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Biermarkt
«Sind auf den Erdinger-Zug aufgesprungen»

Turm der Brauerei Falken: Seit über 200 Jahren braut Falken in Schaffhausen Bier. (Bild: Keystone)

Seit wenigen Monaten führt die Schaffhauser Brauerei Falken ein alkoholfreies Weizenbier im Sortiment. Damit nutzt diese als erste Schweizer Brauerei die Vorlage des Münchner Bierriesen.

Von Tobias Keller
am 27.09.2013

Mehrere Millionen Euro hat der Münchner Brauereiriese Erdinger in Werbung gesteckt, um dem Konsumenten klar zu machen: Alkoholfreies Weizenbier hat eine isotonische Wirkung – und ist deshalb auch als Getränkt für Sportler geeignet. Die Marke «Erdinger Weissbier alkoholfrei» ist deshalb mittlerweile längst im Spitzensport etabliert, tritt als Sponsor bei Marathon- und Triathlon-Veranstaltungen auf – und rüstet sogar eigene Teams aus.

Nicht schlecht staunten daher die Teilnehmer des 30. Schaffhauser Triathlons Mitte August, als auf einmal die regionale Brauerei Falken ihr alkoholfreies Weizen bewarb und das Vorbild aus Bayern kopierte.

Falken gehört zu den fünf grössten unabhängigen Brauereien der Schweiz und beschäftigt 55 Mitarbeiter. Über Zahlen zu sprechen ist nicht die Art der Branche, auch nicht bei Falken. Die Lancierung des ersten Schweizer Weizenbieres ohne Alkohol ist still und fast heimlich diesen März über die Bühne gegangen.

«Das ist das Recht der Kleinen»

Sieben Monate haben die Verantwortlichen in Schaffhausen getüftelt und dabei auch vom neu engagierten Braumeister aus Bayern profitiert. Das Bier ist sozusagen sein «Servus» an den neuen Arbeitgeber.

Alkoholfreies Weizenbier liegt im Trend. Falken-CEO Markus Höfler gibt zu: «Ja, wir sind auf den Zug von ‹Erdinger Weissbier alkoholfrei› aufgesprungen – es ist das Recht des Kleinen, das zu tun.»

Trends erkennen

Schon in den 1990er Jahren hatte die Brauerei erfolgreich auf einen Trend reagiert. Als Corona die Bars im Sturm eroberte, konterte Falken mit dem «First Cool» und gewann die Gunst der Jungen zurück und bewies: Wir können das auch.

Für Firmenchef Markus Höfler sind dies Beispiele, wie auch kleine Anbieter auf grössere Trends reagieren können. «Wir sind zudem sehr wohl in der Lage, selbst neue Trends zu erkennen und erfolgreich am Markt umzusetzen», unterstreicht der Falken-CEO.

Lancierung im kalten Frühling

Die Lancierung des neuen Bieres ist alles andere als reibungslos verlaufen: Mit der ersten Frühlingssonne sollte das Weizenbier ohne Alkohol die wiedererwachten Velofahrer und Sportler begrüssen. Doch daraus wurde nichts – der Frühling 2013 war zu kalt.

«Alles, was nicht passieren sollte, ist passiert»,blickt Höfler auf den Start zurück. Erst gegen Ende Juni seien die Verkäufe des neuen und bis dahin noch nicht beworbenen Bieres merklich angezogen. «Aber wir haben noch viel Luft nach oben.»

Vor allem bei Sportveranstaltungen gegen Ende des Sommers war Falken mit dem neuen Produkt präsent: Nebst dem Schaffhauser Triathlon auch an der Tortour, im Spitzenhandball und bei den Fussballern. Für Höfler ist diese Ausrichtung, wie sie schon Erdinger pflegt, unumgänglich: «Das Getränk definiert sich über den Sport.»

«Würden es wieder tun»

Offizielle Verkaufszahlen gibt die Brauerei nicht bekannt. Doch im hauseigenen Getränkemarkt zeigt sich, dass «Bier Nummer 14» bei den Kunden anzukommen scheint.

Falken-CEO Markus Höfler bereut das Aufspringen auf den Trend nicht: «Wir würden es wieder tun», sagt er – und fügt scherzhaft an: «Allerdings erkundigen wir uns beim nächsten Mal vor der Lancierung bei Meteorologe Thomas Bucheli über den genauen Termin des Sommerstarts.»

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