Der Verwaltungsrat des Baustoffkonzerns Sika will der Besitzer-Familie Burkard ein Alternativangebot zum Deal mit Saint-Gobain unterbreiten. Die fünf Erben müssen aber je auf 100 Millionen Franken verzichten.

Wie Sika-Präsident Paul Hälg letzte an der Generalversammlung erklärt hatte, arbeitet man an einem Alternativvorschlag zum Deal mit dem französischen Konkurrenten Saint-Gobain. Dieser erlaube sowohl der Familie eine ansprechende Prämie, sei aber auch «im besten Interesse» der Sika.

Rückkauf für 2,25 Milliarden

Nun hat die «Sonntagszeitung» erfahren, wie der Vorschlag aussehen könnte. In einem ersten Schritt kaufe Sika der Familie Burkard für 2,25 Milliarden Franken die Aktien ab. Saint-Gobain zahlt 2,75 Milliarden, weshalb die fünf Geschwister auf je 100 Millionen Franken verzichten müssten.

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte inzwischen den Medienbericht. Es treffe zu, dass der Verwaltungsrat der Familie ein Angebot gemachte habe, sagte Dominik Slappnig der Nachrichtenagentur AFP. Zur Höhe des Angebots äusserte er sich nicht. Das Angebot umfasse aber eine Prämie, sagte er weiter.

Dem Blatt zufolge bietet der Verwaltungsrat der Familie zudem an, vorerst einen Teil der Aktien zu behalten. So könnten die Erben vom voraussichtlichen Kursanstieg profitieren und würden letztlich in der Summe wohl keine Einbusse erfahren. Zuletzt ist die Sika-Aktie bei jeder Nachricht gestiegen, die den Verkauf nach Frankreich etwas weniger wahrscheinlich hat erscheinen lassen.

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Einheitsaktie geplant

Gemäss den im Bericht zitierten Insidern wäre die Finanzierung des Kaufpreises kein Problem. Sika verfügte Ende 2015 über flüssige Mittel von fast 899 Millionen Franken, der Rest würde über Kredite finanziert. Laut dem fertig ausgestalteten Plan würde Sika in einem zweiten Schritt die Einheitsaktie einführen.

Im dritten Schritt würden die in Einheitsaktien umgewandelten Papiere an der Börse abgestossen oder paketweise an grosse Investoren verkauft. Bereits gebe es Interessenten, so die «Sonntagszeitung». Es braucht jedoch immer zwei Seiten für eine neue Lösung. Die Familie müsste nun einen Schritt machen.

Kontrollmehrheit soll verkauft werden

Dank Sonderprivilegien kontrolliert die Familie Burkard mit einem Kapitalanteil von rund 16 Prozent knapp 53 Prozent der Stimmen an Sika. Diese Kontrollmehrheit will die Familie an Saint-Gobain verkaufen, wogegen sich der Verwaltungsrat und das Management von Sika wehren. Mit dem Fall beschäftigen sich mittlerweile Gerichte.

An der Börse wird die Nachricht wohlwollend aufgenommen: Die Sika-Papiere steigen bis 09.25 Uhr um 1,2 Prozent auf 3386 Franken. Damit folgen die Aktien dem gewohnten Muster, sind sie doch in den letzten Monaten jeweils bei jeder Nachricht gestiegen, die den Verkauf nach Frankreich etwas weniger wahrscheinlich hat erscheinen lassen.

Euphorie hält sich in Grenzen

Doch die anfängliche Euphorie hält sich in Grenzen, sind doch die Valoren von ihrem anfänglichen Kursplus von knapp 3 Prozent bereits wieder etwas zurückgekommen. Der Grund dafür liegt auf der Hand und wird vom Vontobel-Analyst Christian Arnold auf den Punkt gebracht: «Leider gibt es einen gültigen Vertrag zwischen der Familie und Saint-Gobain.»

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Zudem: Die Familie Burkard hätte nicht nur eine tiefere Offerte anzunehmen, sondern sähe sich wohl auch einem Rechtsstreit mit Saint-Gobain ausgesetzt oder müsste eine Strafe zahlen, so Arnold.

(awp/ise/moh)