Swisslog braucht jetzt bedeutende Neuaufträge im Bereich Warehouse Distribution Solutions, also bei den Logistikdienstleistungen für Lagerhäuser, damit Ihnen im 2. Halbjahr nicht die Arbeit ausgeht. Remo Brunschwiler: Wir sind mit den bestehenden Aufträgen bis im September ausgelastet, in beiden Divisionen.Für die Profitabilität der Warehouse-Sparte sind neue Serviceaufträge essenziell.

Bleibt dadurch die Ebita-Marge der gesamten Warehouse-Sparte stabil?

Brunschwiler: Ja.

Machen die Kunden die Serviceaufträge nicht vom Konjunkturumfeld abhängig?

Brunschwiler: Doch, zum Teil werden Serviceaufträge reduziert - etwa von Firmen, die von Dreischicht- auf Zweischichtbetrieb wechseln. Doch die Auswirkungen der Krise sind für das Servicegeschäft generell weniger stark. Denn Warten müssen die Unternehmen ihre Anlagen weiterhin.

Gibt es Kunden, die Grossaufträge sistieren - Stichwort Kreditverknappung?

Brunschwiler: Bei gebuchten Aufträgen hat bei uns noch nie ein Kunde einen Rückzieher gemacht. Doch bis ein Vertrag unterschrieben wird, dauert es seit dem letzten Sommer sehr viel länger. Letztes Jahr erhielten wir nur ein Grossprojekt -den 50-Mio-Fr.-Auftrag vom norwegi-schen Detailhändler ASKO.

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Und in diesem Jahr?

Brunschwiler: Wir sind gut ins Jahr gestartet und verbuchten in den ersten zwei Monaten bereits zwei Grossaufträge: Einen 22-Mio-Fr.-Auftrag von Hangzhou Cigarette Factory in China und einen 75-Mio-Fr.-Auftrag vom finnischen Schiffsmotorbauer Wärtsilä. Insgesamt erwarten wir bis Ende Jahr maximal fünf Grossaufträge.

Kommen die weiteren Aufträge von bestehenden Kunden wie Target und Wal-Mart?

Brunschwiler: Bei Target gehen wir davon aus, dieses Jahr einen Grossauftrag für ein weiteres regionales Verteilzentrum zu erhalten. Dort geht es um Retrofit-Lösungen bei bestehenden Anlagen - wir erhöhen also deren Automatisierungsgrad. Auch bei Wal-Mart besteht Potenzial für Retrofit-Lösungen für die bestehenden zehn Anlagen, die wir gebaut haben. Dabei handelt es sich jedoch um kleinere Projekte. Generell erwarten wir derzeit eher kleine und mittlere Projekte, die für den Kunden zu einem schnellen Payback führen.

Wie wirken sich die Übernahmen von kleinen Firmen wie kürzlich Evomatic in Österreich auf Ihre Marge aus?

Brunschwiler: Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit im Segment der Leichtgüter verbessern. Ohne eigene Technologien ist das sehr schwierig. Deshalb haben wir diese Start-up-Firma gekauft. Sie gibt uns Zugang zu den sogenannten Miniload-Cranes. Wir brauchen solche Technologien, da wir sonst einen zu grossen Teil der Wertschöpfung an Dritte, Zulieferanten von Hardware-Equipment, abgeben. Diese sind zunehmend auch unsere Wettbewerber als Integratoren, weshalb wir diese Abhängigkeit ohnehin reduzieren wollen.

Haben Sie weitere Firmen im Visier?

Brunschwiler: Wir haben weiterhin eine Lücke bei den Fördersystemen im Leichtgutbereich. Wir arbeiten an einer Lösung.

Das heisst, dieses Jahr ist noch die eine oder andere Übernahme zu erwarten.

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Brunschwiler: Nur wenn die entsprechenden Kriterien erfüllt sind. Im Fokus stehen Abrundungsakquisitionen im Gesundheitsbereich, um die Marktanteile zu erhöhen. Bei den Rohrpostagenten in Europa gibt es noch Opportunitäten.

Was ist Ihr Marktanteil im Moment?

Brunschwiler: Weltweit liegt unser Anteil bei Rohrpostsystemen im Spitalbereich bei rund 40%, in Nordamerika bei 60 bis 70% und in Europa bei 25 bis 30%. In Europa soll der Anteil auf 40% steigen.

Liegen die Wachstumschancen für den Gesundheitsbereich in Europa?

