Eine Zeitlang sah es so aus, als hätte Glencore die Wende geschafft. Der Zehn-Milliarden-Dollar- Schuldenabbauplan von CEO Ivan Glasenberg, zusammen mit Beteiligungsverkäufen und Produktionseinschnitten, hauchte der Aktie wieder Leben ein. Doch jetzt fällt der Kurs wieder, und der Druck auf den Zuger Konzern nimmt wieder zu.

«Die Arbeit muss wohl wieder von vorne los gehen», sagt Marc Elliott, Bergbauanalyst bei Investec, der vor sieben Wochen mit einer pessimistischen Studie zu einem Rekord-Tagesverlust bei Glencore-Aktien beigetragen hatte. «Vielleicht nicht in demselben Ausmass, aber sie müssen mehr tun.» Investoren empfiehlt Elliott, die Aktie zu verkaufen. 

Seit zehn Tagen im Minus

Die Glencore-Aktie fiel in London zuletzt zehn Tage in Folge – das war die längste Verluststrecke in der Unternehmensgeschichte. Seit Jahresbeginn hat Glencore fast 70 Prozent an Marktwert verloren, in diesem Jahr zeigt das Unternehmen die schwächste Entwicklung im britischen Leitindex FTSE 100.

Der Preisverfall bei Rohstoffen von Aluminium über Zinn bis hin zu Öl stellt Milliardär Glasenberg vor seine grösste Herausforderung, seit er das Ruder übernahm. Der 58-jährige Südafrikaner arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten für den Konzern, lenkte Glencore während eines von China angeheizten Rohstoffbooms, eines Börsengangs in London 2011 und der 29 Milliarden Dollar schweren Übernahme des Kohleexporteurs Xstrata. Letztes Jahr noch heckte er den kühnen Plan einer Übernahme des grösseren Konkurrenten Rio Tinto Group aus.

Alles anders

Nun ist alles anders. Seit Glencore sein Schuldenabbauprogramm verkündete, hat der Kupferpreis neun Prozent nachgegeben und am Dienstag ein Sechs-Jahres-Tief erreicht. Zink verlor 13 Prozent, und Kraftwerkskohle, deren grösster Exporteur Glencore ist, gab 7,6 Prozent ab. Das drückt die Gewinne, aber auch den Wert der Minen und Lagerbestände, der in die Berechnung der Nettoverschuldung einfliesst. 

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«Jeder derartige Rückgang bei den Metallpreisen setzt die fremdfinanzierten Akteure unter extremen Druck», sagt Paul Gait, Bergbauanalyst bei Sanford C. Bernstein Ltd. in London. «Auf jeden Fall setzt es Ivan und das Glencore-Management unter Druck, bei diesem Schuldensenkungsziel wirklich Gas zu geben.» 

Ivan «Langfristig» Glasenberg

Ins gleiche Horn bläst Rob Clifford von der Deutschen Bank. «Ich vermute, dass er unter Druck steht», sagt der Analyst des grössten deutschen Geldhauses. «Glasenberg hat zurzeit irgendwie kein Glück.»

Clifford relativiert aber: Glasenberg habe im Lauf der Jahrzehnte mehr richtig als falsch gemacht – «und das wird ihm helfen», sagt der Experte. «Wenn man ein Investor bei Glencore sein will, dann muss man wie Ivan denken. Man muss darauf vorbereitet sein, einige Jahre dabei zu bleiben. In den schlechten Jahren steckt man Geld hinein, und in den guten Jahren zieht man es wieder heraus.»

(bloomberg/ise)