Als die Airline-Welt noch in Ordnung war, zehrten Piloten von ihrem glamourösen Image. Sie konnten Vereinbarungen durchsetzen, die ihnen nicht nur einen hohen Lohn, sondern auch den Job sicherten. Doch längst ist der Luftfahrtmarkt ein anderer, der wirtschaftliche Druck enorm.

Billigflieger wie Easyjet und Ryanair rauben Marktanteile, arabische Airlines wie Qatar, Emirates und Etihad bauen ihren Einfluss stetig aus. «Nicht alle Piloten haben den Ernst der Lage erkannt», sagt Swiss-Konzernchef Harry Hohmeister, der in dieser Woche eine neue Konzernstrategie präsentierte.

Schwergewichte der Branche leiden

Die Umwälzungen treffen freilich auch die Schwergewichte der Branche. Bei der Konzernmutter der Swiss fielen seit April in vier Streikwellen insgesamt rund 4300 Flüge aus. Das knabbert am Markenwert der Lufthansa, der laut einer Studie allein im vergangenen halben Jahr um über ein Drittel geschrumpft ist. Die Kosten der Ausstände liegen bei Dutzenden Millionen Euro.

Bei der Nummer Zwei im europäischen Markt hat der zweiwöchige Pilotenstreik gar ein Loch von einer halben Milliarde Euro in die Bilanz gerissen, wie Air France KLM am gestrigen Mittwoch meldete. Das wäre mehr als ein Fünftel des voraussichtlichen Jahresgewinns, der zuletzt wegen der hohen Konkurrenzdrucks ohnehin schon einmal gesenkt werden musste.

Anzeige

Gehaltsunterschiede bei Piloten gewaltig

Die Airlines verlangen von ihren Piloten, dass sie die Umwälzungen in der Branche mittragen, also flexibler arbeiten – und vor allem auf Gehalt verzichten. Fakt ist: Der Umbruch in der Branche offenbart sich auch im Lohngefüge der Piloten. Die Unterschiede zwischen den Airlines sind teils gewaltig (siehe Bildergalerie oben).

Die Frage steht also im Raum: Sind Piloten eine verwöhnte Spezies, die sich gegen den Wandel stemmt, weil es den Verlust von Geld und Privilegien bedeutet? Die Interessensvertreter der Piloten sehen es freilich nicht so. «Die Strategie des Managements geht nicht auf. Selbst wenn wir Piloten gratis fliegen würden, wäre die Swiss immer noch teurer als die Billig-Airlines», sagte Aeropers-Geschäftsführer Henning Hoffmann der «Handelszeitung».