeschäft eher schwach, sagte Russwurm. «Kurzfristig erwartet der Sektor Industry ein weiterhin herausforderndes Marktumfeld. Dies betrifft insbesondere die kurzzyklischen Geschäfte mit Automatisierungs- und Antriebskomponenten sowie das Feld der erneuerbaren Energien.»

Hartes Sparprogramm

Siemens hatte sich im November nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Geschäftsjahr ein unerwartet hartes Sparprogramm auferlegt. 6 Milliarden Euro sollen bis 2014 eingespart werden, die Ergebnismarge der Sektoren soll mindesten 12 Prozent erreichen. Dazu will der Konzern vor allem beim Einkauf weniger ausgeben, in der Konstruktion mehr auf die Kosten achten und Bürokratie abbauen. Mit 3,2 Milliarden Euro soll das Energiegeschäft mehr als die Hälfte der Einsparungen erbringen, hatte der Konzern im Dezember erklärt.

Im wichtigen Industriegeschäft, das bei Siemens nach dem Energiegeschäft vom Umsatz her das zweitgrösste ist, waren im ersten Geschäftsquartal (Ende Dezember) Bestellungen, Umsatz und Gewinn geschrumpft. Hier spürt Siemens besonders rasch, wenn das Klima der Weltwirtschaft rauer wird. Kunden greifen dann eher zu günstigen Produkten oder schieben Investitionen auf die lange Bank. Die Produktplatte des Sektors reicht von Automatisierungstechnik über industrielle Antriebe hin zu Software.

Am 2. Mai will der Konzern die Geschäftszahlen für das vergangene zweite Geschäftsquartal (Ende März) veröffentlichen. Jüngst hatte Peter Löscher dem «Handelsblatt» gesagt, dass die Geschäfte nicht leichter geworden seien. Bisher spüre Siemens noch nichts von einem Aufschwung, den viele Experten für die kommenden Monate erwarten. Laut Informationen der Zeitung ist das jüngst abgeschlossene Quartal dann auch nur «durchwachsen» verlaufen.

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(tno/awp)