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Sika: Übernahme wäre ein Desaster

Sika: Seit Monaten wütet ein wüster Übernahmekampf. Keystone

Noch ein Aktionär wehrt sich gegen einen Sika-Verkauf an Saint-Gobain. Die Beteiligungsgesellschaft Threadneedle bezeichnet die Schweizer Firma als Schmuckstück – und glaubt an deren Chancen.

Veröffentlicht am 02.03.2015

Im Kampf um den Baustoffhersteller Sika hat sich am Montag mit Threadneedle erneut ein Minderheitsaktionär zu Wort gemeldet. Für die britische Beteiligungsgesellschaft wäre eine Übernahme durch Saint-Gobain ein Desaster.

« Saint-Gobain braucht Sika, Sika braucht Saint-Gobain nicht», sagte Iain Richards, bei Threadneedle Verantwortlicher für gute Geschäftsführung und nachhaltige Investitionen. «Wenn dieser Deal zustande kommt, wird man sich in ein paar Jahren fragen, wie in aller Welt man so etwas zulassen konnte», sagte er.

«Sika ist ein Schmuckstück»

«Sika ist ein Schmuckstück, eine ausserordentliche Firma mit einer aussergewöhnlichen Unternehmenskultur», sagt er weiter. Die Mitarbeiter und das Management, welche für diese Kultur verantwortlich seien, verdienten eine erfolgreiche Fortsetzung ihrer Unternehmensgeschichte.

Richards machte keinen Hehl daraus, dass er den redlichen Absichten des französischen Grosskonzern Saint-Gobain misstraut. Er habe die Medien zum Gespräch eingeladen, weil er glaubt, dass oftmals noch zu wenig verstanden werde, was auf dem Spiel stehe: Eine Traditionsfirma einerseits, andererseits aber auch Investitionen von Pensionskassen und anderen, also Geld «von gewöhnlichen Leuten», wie Richards sagte.

Unausgewogenes Synergiepotenzial

Das von den Franzosen errechnete Synergiepotenzial für beide Firmen sei unausgewogen und die Einsparungen für Sika mit 70 Millionen Euro zu hoch angesetzt. Nach der Transaktion würde Saint-Gobain seine eigenen Interessen durchsetzen. Der Aktienkurs von Saint-Gobain habe in den letzten zehn Jahren nur etwa 25 Prozent zugelegt, während jener von Sika um 380 Prozent gewachsen sei.

Threadneedle ist zuversichtlich, dass die Übernahme nicht zustande kommt, ansonsten würde sich der auf langfristige Anlagen spezialisierte Investor überlegen, sich von Sika zurückzuziehen.

Kampf vor Gericht

Der Kampf ist inzwischen auch Sache der Gerichte. Threadneedle sieht für das Sika-Management und den Verwaltungsrat gute Chancen, um mit ihren Anliegen durchzukommen. Der Idealfall aus Sicht der Minderheitsaktionäre wäre gemäss Richards, dass Saint-Gobain von sich aus die Finger von der Kontrollmehrheit bei Sika lässt.

Threadneedle ist seit etwa 20 Jahren bei Sika engagiert und hält etwa 1,7 Prozent der Aktien. Zusammen mit der Gesellschaft von Microsoft-Gründer Bill Gates (Bill & Melinda Gates Foundation Trust), Cascade Investment L.L.C und Fidelity Worldwide Investment bildet Threadneedle aber eine Gruppe, die rund 8,6 Prozent des Aktienkapitals hält. Diese Gruppe äusserte sich bereits zuvor zusammen mit der Stiftung Ethos kritisch zum geplanten Verkauf, der die Erbenfamilie von Sika angestossen hat.

Saint-Gobain hingegen betonte stets, Sika mit Respekt weiter zu führen. Bereits im zweiten Semester wollen die Franzosen die Kontrolle übernehmen. Die Marke Sika würde erhalten bleiben, ebenso der Schweizer Sitz.

(sda/ise/ama)

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