Brunschwiler: In Nordamerika haben wir eine hohe Marktdurchdringung erreicht. In Europa, aber auch im Mittleren Osten und in Asien wachsen die Märkte für unsere Healthcare-Systeme nach wie vor, sowohl bei staatlichen als auch bei privaten Spitälern. Wir bauen derzeit auch unsere Niederlassungen in Dubai und Schanghai aus.

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In den USA ist die Marktdurchdringung zwar hoch, aber auch der Kostendruck könnte Chancen beinhalten.

Brunschwiler: Die USA sind für unsere Healthcare-Aktivitäten sehr wichtig. Dort genieren wir 60% des Divisionsumsatzes. Wir erwarten im Verlaufe dieses Jahres eine Verlangsamung der Nachfrage, weil die Spitalneubauten rückläufig sind. Mittelfristig können wir allerdings von den Konjunkturstimulierungsprogrammen und dem Kostendruck profitieren.

Ist der Regierungswechsel in den USA mit dem Fokus auf den Ausbau des Gesundheitswesens in Swisslogs Interesse?

Brunschwiler: Wenn das dazu führt, dass in den USA mehr in die Infrastruktur des Gesundheitssektors investiert wird, dann ist das für uns positiv.

Und die demografische Entwicklung?

Brunschwiler: Gerade im Gesundheitsbereich sind die Überalterung und der Fachkräftemangel mittelfristig ein klarer Wachstumstreiber für unsere automatisierten Lösungen. Sie ersetzen die kosten- und personalintensiven manuellen Transporte; zudem sind sie schnell und sicher.

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Swisslog selber fehlen im Moment keine Fachkräfte?

Brunschwiler: Nein, wir haben Ende 2008 einen Personalstopp verfügt. Sollten wichtige Aufträge ausbleiben, müssten wir Personal reduzieren. Doch derzeit sind wir ausgelastet; ausserdem können wir Personal flexibel über Länder und Geschäftsbereiche hinweg einsetzen.

Wo steht Swisslog beim PillPick-Patentstreit in den USA?

Brunschwiler: Das erstinstanzliche Urteil verzögert sich weiter. Wir gehen von einem Entscheid in der ersten Hälfte 2010 aus. Wir sind weiterhin der festen Überzeugung, dass wir den Prozess gewinnen.

Erwarten Sie dennoch für dieses Jahr weitere juristische Kosten?

Brunschwiler: Wir gehen davon aus, dass 2009 noch Kosten anfallen werden, allerdings weniger als letztes Jahr.

Sie rechnen mit einer weiteren Branchenkonsolidierung. Wo genau?

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Brunschwiler: Die meisten grossen Mitbewerber sind von der Konsolidierung im Bereich Lagerhauslogistik betroffen. Zudem sind Firmen, die bisher nur Hardware angeboten haben, jetzt auch als Integratoren tätig. Viele Firmen wollen ihre Wertschöpfungstiefe erhöhen.

Berater überprüfen alle strategischen Optionen für Swisslog. Gibt es tatsächlich Unternehmen oder Investoren, die für beide Geschäftsbereiche eine industriell sinnvolle Lösungen anbieten können?

Brunschwiler: Es ist eine dauernde Aufgabe des Verwaltungsrats zusammen mit der Geschäftsleitung, die strategische Ausrichtung zu überprüfen. Grundsätzlich wollen wir an unserer bewährten Ausrichtung, basierend auf den beiden Divisionen, festhalten.

Gibt es noch komplementäre Firmen zur Lagerlogistik-Sparte? Swisslog ist nun selber mehr in Hardware tätig.

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Brunschwiler: Im Moment haben wir immer noch relativ wenig Hardware. Deshalb gibt es sicherlich Synergien mit Firmen mit viel Hardware.

Sie haben für das laufende Jahr einen Umsatzrückgang von 15 bis 20% vorausgesagt bei einer stabilen Ebita-Marge von 4,5%.

Brunschwiler: Diese Ziele können wir heute bestätigen. Damit hätten wir eine gute Ausgangslage.

Für den Aufschwung?

Brunschwiler: Es ist eine Gratwanderung, zu entscheiden, ob man kurzfristig Kosten und damit Fähigkeiten abbauen will - oder eben nicht, damit man nachher nicht gleich in einen Engpass gerät. Hier die richtige Balance zu halten, ist anspruchsvoll. Wir sind zum Glück noch gut ausgelastet, sodass wir bisher keine harten Entscheide fällen mussten.