Investoren, die ihr Geld in Silicon Valley anlegen und nach einer Gewinnmöglichkeit wie bei Google suchen, stecken nach wie vor Geld in Firmen, die Online-Videos anbieten, oder in soziale Netzwerk-Webseiten.

Doch die grossen Gewinne werden anderswo realisiert. In den letzten 18 Monaten haben laut Thomson Financial 45 Börsengänge von Technikfirmen, die von Risikokapitalgebern unterstützt wurden, in den USA über 10,2 Mrd Dollar eingespielt. Ein grosser Teil der Profite für die Risikokapitalgeber kam von unspektakulären Unternehmen, die Produkte wie Telekom-Anlagen und Datenarchivierung an gewerbliche Kunden verkaufen.
Fast 20 dieser Firmen haben nun jeweils eine Marktkapitalisierung von über 1 Mrd. Allein im Juni gingen vier Telekom- und Datenspeicherfirmen an die Börse: Starent Networks, Limelight Networks, Infinera und Data Domain. Ein weiteres Telekom-Unternehmen, ShoreTel, debütierte Anfang Juli. Die Aktien aller fünf Unternehmen sind zwischenzeitlich um mindestens 30% gestiegen, die Aktien von Infinera notieren aktuell über 80% über dem Ausgabepreis.
Risikokapitalfirmen wie Matrix Partners, Accel Partners, Sequoia Capital und Kleiner Perkin, die diese Börsengänge unterstützt haben, sind dabei die grossen Gewinner. Für viele von ihnen markiert das eine Wende. Noch 2002 und 2003 waren sie eher gezwungen, schwächelnde Unternehmen aus ihrem Portfolio auszubuchen.
«Wir mussten sehr geduldig sein», meint Tom Crotty, Partner bei Battery Ventures, das die nun öffentlich gehandelten Telekomausrüster Opium und Veraz Networks unterstützte. Battery besitzt darüber hinaus Anteile an den
beiden Datensicherungsfirmen Natezza und Blade-Logic, deren Börsengänge anstehen. Die jüngsten Börsendebütanten gleichen Arbeitspferden, sie sind auf Ausrüstergeschäfte und Businesskunden spezialisiert. Sie liefern zu Dutzenden IPO-Profite ab, die die Gewinne der jüngsten Konsumenten-Deals – wie Googles Kauf von You-Tube, woran nur eine Risikokapitalgesellschaft beteiligt war – in den Schatten stellen. Tatsächlich ist von den 79 Techno-Börsengängen in den USA seit Januar 2006 nur eine Hand voll der beteiligten Unternehmen im Geschäft mit dem Endverbraucher.

Mit Geld überschüttet

Risikokapitalanleger investierten im 1. Quartal fast 1,4 Mrd Dollar in Internetfirmen, das sind 46% mehr als vor einem Jahr. Trotzdem sinkt der Gesamtbetrag, den Venture Capital in Netzwerkausrüster und Telekom-Firmen stecken. Im 1. Quartal investierten diese Financiers 655 Mio Dollar in Kommunikations- und Netzwerkfirmen, 22% weniger als im vergleichbaren Zeitraum 2006, so die Marktforscher von VentureOne.
Das zeigt, wie das finanzstarke Silicon Valley oft launenhaften Trends folgt und bestimmte Sektoren trotz fehlender Gewinne mit Geld überschüttet. «Ich möchte nicht den Begriff Lemminge benutzen», sagt Scott Bonharn,
Partner bei Granite Global Ventures. «Aber es ist ein bisschen so, wie wenn Fünfjährige Fussball spielen: Alle drängeln sich um den Ball.»

Anzeige